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Medizin

Mammakarzinom: Neue Immuntherapie erzielte bei Patientin dauerhafte Remission

Dienstag, 5. Juni 2018

/Kwangmoo, stockadobecom

Bethesda – Eine neue Variante der Immuntherapie, die tumorinfiltrierende Lymphozyten im Labor gezielt auf den Angriff von Krebszellen vorbereitet, hat bei einer Patientin eine ungewöhnlich dauerhafte Remission eines metastasierten Mammakarzinoms erzielt, wie die Forscher in Nature Medicine (2018; doi: 10.1038/s41591-018-0040-8) berichten.

Die Immuntherapie, die heute mit sogenannten Checkpointinhibitoren durchgeführt wird, erzielt ihre beste Wirkung bei „mutationsfreudigen“ Tumoren. Dazu gehören das maligne Melanom, der durch das Rauchen induzierte Lungenkrebs und Urothel­karzinome. Die gute Wirkung beruht auf der Bildung von Neoantigene, die infolge der Mutationen in größerer Vielfalt auf der Oberfläche der Krebszellen vorhanden sind, wo sie Angriffspunkte für die Immunabwehr durch T-Zellen liefern. Malignome wie Darm-, Eierstock- oder Brustkrebs haben weniger Mutationen und damit auch weniger Neo­antigene. Die Immuntherapie bleibt deshalb häufig erfolglos.

Ein Team um Steven Rosenberg, der die Immuntherapie in den 1980er-Jahren mitbe­gründet hat, schlägt jetzt für „mutationsarme“ Malignome eine neue Immuntherapie vor. Es handelt sich um eine Variante der adoptiven T-Zelltherapie, die Rosenberg ursprünglich für Melanom und Nierenkrebs entwickelt hat, die heute aber kaum noch angewendet wird. Bei dieser Behandlung werden T-Zellen aus dem Primärtumor isoliert und dann im Labor vermehrt, um sie den Patienten in größerer Menge als Infusion zu verabreichen. 

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Die Therapie basiert auf der Annahme, dass T-Zellen sich nicht zufällig im Tumor aufhalten, sondern dort mit der Krebsabwehr beschäftigt sind. Die adoptive T-Zelltherapie soll diese Abwehrkräfte im Labor verstärken und dem Patienten dann eine Armee von spezialisierten Zellen zur Verfügung stellen.

Bei „mutationsarmen“ Tumoren ist die adoptive T-Zelltherapie zu schwach, um den Tumor zurückzudrängen. Die Krebszellen sind jedoch nicht frei von Neoantigenen, die vereinzelt auch die Bildung von spezifischen T-Zellen veranlassen. Um diese Zellen zu finden, haben die Forscher das Genom der Krebszellen sequenziert in der Hoffnung, dabei auf Mutationen für Neoantigene zu stoßen. Mithilfe von dendritischen Zellen wurde dann gezielt nach T-Zellen gesucht, die diese Antigene erkennen. Diese hochspezialisierten T-Zellen wurden dann in Kulturen vermehrt und dem Patienten infundiert. 

Die Forscher untersuchen den Ansatz derzeit in einer Phase-2-Studie, an der mehr als 300 Patienten teilnehmen sollen. Gleich bei einer der ersten Patientinnen, einer 49 Jahre alten Frau mit metastasiertem Mammakarzinom, soll die Therapie jetzt gut angeschlagen haben. Die Tumore wiesen insgesamt 62 Mutationen auf, von denen 4 – in den Genen SLC3A2, KIAA0368, CADPS2 und CTSB – für die Therapie ausgewählt wurden. 

Die Patientin, deren metastasiertes Mammakarzinom nach mehreren Chemotherapien als „austherapiert“ eingestuft wurde, erzielte nach der adoptiven Immuntherapie eine Vollremission, die bisher über 22 Wochen anhielt. Da die Lebenserwartung der Patientin vor Beginn auf wenige Monate geschätzt wurde, ist dies ein ungewöhnlicher Erfolg. 

Ein Einzelfall kann jedoch nicht die Wirksamkeit einer Therapie belegen. Unklar ist auch, ob der Erfolg allein auf die Immuntherapie zurückzuführen ist. Die Frau hatte neben der adoptiven T-Zelltherapie noch Zytostatika (als non-myeloablative Lymphodepletion zur Vorbereitung auf die Infusion der T-Zellen), Interleukin 2 (zur Aktivierung der T-Zellen) und mehrfach Pembrolizumab (als Checkpointinhibition) erhalten.

Rosenberg ist zudem bekannt dafür, dass er mit vorläufigen Ergebnissen vorprescht, die sich später in klinischen Studien nicht wiederholen lassen, oder sich wie bei der ursprünglichen Therapie mit tumorinfiltrierenden Lymphozyten als so toxisch erwiesen, dass kaum ein Patient die Therapie durchsteht. Es bleibt deshalb abzuwarten, wie die Therapie bei den übrigen Teilnehmern der Studie anschlägt. © rme/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Donnerstag, 7. Juni 2018, 00:20

Die Chemotherapie

zerstört auch die körpereigene Abwehr, aber in sachkundiger Hand zerstört die Chemotherapie in erster Linie Tumorzellen. Die Reduktion der Tumormasse durch die Chemotherapie ermöglicht es überhaupt erst, dass die verbliebenen Abwehrzellen sich danach mit dem Tumor erfolgreich beschäftigen können.

Wenn wegen einer nebulösen „Immuntherapie“ aus der Hand eines Heilpraktikers oder wegen einer experimentellen Immuntherapie (mit unbekannten Kosten und unbekanntem Nebenwirkungsrisiken) eine möglicherweise kurative Chemotherapie verzögert wird, ist dies als Kunstfehler zu werten. Alles Weitere zu diesem Thema wurde bereits von Practicus gesagt.
Practicus
am Mittwoch, 6. Juni 2018, 23:34

Was Heilpraktiker

im traditionellen Sinn unter "Immunsystem" verstehen und was es tatsächlich ist, sind völlig verschiedene Dinge. Bis zum Auftauchen von AIDS bzw HIV hat sich die wissenschaftliche Medizin nicht sehr darum gekümmert. Seit Mitte der 80er haben sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Immunsystem vervielfacht - und zwar völlig anders als gedacht. Eine gezielte molekularbiologische Immuntherapie und eine auf magisch-mythische Weise wirkende "Stärkung des Immunsystems" haben gar nichts miteinander zu tun.
Das Wissen von Heilpraktikern über das Immunsystem ist eher esoterisch und hat mit der hochspezialisierten Wissenschaft "Immunologie" nichts gemein, überschreitet oft selbst fachärztliche Wissenshorizonte.
Es mag zwar wünschenswert sein - aber eine individualisierte, auf den einzelnen Menschen zugeschnittene Immuntherapie wie die beschriebene kann niemals "First-Line-Therapie" bei einer häufigen Krebsart werden - einfach, weil weder das Geld noch die Laborressourcen zur Verfügung stehen. Schon heute werden für "neue" Krebstherapeutica, die eine Lebensverlängerung um wenige Monate bewirken, fast 15% der gesamten Arzneiausgaben aufgewendet.
UdoB
am Mittwoch, 6. Juni 2018, 14:09

Heilpraktiker als Alternative

@JohnR
Dann halt evtl. zur Mitbehandlung zum Heilpraktiker oder Arzt für Naturheilkunde. Deren Ziel ist ja bereits seit vielen Jahren die Stärkung des Immunsystems und damit der Selbstheilung, wozu es etliche hilfreiche Therapiekonzepte gibt. Nur eben nicht entweder oder sondern und ... Schulmedizin und! komplementäre Medizin.
JohnR
am Dienstag, 5. Juni 2018, 21:03

Bitte zuerst die Immuntherapie !

Die Chemotherapie zerstört die körpereigene Abwehr. Die meisten
Ärzte würden nicht zuerst die Chemotherapie für sich wählen. Ich frage mich, warum nicht zuerst die Immuntherapie gewählt wird und erst bei Unumgänglichkeit die Chemo ? Viele Krebskranke sterben nicht am Krebs sondern an der Chemo. Bitte umdenken !!!

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