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Medizin

Globale Zunahme der lebensstilbedingten Krebserkrankungen

Montag, 4. Juni 2018

/steuccio79, stockadobecom

Seattle – Die Zahl der durch einen ungesunden Lebensstil ausgelösten Krebs­erkrankungen wie Lungen-, Darm- und Hautkrebs hat in den letzten 10 Jahren weltweit zugenommen, wobei es bei den einzelnen Krebserkrankungen nach wie vor große Unterschiede gibt, wie eine Analyse in JAMA Oncology (2018; doi: 10.1001/jamaoncol.2018.2706) zeigt.

Wenn die vom Global Health at the Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) zusammengestellten Zahlen stimmen, dann sind im Jahr 2016 schätzungsweise 17,2 Millionen Menschen an Krebs erkrankt und 8,9 Millionen daran gestorben. Dies bedeutet einen Anstieg bei den Krebsfällen um 28 % seit 2006, von denen 17 % auf die gestiegene Lebenserwartung zurückzuführen sind (die meisten Krebserkrankungen treten im Alter auf) und 12 % auf das Bevölkerungswachstum. Die Differenz von minus 1 % ist laut der IHME-Forschergruppe um Christina Fitzmaurice auf Veränderungen in altersspezifischen Raten zurückzuführen. Mit anderen Worten: Wenn sich Welt­bevölkerung und Alter nicht verändert hätten, wären Krebserkrankungen weltweit um 1 % seltener geworden.

Die Häufigkeit der einzelnen Krebsarten ist global sehr unterschiedlich, wobei die wirtschaftliche Entwicklung der Länder von großer Bedeutung ist. Das IHME verwendet bei seinen Analysen nicht allein ökonomische Daten. Der soziodemografische Index (SDI) berücksichtigt neben dem durchschnittlichen Einkommen der Einwohner auch Ausbildungsstand der Bevölkerung und die Fertilität (Zahl der Kinder pro Frau).

Lungenkrebs

Lungenkrebs (einschließlich Trachea und Bronchus) ist mit 2,0 Millionen Erkrankungen und 1,7 Millionen Todesfällen die häufigste tödliche Krebserkrankung. Sie ist bekannt­lich überwiegend Folge des Tabakrauchens. In Ländern mit hohem SDI erkranken 1 von 14 Männern und 1 von 26 Frauen. In Niedrig-SDI-Ländern erkranken nur 1 von 75 Männern und 1 von 172 Frauen. Die meisten Erkrankungen gab es in Nordkorea (56,9/100.000 Personen), die wenigsten in Kenia (4,2/100.000 Personen).

Dickdarm- und Mastdarmkrebs

An Dickdarm- und Mastdarmkrebs, der zweithäufigsten Krebserkrankung, sind 2016 schätzungsweise 1,7 Millionen erkrankt und 830.000 gestorben. In Ländern mit hohem SDI erkrankt heute 1 von 15 Männern und 1 von 24 Frauen an Darmkrebs. In Ländern mit dem niedrigsten SDI sind es nur 1 von 112 Männern und 1 von 116 Frauen. Man darf vermuten, das die „westliche“ Ernährung der wesentliche Grund für die Unter­schiede in der Inzidenz sind. Die höchste Inzidenz gab es in den Niederlanden (57,5 /100.000 Personen), die geringste in Gambia (4,3/100.000 Personen).

Mammakarzinom

Die dritthäufigste Krebserkrankung ist das Mammakarzinom mit 1,7 Millionen Erkrankungen und 545.000 Todesfällen (darunter 10.000 bei Männern). In Ländern mit hohem SDI erkrankt 1 von 10 Frauen, in Ländern mit niedrigem SDI nur 1 von 50 Frauen. Die Bandbreite reicht von 61,8/100.000 Personen in Luxemburg bis 5,8/100.000 Personen in Niger. Umweltfaktoren wie die Ernährung und reproduktive Faktoren wie die Anzahl und der Zeitpunkt der Schwangerschaften werden als Ursache für die Unterschiede diskutiert.

Nichtmelanotischer Hautkrebs

An einem nichtmelanotischen Hautkrebs sind 2016 laut IHME 1,5 Millionen Menschen erkrankt und 886.000 gestorben: An einem Spinaliom erkrankte in Ländern mit niedrigem oder mittlerem SDI 1 von 458, in Ländern mit hohem SDI ist es 1 von 24 Menschen. Beim Basaliom ist das Verhältnis 1 von 241 in Ländern mit niedrigem SDI bis 1 von 29 in Ländern mit hohem SDI. Die meisten nichtmelanotischen Hautkrebse gibt es in Australien (300,4 pro 100.000), die wenigsten in Bangladesh mit 0,7 auf 100.000 Personen. Der Grund für die weltweiten Unterschiede liegt in erster Linie in der UV-Exposition der Haut im Verhältnis zum angeborenen Schutz durch die Pigmentierung der Haut.

Prostatakarzinom

Das Prostatakarzinom ist die fünfthäufigste Krebserkrankung mit 1,4 Millionen Erkrankungen und 381.000 Todesfällen. In Ländern mit hohem SDI erkrankte 1 von 7 Männern, in Ländern mit niedrigen SDI ist es nur 1 von 56. In der Dominikanischen Republik erkrankten im Jahr 2016 113,1 von 100.000 Person, in Nordkorea waren es nur 2,4 auf 100.000 Personen.

Magenkrebs

An Magenkrebs sind 2016 schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen erkrankt und 834.000 gestorben. Am häufigsten ist er in Ländern mit mittleren SDI, wo 1 von 24 Männern und 1 von 69 Frauen erkrankten. In Ländern mit niedrigem SDI erkrankten 1 von 90 Männern und 1 von 140 Frauen. Magenkrebs ist in Südkorea (44,5/100.000 Personen) am häufigsten und in Syrien (2,6/100.000 Personen) am seltensten. Die Verbreitung von H. pylori und Unterschiede in der Ernährung gelten als wesentliche Ursachen.

Leberkrebs

An Leberkrebs, der siebthäufigsten schweren Krebsform, erkrankten weltweit 1,0 Millionen Männer, von denen 829.000 daran starben. Am häufigsten ist der Krebs in Ländern mit mittlerem SDI (1 von 26 Männern, 1 von 76 Frauen), am seltensten ist er in Ländern mit niedrigen bis mittlerem SDI zu finden (1 von 93 Männern, 1 von 195 Frauen). In den Mongolei erkrankten 108,4 von 100.000 Personen an Leberkrebs, in Marokko waren es nur 1,9 von 100.000 Personen. Leberkrebs ist häufig Folge einer chronischen Hepatitis, die in ostasiatischen Ländern weiter verbreitet ist als in anderen Teilen der Erde.

Zervixkarzinom

Am Zervixkarzinom erkrankten 511.000 Frauen, von denen 247.000 starben. Am häufigsten ist der Krebs in Ländern mit niedrigem SDI (1 von 31 Frauen) am seltensten in Ländern mit hohem SDI (1 von 117 Frauen). In Somalia kamen auf 100.000 Frauen 34,0 Erkrankungen, in Qatar waren es nur 1,1 auf 100.000 Frauen. Die niedrige Rate von Zervixkarzinomen in den reichen Ländern wird als Erfolg der Früherkennung interpretiert. Da es sich um die Folge einer chronischen Infektion handelt, dürfte auch das Sexualverhalten in den einzelnen Ländern eine Rolle spielen.

Leukämien

Leukämien wurden im Jahr 2016 bei weltweit 467.000 Personen diagnostiziert. Es kam zu 310.000 Todesfällen. Die Häufigkeit beträgt 1 zu 118 bei Männern und 1 zu 194 bei Frauen. Leukämien waren in Neuseeland mit 20,3 Erkrankungen auf 100.000 Personen sehr viel häufiger als in Sambia mit 2,0 Erkrankungen auf 100.000 Personen. Ob hier Umweltfaktoren die Unterschiede erklären oder ob die Erkrankung in ärmeren Ländern seltener diagnostiziert wird, ist unklar.

Non-Hodgkin-Lymphom

Das Non-Hodgkin-Lymphom ist mit 461.000 Erkrankungen und 240.000 Todesfällen die zehnthäufigste Krebserkrankung. In den Ländern mit hohem SDI erkrankten 1 von 48 Männern und 1 von 70 Frauen. In den Ländern mit niedrigem SDI-Durchschnitt waren es 1 von 274 Männern und 1 von 401 Frauen. Die höchste Inzidenz gab es in Kanada mit 21,2 auf 100.000 Personen, die niedrigste in Kirgisistan mit 1,5 Erkrankungen auf 100.000 Personen. Auch hier könnte die schwierige Diagnose für die geringe Inzidenz in den ärmeren Ländern eine Rolle spielen. © rme/aerzteblatt.de

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