NewsMedizinStudie stellt metabolisch gesunde Adipositas infrage
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie stellt metabolisch gesunde Adipositas infrage

Donnerstag, 31. Mai 2018

/shurkin_son, stockadobecom

Potsdam-Rehbrücke – Adipöse Frauen haben auch dann ein erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn sie über Jahrzehnte  keine weiteren Stoffwechselrisiken aufweisen und deshalb als metabolisch gesund eingestuft werden. Eine prospektive Beobachtungsstudie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2018; doi: PIIS2213-8587(18)30137-2) zeigt zudem, dass die meisten metabolisch gesunden Frauen im Alter Stoffwechselstörungen entwickeln, und zwar unabhängig davon, ob sie als junge Frauen adipös waren oder nicht.

Übergewicht und Adipositas sind wichtige Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Epidemiologen sind sich jedoch nicht sicher, ob dies an der Adipositas selbst liegt, oder ob die bei adipösen Menschen oft erhöhten Werte von Blutzucker, Blutdruck oder Blutfetten für das Risiko verantwortlich sind. 

Anzeige

Tatsächlich gibt es eine Reihe von adipösen Menschen, bei denen trotz Gewichts­problemen Blutzucker, Blutdruck und Blutfette normal sind. Neben diesen „gesunden Dicken“ gibt es auch „kranke Schlanke“, bei denen trotz Normalgewicht Blutzucker, Blutdruck oder Blutfette erhöht sind.  

Ein Team um Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke hat jetzt an der Nurses’ Health Study untersucht, welche Herz-Kreislauf-Risiken sich aus diesen Konstellationen ergeben.

Die Nurses’ Health Study begleitet seit 1980 eine Gruppe von amerikanischen Krankenschwestern, von denen 90.257 zu Beginn der Studie im Alter von 30 bis 55 Jahren noch keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufwiesen. Die Frauen füllen seit Beginn der Studie alle 2 Jahre Fragebögen zu Lebensstil, Gesundheitsverhalten und Erkrankungen aus. Auch der Body-Mass-Index (BMI) und Stoffwechselparameter werden regelmäßig aktualisiert. 

Da die Frauen auch Angaben zu möglichen Einflussfaktoren wie Alter, Ernährung, Raucherstatus, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, ethnische Zugehörigkeit, Bildungsgrad, menopausaler Status, ASS-Einnahme sowie zu Herzinfarkt und Diabetes machen, konnte Schulze den Einfluss, den Adipositas und/oder Stoffwechsel auf die Entwicklung von Herzinfarkt und Schlaganfall hatten, isoliert betrachten.

Frauen ohne Hypertonie, Diabetes oder Hypercholesterinämie wurden als metabolisch gesund eingestuft. Wenn einer der 3 Risikofaktoren vorhanden war, wurden sie als „metabolisch ungesund“ eingestuft.

Ergebnis: Metabolisch ungesunde Frauen hatten ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Das Ausmaß wurde wie erwartet vom BMI beeinflusst. Für metabolisch ungesunde Frauen mit Adipositas ermittelte Schulze eine Hazard Ratio von 3,15, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall 2,83 bis 3,50 statistisch signifikant war. Bei übergewichtigen und metabolisch ungesunden Frauen betrug die Hazard Ratio 2,61 (2,36–2,89), aber selbst normalgewichtige Frauen hatten, wenn bei ihnen Hypertonie, Diabetes und/oder Hypercholesterinämie vorlagen, ein erhöhtes Risiko (Hazard Ratio 2,43; 2,19–2,68).

Das Fehlen von Stoffwechselrisiken schützte adipöse Frauen jedoch nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die metabolisch gesunden adipösen Frauen ermittelte Schulze ebenfalls ein leicht erhöhtes Risiko mit einer Hazard Ratio von 1,39 (1,15–1,68).

Hinzu kommt, dass ein gesunder Stoffwechsel bei adipösen Menschen selten von Dauer ist: Von 3.027 metabolisch gesunden Frauen hatten nach 20 Jahren 2.555 (84 %) mindestens einen metabolischen Risikofaktor. Und selbst wenn sie ihre metabolische Gesundheit erhalten konnten, war ihr Herz-Kreislauf-Risiko am Ende doch erhöht (Hazard Ratio 1,57; 1,03–2,38). Deutlich höher war allerdings das Risiko für die adipösen Frauen, deren Stoffwechsel sich verschlechterte (Hazard Ratio 2,74; 2,30–3,27).

Von einer Verschlechterung des Stoffwechsels waren allerdings nicht nur die metabolisch gesunden Adipösen betroffen. Von den 32.882 metabolisch gesunden Frauen mit Normalgewicht wiesen nach 20 Jahren 22.215 (68 %) wenigstens einen metabolischen Risikofaktor auf. Auch diese „Konversion“ war mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden (Hazard Ratio 1,90; 1,66–2,17).

Am gesündesten waren am Ende die schlanken Frauen, die im Verlauf ihres Lebens keine metabolischen Risikofaktoren entwickelten (die Referenzgruppe der Studie). Mit anderen Worten: Eine Adipositas ist selten gesund und sie bleibt es noch seltener. 

Zu den Schwächen der Studie gehört, dass sie den Einfluss von körperlicher Bewegung nicht berücksichtigt. Sport ist neben der Gewichtskontrolle und einer gesunden Ernährung der wichtigste Risikofaktor zur Vermeidung von kardiometabolischen Erkrankungen im Alter. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Freitag, 1. Juni 2018, 08:42

Die Aufmerksamkeit ist auf die richtige Ursache zu richten:

Es ist offensichtlich: Von der Medizin wird weiterhin ignoriert, dass es sich bei der Arteriosklerose um einen Ersatzreparaturprozess handelt, bei welchem infolge Vitamin-C-Mangels entstandene Gefäßwandbrüche verklebt werden. Der Zweck davon: Zu verhindern, das die Gewebe an solchen Bruchstellen zu lecken beginnen. Dass die Arteriosklerose durch Vitamin-C-Mangel verursacht wird, dafür sprechen diese Indizien: Beim Rauchen ist der Vitamin-C-Bedarf infolge der Notwendigkeit, die hierbei inkorporierten Schadstoffe zu beseitigen, höher als bei Nichtraucher. Bei Diabetiker ist der Vitamin-C-Bedarf wiederum deswegen höher, weil bei Diabetikern es dem Vitamin C infolge des zwischen ihm und der Glucose herrschenden Antagonismus erschwert ist, an seine Zielorte zu gelangen. Umgekehrt ist die Mittelmeerdiät infolge ihres Vitamin-C-Reichtums und ihres Reichtums an Antioxidantien (Rotwein) gefäßgesund. Antioxidantien helfen dem ebenfalls antioxidativ wirkenden Vitamin C den Rücken für andere Aufgaben freizuhalten.
LNS

Nachrichten zum Thema

19. Dezember 2018
Madison/Wisconsin – Ein Implantat, das die Sättigungssignale der Magenperistaltik auf den Nervus vagus verstärkt, hat bei Mäusen eine deutliche Gewichtsreduktion ermöglicht. Der in Nature
Adipositas: Vagusnerv-Stimulator senkt Körpergewicht bei Mäusen
13. Dezember 2018
Cleveland/Ohio – Der vermehrte Verzehr von rotem Fleisch hat in einer experimentellen Ernährungsstudie im European Heart Journal (2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy799) zu einem deutlichen Anstieg des
Wieso rotes Fleisch ungesund für Herz und Gefäße sein könnte
7. Dezember 2018
Lübeck – Eine stereotaktische Bestrahlung kann gezielt die Entstehungsorte von ventrikulären Arrhythmien beseitigen. Die Behandlung, die ein hochauflösendes EKG-Mapping voraussetzt, wurde jetzt
Ventrikuläre Tachykardie: Stereotaktische Strahlentherapie erstmals in Deutschland durchgeführt
30. November 2018
Kupio/Finnland – Finnische Männer, die vier- bis siebenmal in der Woche in die Sauna gehen, hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie in BMC Medicine (2018; 16: 219) das niedrigste Risiko, an
Häufiger Saunabesuch schützt ältere Finnen vor Herz-Kreislauf-Tod
27. November 2018
Durham/North Carolina – Eine Adipositas ist offenbar ein unterschätzter und vermeidbarer Risikofaktor für Asthmaerkrankungen. Eine Studie in Pediatrics (2018; doi: 10.1542/peds.2018-2979) kommt zu dem
Adipositas erklärt ein Viertel aller Asthmaerkrankungen bei Kindern
27. November 2018
Frankfurt am Main – Das Frankfurter Universitätsklinikum hat die Versorgung von Herzpatienten neu organisiert. In dem neuen universitären Herzzentrum arbeiten Kardiologen und Herzchirurgen enger
Universitätsklinikum Frankfurt gründet neues Herzzentrum
26. November 2018
Heidelberg – Das Intervallfasten mit einer 5:2-Diät, die die Kalorienzufuhr nur an 2 Tagen pro Woche stark einschränkt, hat in einer randomisierten Vergleichsstudie zunächst eine etwas bessere
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER