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Politik

Selbst Fachkräfte in Kranken- und Altenpflege unter­durchschnittlich bezahlt

Montag, 4. Juni 2018

/dpa

Berlin – Die Bundesregierung will die Personalnot in der Pflege lindern und den Beruf attraktiver machen, doch selbst die Einkommen von Fachkräften liegen deutlich unter dem Mittelwert für alle Beschäftigten in Deutschland. Das ergab eine heute veröffent­lichte Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Demnach sind die Brutto-Stundenlöhne examinierter Altenpflegekräfte mit im Schnitt 14,24 Euro und in der Krankenpflege mit 16,23 Euro niedriger als der Mittelwert für alle Beschäftigten in Deutschland von 16,97 Euro. Helfer in der Kranken- und Altenpflege verdienen demnach mit 11,09 beziehungsweise 11,49 Euro brutto pro Stunde noch deutlich weniger.

Hohe Belastung

Das niedrige Einkommen ist der Analyse zufolge ein zentraler Faktor, der eine Beschäftigung in sozialen Dienstleistungsberufen unattraktiv macht. Weitere Hürden seien körperliche und seelische Überlastung infolge zu schlechter Personalausstattung, ungünstige Arbeitszeiten mit häufigen Abend- und Wochenenddiensten sowie ein unübersichtliches Ausbildungssystem.

Die langjährige Unterfinanzierung habe dazu geführt, dass die Personaldecken strukturell zu dünn seien, schreiben die Böckler-Expertinnen Christina Schildmann und Dorothea Voss in ihrer Untersuchung. Schlechte Personalausstattung führe aber rasch in einen „Teufelskreis“, warnen die Wissenschaftlerinnen. „Überlastete Beschäftigte werden häufiger krank, sie steigen aus dem Beruf aus oder müssen gar vorzeitig unfreiwillig in den Ruhestand gehen“, erklärten sie.

Dass es auch anders geht, zeige der Blick ins Ausland. Die Forscherinnen verweisen auf eine Studie, derzufolge in den USA in Krankenhäusern durchschnittlich 5,3 Patienten auf eine Pflegefachkraft kommen, in den Niederlanden sieben, in Schweden 7,7 und in der Schweiz 7,9. In Deutschland müssten sich Krankenschwestern dagegen im Schnitt um 13 Patienten kümmern.

Dringend notwendig seien verbindliche Mindest-Personalschlüssel, die es bereits in etlichen anderen Ländern gebe. Zwar gebe es Ansätze für Verbesserungen, flächendeckend seien diese aber noch nicht. Bei höheren Personalschlüsseln gebe es zugleich das Problem, dass die benötigten zusätzlichen Fachkräfte derzeit auf dem Arbeitsmarkt nicht verfügbar seien.

Der Pflegenotstand in Deutschland ist ein Schwerpunktthema der Bundesregierung. Nach kürzlich veröffentlichten Zahlen fehlen hierzulande mindestens 35.000 Pflegekräfte. In der Altenpflege sind rund 23.000 Stellen offen, in der Krankenpflege fehlen mehr als 12.000 Fachkräfte und Helfer. Experten gehen teilweise aber von einem weitaus höheren Bedarf aus.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte kürzlich die Eckpunkte seines Sofortprogramms für die Kranken- und Altenpflege vorgestellt, das im Kern 13.000 zusätzliche Stellen vorsieht. Zudem soll die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht werden. © afp/aerzteblatt.de

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