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Klinikum Oldenburg kommt nicht zur Ruhe

Montag, 4. Juni 2018

/dpa

Oldenburg – Das Klinikum Oldenburg kommt nicht zur Ruhe: Nach den langwierigen Ermittlungen gegen den Patientenmörder Niels H. geht es nun um die Sterberate bei Bauchspeicheldrüsenoperationen. Das Klinikum wies am Wochenende Vorwürfe zurück, nach denen in Oldenburg überdurchschnittlich viele Menschen während oder nach solchen Operationen gestorben seien.

„Einige Fakten sind sehr manipulativ dargestellt worden“, teilte Vorstand Dirk Tenzer mit. Die Klinik erklärte, seit April 2017 habe es 39 Bauchspeicheldrüsenoperationen gegeben. Neun Patienten seien während ihres Kranken­haus­auf­enthalts gestorben. Die Sterberate von 23 Prozent sei „im auffälligen, aber keinesfalls im außergewöhnlichen Bereich“. Die Art der Operation habe hohe Komplikationsraten. Die Vorwürfe seien dem Klinikum seit Februar bekannt und würden aufgearbeitet, seien aber nicht nachvoll­ziehbar und „nicht haltbar“.

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Sterberate zu hoch?

Die Oldenburger Klinik ist eine von neun in Niedersachsen und 99 in Deutschland, die bisher von der Deutschen Krebsgesellschaft für Bauchspeicheldrüsen-Operationen zertifiziert waren. Inzwischen arbeiten aber zwei früher tätige Chirurgen nicht mehr in Oldenburg. Deswegen stellte die Klinik bei der Krebsgesellschaft den Antrag, die Zertifizierung ruhen zu lassen. Für Patienten bedeutet das: Die Klinik darf solche OPs weiter vornehmen, es fehlt aber das Qualitätssiegel der Krebsgesellschaft.

Der NDR hatte unter Bezug auf einen ehemaligen Mitarbeiter des Klinikums berichtet, zwischen April 2017 und Februar 2018 seien sechs Patienten bei 20 Eingriffen dieser Art gestorben – das wäre eine Sterberate von 30 Prozent. Ein Hamburger Experte für solche Operationen sagte dem NDR, bundesweit sei bei diesen Eingriffen mit Sterbe- und Komplikationsraten zwischen 16 und 19 Prozent zu rechnen.

Ergebnisse unauffällig

Der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), Johannes Bruns, sagte, die Oldenburger Klinik sei zuletzt im November vergangenen Jahres als Pankreaskarzinom-Zentrum zertifiziert worden. Dabei sei der Verlauf der Operationen im Jahr 2016 ausgewertet worden. Das Ergebnis sei „mehr oder weniger eigentlich unauffällig“ gewesen.

Das Klinikum brauche nun vor allem eine vernünftige Steuerung. Es gebe dort offensichtlich ein Kommunikations- und ein Leitungsproblem. „Die einen leiten fachlich, die anderen formal – und das muss zusammenpassen“, so Bruns. Die massive Einmischung der örtlichen Politik sei auffällig und nicht immer hilfreich. Bruns sprach von einer „unguten Mischung“.

Heute kündigte die DKG an, die die Krebszentren des Oldenburger Klinikums genau unter die Lupe zu nehmen. „Wir sind dabei, die Zertifikate für das Brust- und Prostatakrebszentrum zu überprüfen“, sagte DKG-Sprecherin Katrin Mugele.

Wie die Nordwest-Zeitung berichtete, soll erstmals 2015 ein Oberarzt in Oldenburg auf die aus seiner Sicht zu hohe Sterberate bei diesen Operationen intern hingewiesen haben. Ein anderer Arzt habe unabhängig davon im Februar dieses Jahres einen Bericht dazu verfasst. Beide Mediziner seien inzwischen nicht mehr in der Klinik beschäftigt.

Das Klinikum steht bundesweit im Fokus, weil dort im Februar 2000 nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die Mordserie des Pflegers Niels H. begann. Auf interne Hinweise, dass ungewöhnlich viele Patienten während seiner Schichten starben, reagierte die Klinik aus heutiger Sicht falsch: Erst wurde der Pfleger auf eine andere Station versetzt, schließlich mit einem guten Zeugnis weggelobt.

Grüne fordern Aufklärung

Högel soll zwischen 2000 und 2005 mehr als 100 Patienten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst ermordet haben. Für sechs Taten musste er sich bereits vor Gericht verantworten und sitzt lebenslang in Haft. Im Oktober startet ein neuer Prozess gegen ihn: Diesmal geht es um 98 Morde.

Das niedersächsische Ge­sund­heits­mi­nis­terium muss nach Ansicht der Grünen im Landtag die Qualität der Behandlung am Klinikum Oldenburg eingehend überprüfen. Die gesundheitspolitische Sprecherin Meta Janssen-Kucz forderte, dass die Landesregierung die Vorgänge um die Sterberate bei Bauchspeicheldrüsenoperationen und die ausgesetzte Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft aufklären müsse. „Wir haben daher eine Unterrichtung durch die Landesregierung beantragt“, sagte sie. © dpa/aerzteblatt.de

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