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Medizin

Neuroborreliose ohne Einfluss auf Lebenserwartung

Freitag, 1. Juni 2018

/Ingo Bartussek, stock.adobe.com

Kopenhagen – Eine Neuroborreliose, die wohl am meisten gefürchtete Komplikation der durch Zecken übertragenen Infektionskrankheit, hat offenbar keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Eine bevölkerungsweite Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 361: k1998) konnte auch keine negativen Auswirkungen auf Sozialleben und beruflichen Erfolg ermitteln.

Die akute Neuroborreliose ist nach dem Erythema migrans die zweithäufigste klinische Manifestation einer Infektion mit Borrelia burgdorferi. Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von spezifischen Antikörpern im Liquor. In den wenigen Labors, die in Dänemark den Nachweis durchführen, wurde in den Jahren 1985 bis Februar 2016 bei 2.026 Patienten die Verdachtsdiagnose bestätigt.

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Fülle von Informationen

Da in Dänemark alle Einwohner eine persönliche Identifikationsnummer haben, die in allen Registern verwendet wird, konnten Niels Obel von der Universitätsklinik Kopenhagen und Mitarbeiter eine Fülle von Informationen zu den Patienten ermitteln. Dazu gehören Behandlungen im Krankenhaus und in Notfallaufnahmen und Krebserkrankungen. Obel konnte auch den Familienstand, die Zahl der Kinder, Ausbildung, Beschäftigung und über eine Datenbank des Finanzamtes sogar das Jahreseinkommen ermitteln.

In den meisten Bereichen standen die Patienten mit Neuroborreliose in den ersten fünf Jahren nach der Diagnose nicht schlechter da als eine Vergleichsgruppe von 20.670 Dänen gleichen Alters und Geschlechts, die nicht an einer Neuroborreliose erkrankt waren. Es gab keine Unterschiede in der Zahl der Krankenhauskontakte und der Krankenhaustage und auch die Sterblichkeit der Patienten war nicht erhöht.

Patienten mit Neuroborreliose hatten sogar ein höheres Einkommen und sie waren seltener arbeitslos oder verrentet. Sie waren häufiger verheiratet und hatten gleich viele Kinder. Die bessere sozioökonomische Situation war natürlich nicht Folge der Erkrankung. Obel vermutet, dass eine Neuroborreliose bei ausgebildeten Menschen häufiger durch eine Liquoruntersuchung diagnostiziert wird als bei Menschen mit niedrigem Bildungsstand, die möglicherweise erst später zum Arzt gehen und bei denen die Verdachtsdiagnose dann seltener gestellt wird.

Auch zwei weitere Auffälligkeiten sind vermutlich nicht Folge der Erkrankung. Obel fand heraus, dass Patienten mit Neuroborreliose häufiger an Lymphomen/Leukämien erkrankten und dass bei ihnen häufiger nicht-melanotische Hauttumore diagnostiziert wurden. Obel vermutet, dass hämatologische Malignome im Frühstadium bei Menschen mit Borreliose die Entwicklung von zentralnervösen Komplikationen begünstigen (eine krebsauslösende Wirkung von Borrelia burgdorferi ist jedenfalls nicht bekannt). Der Zusammenhang mit dem Hautkrebs könnte darauf beruhen, dass sich die Betroffenen häufiger als andere im Freien aufhalten, wo sie dann leichter von Zecken gestochen werden können. © rme/aerzteblatt.de

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