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Stress am Arbeitsplatz (nur) für Männer mit kardiometabolischen Erkrankungen lebensgefährlich

Mittwoch, 6. Juni 2018

/dpa
London – Für Männer, die bereits an Herzinfarkt, Schlaganfall oder Typ-2-Diabetes erkrankt sind, können psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu einem tödlichen Risiko werden. Eine Studie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2018; doi: 10.1016/ S2213-8587(18)30137-2) kommt zu dem Ergebnis, dass ein „Job Strain“ das Sterberisiko dieser Männer erhöht, während Männer ohne kardiometabolische Erkrankungen und Frauen nicht gefährdet waren.

Stress am Arbeitsplatz ist schlecht für die Gesundheit. Die Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse führt zu einer erhöhten Freisetzung von Stress­hormonen, die über eine Störung des Glukosestoffwechsels die Entwicklung eines metabolischen Syndroms fördert. Diese Kombination mit erhöhtem Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten sowie die begleitende Adipositas stellt für sich bereits ein erhebliches kardiovaskuläres Risiko dar. Die Betroffenen sind darüber hinaus häufig psychisch labil und wenig belastbar. Wenn es dann noch „Ärger“ am Arbeitsplatz gibt, leidet die Gesundheit zusätzlich.

Psychologen halten insbesondere 2 Stressoren für schädlich. Der erste Stressor ist der „Job Strain“. Er ergibt sich, wenn die hohen Anforderung am Arbeitsplatz mit einer geringen Gestaltungsmöglichkeit am Arbeitsplatz kontrastieren. Betroffen sind die reinen „Befehlsempfänger“, die ständig unter Kritik stehen, weil sie nicht richtig „funktionieren“. Der zweite Stressor ist die „Effort-Reward-Imbalance“. Er beschreibt die Unzufriedenheit der Beschäftigten, wenn ihr Einsatz am Arbeitsplatz nicht belohnt wird, weil das Gehalt gering ist und Wertschätzung, Sicherheit oder Aufstiegs­möglichkeiten fehlen.

Ein Team um Mika Kivimäki vom University College London hat in 7 Kohorten aus Finnland, Frankreich, Schweden und Großbritannien den Einfluss von „Job Strain“ und „Effort-Reward-Imbalance“ auf die Sterblichkeit untersucht. Mit 102.633 Teilnehmern ist es die größte Untersuchung dieser Art. Insgesamt 1.975 Männer und 1.466 Frauen hatten bei der Eingangsbefragung angegeben, dass sie bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten oder dass bei ihnen ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde. In den folgenden 13,9 Jahren kam es zu 3.841 Todesfällen.

Die höchste Sterberate hatten mit 149,8 pro 10.000 Personenjahre Männer mit kardiometabolischen Erkrankungen, die einem erhöhten „Job Strain“ ausgesetzt waren. Bei den Männern ohne kardiometabolische Erkrankung betrug die Mortalitätsrate nur 97,7 pro 10.000 Personenjahre. Kivimäki ermittelt eine Hazard Ratio von 1,68, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,19 bis 2,35 signifikant war. Der Epidemiologe konnte bei seiner Berechnung eine Reihe von Risikofaktoren (einschließlich Bluthochdruck, Cholesterinspiegel, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und Alkoholkonsum) berücksichtigen, die damit nicht mehr als Erklärung für das erhöhte Sterberisiko infrage kommen.

Mehr noch: Der „Job Strain“ hatte im direkten Vergleich einen größeren Einfluss auf das Sterberisiko als Bluthochdruck, hohes Gesamtcholesterin, Adipositas, Bewegungs­mangel oder hoher Alkoholkonsum. Nur Rauchen schadete den Männer mit kardiometabolischen Erkrankungen stärker als ein permanenter Ärger am Arbeitsplatz.

Der „Job Strain“ schadete auch den Männern mit kardiometabolischen Erkrankungen, die ihre Behandlungsziele erreicht hatten oder sich um einen gesunden Lebensstil bemühten. Für Männer mit einem gesunden Lebensstil (Hazard Ratio 2,01; 1,18–3,43) und solchen mit normalem Blutdruck und keiner Dyslipidämie (Hazard Ratio 6,17; 1,74–21,9) war der „Job Strain“ sogar besonders gefährlich.  

Für Männer ohne kardiometabolische Erkrankung sowie Frauen (mit oder ohne kardiometabolische Erkrankung) hatte der erhöhte „Job Strain“ dagegen keine Folgen. Entgegen den Annahmen der Psychologie hatte auch die „Effort-Reward-Imbalance“ keine Auswirkung auf die Sterblichkeit. Männer ohne metabolische Erkrankung hatten sogar ein leicht vermindertes Sterberisiko, wenn die Ent- und Belohnungen am Arbeitsplatz nicht ihren Erwartungen entsprachen.

Warum der „Job Strain“ allein für Männer mit kardiometaboloischen Erkrankungen gefährlich ist, kann die Studie nicht klären. Der Editorialist Yulong Lian von der Universität in Nantong (bei Shanghai) vermutet, dass psychische Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen, die bei Menschen mit kardiometabolischen Erkrankungen häufiger auftreten und in der Studie nicht als Begleitfaktoren berücksichtigt wurden, ein Grund sind. Sie erklären jedoch nicht, warum Frauen insgesamt weniger anfällig waren. © rme/aerzteblatt.de

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