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Medizin

Brustkrebs: Die Dauer der Behandlung mit Trastuzumab lässt sich halbieren

Montag, 4. Juni 2018

/dpa

Chicago – Bei Frauen mit Her2neu-positiven frühen Mammakarzinomen lässt sich die Dauer der adjuvanten Therapie mit Trastuzumab von den üblichen 12 Monaten auf 6 Monate reduzieren, ohne das Rezidivrisiko zu erhöhen. Das krankheitsfreie 4-Jahres-Überleben lag in der Persephone-Studie bei 89,4 % nach 6 Monaten Trastuzumab-Therapie und bei 89,9 % nach 12 Monaten Behandlung.

Die Daten wurden bei der 54. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt. „Die Persephone-Studie mit mehr als 4.000 Teilnehme­rinnen ist eine der weltweit größten Untersuchungen zu Therapie-Deeskalations­strategien“, kommentierte ASCO-Präsident Bruce E. Johnson vom Dana Farber Cancer Institute in Boston, Massachusetts, die Studie im Vorfeld des Kongresses. Die Untersuchung habe ein „Win-win-Ergebnis“ für die Patientinnen und die Gesund­heitssysteme: weniger Kardiotoxizität, kürzere Behandlungsdauer, geringere Kosten.

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Die Präzisionsmedizin ist ein Schwerpunkt bei der Konferenz der ASCO, zu der bis zum Dienstag circa 39.000 internationale Teilnehmer erwartet werden. Therapien zielge­richteter zu machen, bedeute nicht nur, neue biomarkeradaptierte Behandlungen zu entwickeln, sondern auch Deeskalationsstrategien zu erforschen, sagte Richard E, Schilsky, Professor an der University of Chicago und Generalsekretär der ASCO, bei einer Pressekonferenz des Kongresses.

Zur Reduktion von Behandlung wurden mehrere klinische Untersuchungen bei der Tagung vorgestellt, die Persephone-Studie sei eine der bedeutendsten überhaupt, hieß es beim Kongress.

Eckdaten der Persephone-Studie

  • 69 % der 4.089 Patientinnen waren Hormonrezeptor-positiv
  • 85 % bekamen eine adjuvante Chemotherapie
  • 41 % erhielten Anthrazykline, 10 % Taxane
  • 49 % eine Anthrazyklin- plus Taxan-basierte Chemotherapie
  • Primärer Endpunkt: krankheitsfreies Überleben (erster Rückfall oder Tod jeglicher Ursache)

4.089 Frauen mit frühen, Her2neu-überexprimierenden Mammakarzinomen wurden zwischen 2007 und 2015 in Großbritannien an 152 Kliniken rekru­tiert. Sie wurden prospektiv 1:1 rando­misiert in eine Gruppe mit dem Stan­dard der systemischen, adjuvanten Behandlung (eine Chemotherapie und 12 Monate Trastuzumab) und in eine zweite Gruppe mit 6 Monaten Anti-Her2neu-Behandlung.

Es sollte nachgewiesen werden, dass Trastuzumab 6 Monate in der Wirksam­keit nicht der 12-monatigen Therapie unterlegen ist. Nichtunterlegenheit war definiert als eine Verschlechterung des krankheitsfreien Überlebens um maximal 3 % nach 6 Monaten Therapie gegenüber 12 Monaten Trastuzumab bei einem progressions­freien Überleben von mindestens 80 % der Patientinnen nach 4 Jahren.

Der Beleg der Nichtunterlegenheit von 6 Monaten sei mit statistischer Signifikanz (p = 0,01) klar erbracht, so Helena Margaret Earl von der Cambridge University in Großbritannien beim ASCO. Kardiale Ereignisse, die zum Abbruch der Behandlung geführt hätten, halbierten sich durch die Verkürzung der Therapiedauer (p < 0,0001). „Unsere Ergebnisse sprechen dafür, die Standardbehandlung von 12 Monaten auf 6 Monate zu reduzieren“, so Earl. © nsi/aerzteblatt.de

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