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Politik

Umfrage unter Pflegekräften in Hessen zu möglicher neuer Pflegekammer gestartet

Freitag, 1. Juni 2018

Wiesbaden – Hessens Pflegekräfte werden in den kommenden Wochen nach ihrer Meinung zur möglichen Einrichtung einer Pflegekammer befragt. In diesen Tagen gehen die Briefe mit Unterlagen für jeden Mitarbeiter an die Pflegeeinrichtungen, teilte der stellvertretende Sprecher des Sozialministeriums, Markus Büttner, heute in Wiesbaden mit. Die Umfrage richte sich an rund 55.000 Pflegekräfte und wird vom Statistischen Landesamt koordiniert.

Alle Pflegekräfte erhalten ein verschlossenes Kuvert mit einem individuellen Zugangscode für die Online-Befragung. Ende Juni soll nach den Worten des Ministeriumssprechers geschaut werden, ob der Rücklauf bereits statistisch aussagekräftig ist. Anderenfalls könne die Befragungsphase verlängert werden – bis maximal Ende Juli 2018. Mit der vollständigen Auswertung rechnet das Sozialministerium im Herbst.

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Die schwarz-grüne Landesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, die Einführung dieser neuen Kammer zu prüfen. Die Gewerkschaft Verdi erklärte, die Pflege verschaffe sich nicht mit Hilfe einer Kammer Respekt, sondern durch eine starke, selbstbewusste Bewegung. Dazu gehörten öffentliche Proteste, Streiks und die Tarifarbeit. Außerdem wären alle Pflegekräfte verpflichtet, Mitgliedsbeiträge für die Kammer zu zahlen. © dpa/aerzteblatt.de

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Pflegefachfrau
am Sonntag, 17. Juni 2018, 18:37

Verdi verschweigt den Nutzen von Pflegekammern (Angst vor Mitgliederverlust?)

Verdi verschweigt, dass Gewerkschaftsmitglieder ebenfalls verpflichtet sind, Mitgliedsbeiträge zu zahlen. Verdi verschweigt auch, wie viele Pflegefachpersonen mit abgeschlossener dreijähriger Pflegeausbildung in Hessen überhaupt Mitglied in der Gewerkschaft sind. Da in einer Pflegekammer ALLE staatlich geprüften Pflegefachpersonen Mitglied wären, können die Mitgliedsbeiträge für eine Kammermitgliedschaft deutlich niedriger gehalten werden als die Mitgliedsbeiträge in einer Gewerkschaft. Beispielhaft genannt seien hier Mitgliedsbeiträge einer Pflegefachperson mit mittlerem Einkommen in Rheinland-Pfalz: Der Gewerkschaftsbeitrag beträgt ca. 35€ im Monat, der Beitrag in einem Berufsverband beträgt ca. 25€ im Monat und der Kammerbeitrag beträgt ca. 10€ im Monat.

Es ist für Pflegefachpersonen somit viel teurer, Mitglied in einer Gewerkschaft zu sein, als Mitglied in einer Pflegekammer zu sein. Wenn Pflegefachpersonen hohe Gewerkschaftsbeiträge zahlen sollen, obwohl allein durch „öffentliche Proteste, Streiks und die Tarifarbeit“ bisher keine ausreichenden Erfolge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Pflegebereich erzielt wurden, stellt sich die Frage nach dem Sinn der Mitgliedschaft. Verdis Angst vor Mitgliederverlusten im Pflegebereich ist nicht unbegründet, speziell auch, wenn man sich den Ausstieg der verkammerten (und somit gut organisierten) Ärzteschaft aus der Gewerkschaft Verdi ins Gedächtnis ruft. Verständlich also, dass eine mögliche Verkammerung des Pflegeberufs bei Verdi große Angst vor Mitgliederverlusten auslöst. Das erklärt, warum Verdi eine derart massive Anti-Pflegekammer-Propaganda betreibt.

Die Forderung nach einer Pflegekammer gibt es nicht ohne gute Gründe: Nicht nur die unzureichende Bezahlung, die Verdi beklagt, ist aktuell im Pflegebereich ein Problem, sondern u.a. auch die unzureichende Beratung der Gesetzgeber durch die Pflegeberufsgruppe, die unzureichende Qualitätskontrolle und der Wildwuchs im Weiterbildungsbereich.

Beispiele:

• Die Pflegelandschaft ist aktuell in viele unterschiedliche Stimmen zersplittert. Eine Möglichkeit zur demokratischen pflegefachlichen Meinungsbildung unter allen Splittergruppen gibt es nicht. Politiker werden in der Regel von den Lobbygruppen beraten, denen die meisten finanziellen/personellen Mittel zur Verfügung stehen (Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände). Diese Lobbygruppen verfügen nicht zwangsläufig über pflegefachliche Kompetenz. Eine Pflegekammer berät den Gesetzgeber hingegen basierend auf fachlicher Qualifikation und demokratischer Legitimation.

• Dokumentationsfälschung oder unethisches Pflegehandeln kommen in der Pflegepraxis häufig vor. In seltenen Fällen wird Pflegefachpersonen, die gegen den Berufskodex verstoßen, von einem Gericht die Berufserlaubnis entzogen. Eine Kammer wäre dafür zuständig, die Berufserlaubnis zu entziehen, wenn ein Verstoß gegen den Berufskodex vorliegt.

• Heimbeatmete Menschen dürfen in der Praxis von jeder Pflegeperson ohne entsprechende fachliche Kenntnisse aus einer Weiterbildung versorgt werden. Entsprechende Weiterbildungen werden angeboten, sind aber in Qualität und Umfang sehr unterschiedlich und keine notwendigen Voraussetzungen zur Versorgung heimbeatmeter Menschen. Solche Vorgaben könnte eine Pflegekammer machen (ähnlich wie z.B. beim Facharztstandard).

Da bei einer Pflegekammer alle Pflegefachpersonen Mitglied sind, hat sie auch eine größere Durchsetzungskraft und Reichweite als einzelne Pflegefachpersonen, die Mitglied in einer Gewerkschaft oder einem Berufsverband sind.

Die Vertreter einer Pflegekammer werden demokratisch aus allen Pflegefachpersonen heraus gewählt und bekommen Aufgaben vom Gesetzgeber übertragen, die Gewerkschaften/Berufsverbände aufgrund ihrer fehlenden demokratischen Legitimation gar nicht übernehmen dürfen.

Eine Pflegefachperson bekommt als Kammermitglied demnach Mehr-Leistungen, die eine Gewerkschaft oder ein Berufsverband gar nicht bieten können, zu einem geringeren Mitgliedsbeitrag.
LNS

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