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Medizin

Darmkrebs: US-Onkologen fordern Screening ab 45. Lebensjahr

Donnerstag, 31. Mai 2018

/Juan Gärtner, stock.adobe.com

Atlanta – Eine steigende Zahl von Darmkrebserkrankungen bei jüngeren Menschen veranlasst die American Cancer Society, der Bevölkerung bereits ab dem 45. Lebensjahr zum Screening zu raten. Die in CA: A Cancer Journal for Clinicians (2018; doi: 10.3322/caac.21457) veröffentlichte Leitlinie gibt jedoch keine bevorzugte Empfehlung für die inzwischen sechs verschiedenen Methoden ab.

Ein ungesunder Lebensstil mit Übergewicht/Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und fleischlastiger Ernährung ist dafür verantwortlich, dass in den USA die Menschen immer früher an Darmkrebs erkranken. Während die Erkrankungen bei den über 50-Jährigen (vermutlich infolge der guten Akzeptanz des Screenings) zurückgegangen ist, hat sich die Inzidenz bei den unter 50-Jährigen seit 1994 um 51 Prozent erhöht. Beim Rektumkarzinom ist es sogar zu einer Verdopplung gekommen. US-Amerikaner, die um 1990 geboren wurden, haben laut einer in der Leitlinie zitierten Untersuchung ein doppelt so hohes Darmkrebsrisiko wie um 1950 Geborene. Am Rektumkarzinom werden sie sogar viermal so häufig erkranken wie die Nachkriegsgeneration.

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Nach einer anderen Untersuchung haben 4,2 Prozent der weißen und 6,2 Prozent der afromamerikanischen US-Bürger unter 50 Jahren Darmpolypen in einer Größe von 9 mm oder mehr, die bei einer Vorsorgekoloskopie entfernt werden könnten. Die Darmspiegelung gilt als die derzeit effektivste Screening-Methode, da sie nicht nur eine Früherkennung, sondern durch die Polypektomie auch eine Prävention ermöglicht.

Dennoch gibt die aktuelle Leitlinie der American Cancer Society keine bevorzugte Empfehlung ab. Ebenso wichtig wie die Effektivität sei die Adhärenz, die bei den endoskopischen Verfahren bekanntlich geringer ist als bei anderen Screening-Methoden.

Die Leitlinie betrachtet sechs verschiedene Verfahren als gleich empfehlenswert. Neben drei visuellen Prüfungen (Koloskopie alle 10 Jahre, CT-Kolonographie alle 5 Jahre oder flexible Sigmoidoskopie alle 5 Jahre) werden auch drei Stuhltests empfohlen. Dies sind ein jährlicher hochsensitiver fäkaler immunchemischer Test (FIT), ein jährlicher hochsensitiver Guajak-basierter Test auf okkultes Blut (gFOBT) und ein Multitarget-Stuhl-DNA-Test, der nur alle drei Jahre wiederholt werden muss.

Der Beginn des Screenings ab dem Alter von 45 Jahren bekommt eine qualifizierte Empfehlung („qualified recommendation“). Für den Screeningbeginn ab 50 Jahren wird eine deutliche Empfehlung („strong recommendation“) ausgesprochen.

Die Leitlinie enthält erstmals eine Altersgrenze. Bis zum Alter von 75 Jahren sei das Screening sinnvoll, wenn die Lebenserwartung mehr als zehn Jahre betrage. In der Altersgruppe von 75 bis 85 Jahren sollten neben der Lebenserwartung auch der Gesundheitszustand und die Ergebnisse früherer Screening-Untersuchungen berücksichtigt werden. Menschen über 85 Jahren wird im allgemeinen von einem Screening abgeraten.

Die Empfehlungen der American Cancer Society unterscheiden sich von denen anderer Fachgesellschaften. Die auch international einflussreiche US-Preventive Services Task Force hat in ihrer jüngsten Empfehlung 2016 an der Altersgrenze von 50 Jahren festgehalten. Die Multi-Society Task Force on Colorectal Cancer, die die Sicht verschiedener gastroenterologischen Dachgesellschaften zusammenfasst, rät nur Afroamerikanern ab 45 Jahren zum Screening. In Deutschland wird ab 50 Jahre zum jährlichen Stuhltest und ab 55 Jahre zu einer Koloskopie geraten, die anderen visuellen Methoden vorgezogen wird.

© rme/aerzteblatt.de

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