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Medizin

Ovarielle Suppression senkt langfristig Rezidivrisiko bei rezeptorpositivem Mammakarzinom jüngerer Patientinnen

Mittwoch, 6. Juni 2018

/dpa

Melbourne – Die Ausschaltung des Ovars als wichtigste Quelle für die Produktion von Östrogenen hat in 2 randomisierten klinischen Studien die Ergebnisse einer endo­krinen Therapie des rezeptorpositiven Mammakarzinoms verbessert. Ein Vorteil trat jedoch erst Jahre nach dem Ende der Therapie auf und er war nach den jetzt im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1803164) publizierten und auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellten Ergebnisse mit zusätzlichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

Östrogene fördern die Proliferation von Brustkrebszellen, die Rezeptoren für das Hormon ausbilden. Eine endokrine Therapie mit dem selektiven „Östrogenrezeptor­modulator“ Tamoxifen oder mit Aromataseinhibitoren ist seit Längerem Standard bei Patientinnen mit rezeptorpositivem Mammakarzinom. Dies gilt vor allem für prämenopausale Frauen, bei denen die Ovarien Östrogene produzieren.

Die „Hormontherapie“ verhindert bei den meisten, aber nicht bei allen Patientinnen, dass es zum Rezidiv kommt. Der plausible nächste Schritt besteht deshalb in einer zusätzlichen Unterdrückung der Hormonproduktion. Dies ist durch die operative Entfernung der Ovarien, durch eine Bestrahlung oder durch eine Behandlung mit Triptorelin möglich.

Der Nutzen einer zusätzlichen ovariellen Suppression wurde seit 2003 in 2 rando­misierten klinischen Studien untersucht. In TEXT (Tamoxifen und Exemestane Trial) und SOFT (Suppression of Ovarian Function Study) erhielten 5.738 prämenopausale Frauen nach der Entfernung eines hormonrezeptorpositiven Mammafrühkarzinoms 3 unterschiedliche Therapien. Ein Teil der Frauen (nur in SOFT) wurde über 5 Jahre ausschließlich mit Tamoxifen behandelt. In den beiden anderen Gruppen (in SOFT und TEXT) wurden die Patientinnen mit Tamoxifen plus ovarieller Suppression oder mit Exemestan plus ovarieller Suppression behandelt. Nachdem die SOFT-Studie keinen Vorteil für die zusätzliche ovarielle Suppression belegen konnte, haben Prue Francis vom Peter MacCallum Cancer Centre in Melbourne und Mitarbeiter jetzt die Ergebnisse beider Studien zusammengefasst.

Wie von früheren Studien zur alleinigen Therapie mit Tamoxifen oder Aromatase­inhibitoren bekannt, wurden die Unterschiede erst nach dem Ende der Behandlung erkennbar. Die krankheitsfreie Überlebensrate lag 8 Jahre nach Beginn der Studie unter der alleinigen Tamoxifen-Behandlung bei 78,9 %. Unter der Kombination aus Tamoxifen plus ovarieller Suppression stieg sie auf 83,2 % und unter der Kombination aus Exemestan plus ovarieller Suppression auf 85,9 %. Die Gesamtüberlebensraten nach 8 Jahren betrugen 91,5 % mit Tamoxifen allein, 93,3 % mit Tamoxifen plus ovarieller Suppression und 92,1 % mit Exemestan plus ovarieller Suppression.

Die Vorteile durch die zusätzliche ovarielle Suppression waren demnach gering (wenn auch statistisch signifikant). Sie müssen gegen die schlechte Verträglichkeit und die Risiken der Therapie abgewogen werden. Die vorzeitige Menopause verstärkt die klimakterischen Beschwerden (Hitzewallungen, Schweißausbrüche) und Depressionen. Es kommt häufiger zu Übelkeit, Schlafstörungen, Abgeschlagenheit und sexuellen Funktionsstörungen. Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher traten in der Gruppe mit alleiniger Tamoxifentherapie bei 24,6 % der Frauen, in der Gruppe mit Tamoxifen plus ovarieller Suppression bei 31,0 % und unter der Kombination aus Exemestan plus ovarieller Suppression bei 32,3 % der Teilnehmer auf.

Hinzu kommen langfristige Risiken für das Herz-Kreislauf-System und die Gefahr von Knochenbrüchen infolge einer vorzeitigen Osteoporose.

Die Therapie dürfte deshalb nur für ausgewählte Frauen infrage kommen, schreibt der Editorialist Marc Lippman von der Miami Miller School of Medicine. In erster Linie dürften dies Frauen sein, die in relativ jungen Jahren am Östrogenrezeptor-positiven Mammakarzinom erkranken oder die wegen eines erhöhten Risikos eine zusätzliche Chemotherapie erhalten. Hier wurden in den beiden Studien die größten Unterschiede im rezidivfreien Überleben gefunden. © rme/aerzteblatt.de

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