NewsMedizinVitaminpräparate helfen nicht gegen neuropathische Schmerzen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Vitaminpräparate helfen nicht gegen neuropathische Schmerzen

Mittwoch, 6. Juni 2018

/dpa

Penang/Berlin – Präparate mit Vitamin B1, Benfotiamin oder auch Vitamin E sind bei neuropathischen Schmerzen ohne Nutzen. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hingewiesen.

In Deutschland leiden laut der Fachgesellschaft rund 2,6 Millionen Menschen an Schmerzen, die durch Verletzungen oder Erkrankungen von Nerven entstehen. Die häufigste Ursache dieser neuropathischen Schmerzen ist Diabetes mellitus, bei der etwa die Hälfte aller Patienten betroffen sind. Die Betroffenen leiden unter brennenden Schmerzen – häufig an den Füßen und Unterschenkeln – und Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühlen und Kribbeln. „Die Behandlung ist schwierig und selten vollständig erfolgreich, sodass viele Patienten nach Alternativen suchen“, erklärte Claudia Sommer von der DGN.

In der Nationalen Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“ sind mehrere hilfreiche Medikamente aufgeführt, darunter manche Antidepressiva, Pregabalin und einige ausgewählte Schmerzmittel. Abgeraten wird darin aber mangels wissenschaftlicher Belege von Cannabisextrakten, Capsaicinsalbe, Alphaliponsäure sowie Vitamin B1 und dem verwandten Benfotiamin. „Trotz dieser Negativ­empfeh­lungen werden im Internet insbesondere Vitaminpräparate mit dem Versprechen beworben, eine Neuropathie lindern zu können“, kritisiert Sommer.

Sie verwies auf eine gerade erschiene Studie einer asiatischen Arbeitsgruppe. Darin haben Forscher um Kah-Hay Yuen (Penang, Malaysia) gehofft, mit einem Gemisch aus verschiedenen Formen von Vitamin E die Schmerzen seiner Patienten zu lindern. Um dies zu überprüfen, wurden für die VENUS-Studie (Vitamin E in Neuroprotection Study) 300 Patienten mit Diabetes mellitus mit neuropathischen Schmerzen ausgewählt, die nach dem Losverfahren über 12 Monate hinweg entweder zweimal täglich 200 Milligramm eines Gemisches von Vitamin E erhielten oder ein Scheinmedikament. Die Arbeit ist in der Zeitschrift JAMA Neurology erschienen (2018; doi: 10.1001/jamaneurol.2017.4609).

Gemessen wurde das von den Patienten selbst berichtete Ausmaß neuropathischer Schmerzen nach 12 Monaten sowie die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Neuropathie und die Nervenleitungsgeschwindigkeit. Auf allen 3 Bewertungsskalen gab es keine Unterschiede zwischen der Gruppe mit Vitamin E und jener mit dem Scheinmedikament.

Lediglich bei 2 Untergruppen von Patienten deuteten nachträgliche Auswertungen auf einen geringfügigen Nutzen hin: Solche mit vergleichsweise hohen  Blutzuckerwerten (> 183 mg/dL) und diejenigen mit normalen Konzentrationen von Homozystein im Blut (< 15 µmol/L) hatten weniger stechende Schmerzen. Festgestellt wurde aber auch, dass bei ansonsten identischen Nebenwirkungen in den beiden Gruppen Infektionen bei 6,7 % der Patienten unter Vitamin E auftraten – das war fast zehnmal so häufig wie mit dem Scheinmedikament.

„In der Gesamtbilanz müssen wir Ärzte unseren Patienten deshalb davon abraten, ihr Geld für Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel auszugeben, da es keinen Wirkungsnachweis gibt“, folgert Sommer. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Juni 2020
Köln – Der Opioidabsatz in der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) ist in den Jahren 2011 bis 2018 geringfügig zurückgegangen. Das zeigt eine Auswertung des Wissenschaftlichen Institutes der PKV (WIP).
Opioidabsatz für Privatversicherte leicht gesunken
5. Juni 2020
Kilchberg – In Europa nehmen immer mehr Menschen Opioide gegen Schmerzen bei Rheuma ein. Darauf hat die europäische Rheumaliga „The European League Against Rheumatism“ (EULAR) hingewiesen. Demnach
Europäische Rheumaliga warnt vor Suchtgefahren durch Opioide
2. Juni 2020
Frankfurt am Main – Die Deutsche Schmerzgesellschaft warnt, dass sich die Versorgung von Schmerzpatienten durch die Coronapandemie verschlechtert hat. „Notwendige Therapien finden seit mehr als zwei
Versorgung von Schmerzpatienten verschlechtert sich
26. Mai 2020
Berlin − Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren sind nach Ansicht der Stiftung Warentest überflüssig. Der Nutzen für einen Schutz vor Herzkreislauferkrankungen sei nicht ausreichend belegt, heißt es in
Stiftung Warentest hält Mittel mit Omega-3-Fettsäuren für überflüssig
15. Mai 2020
Berlin – In enger Abstimmung mit Hygieneexperten hat der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD) Hygieneempfehlungen
Hygieneempfehlungen für stationäre Schmerztherapie
6. Mai 2020
Berlin – Die Deutsche Schmerzgesellschaft hat aufgrund der aktuellen Krise ihr Angebot im Umfeld des Aktionstages gegen den Schmerz ausgeweitet. Sie bietet seit heute (6. Mai) bis Ende Mai jeden
Schmerzgesellschaft startet Patientenhotline
21. April 2020
Berlin − Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sowie Lebensmitteln mit Vitaminzusatz sollten aus Sicht der Bundesregierung EU-weit geregelt werden. Nationale
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER