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Politik

Angehende Psychotherapeuten protestieren gegen ihre prekären Ausbildungs­bedingungen

Mittwoch, 6. Juni 2018

/Privat

Berlin – Eine Petition mit der Forderung nach einer zügigen Umsetzung der Reform der Psychotherapieausbildung haben heute Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) dem Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages, Erwin Rüddel, übergeben. 22.515 Unterschriften haben die angehenden Psychothera­peutinnen und Psychotherapeuten gesammelt, um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen ­ – zum wiederholten Mal. Transparente und Protestlieder begleiteten die Übergabe vor dem Paul-Löbe-Haus des Bundestags.

Psychiatriejahr und zwei Nebenjobs

„Die Bedingungen in der Ausbildung, insbesondere im Psychiatriejahr sind untragbar. Akademiker arbeiten in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken, teils vollständig eigenverantwortlich, mit Patienten in schweren Lebenskrisen – ohne Vergütungsanspruch und sozial- und arbeitsrechtliche Absicherung“, erklärte Katharina van Bronswijk, Vertreterin des PiA-Politik-Treffens.

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Sie selbst arbeite in zwei Nebenjobs zusätzlich zum Ausbildungspraktikum, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Zusätzlich zum Lebensunterhalt müssten angehende Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeuten für ihre drei- bis fünfjährige postgraduale Ausbildung Kosten in Höhe von durchschnittlich 25.000 Euro aufbringen.

Das PiA-Politik-Treffen, das die Petition initiiert hat, ist ein regelmäßiges verbändeübergreifendes Treffen mit dem Ziel der besseren Vernetzung und des berufspolitischen Austauschs von Psychotherapeuten in Ausbildung.

Weiterbildung mit tariflicher Vergütung durch Psychotherapiereform

Verbessern könnte sich die prekäre Situation der PiA mit der Umsetzung des „Psychothera­­peuten­ausbildungsreformgesetz“, zu dem das Bundesgesundheitsminis­terium (BMG) im Juli 2017 einen Arbeitsentwurf vorgelegt hat. Dieser sieht unter anderem ein fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie vor, aufgeteilt in ein an der Psychologie orientiertes Grundstudium und einen spezialisierten Psychotherapie-Master mit Staatsexamen.

Im Anschluss soll die Approbation beantragt werden können. Danach ist eine vertiefende Weiterbildung vorgesehen, die wie bei den Ärzten auch tariflich vergütet werden soll. Durch die Bundestagswahl im September 2017 ist der Reformprozess ins Stocken geraten, im Koalitionsvertrag ist jedoch der Abschluss der Reform in dieser Legislaturperiode vorgesehen.

„Wir fordern dringend eine schnelle Umsetzung der Reform wie auch gesetzliche Übergangsregelungen, die bis zur Einführung der neuen Weiterbildung auch für die jetzigen PiA den sozialrechtlichen Status und die Bezahlung regeln“, forderte das PiA-Politik-Treffen.

Der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt hatte im Mai die vorgesehene Novellierung des Psychotherapeutengesetzes zur Reform der Ausbildung der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten abgelehnt. Der vorliegende Arbeitsentwurf des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) bedrohe das ärztliche Berufsbild und die ganzheitliche Versorgung der Patienten. Mit der Reform könnten getrennte Versorgungsbereiche entstehen und die psychotherapeutische Versorgung aus der ärztlichen Versorgung ausgegliedert werden. Das BMG solle seinen Arbeitsentwurf zurücknehmen oder neu konzipieren, forderten die Delegierten des Ärztetages. © pb/aerzteblatt.de

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