NewsAuslandNeue Richtlinien zur ärztlichen Suizidbeihilfe in der Schweiz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Neue Richtlinien zur ärztlichen Suizidbeihilfe in der Schweiz

Donnerstag, 7. Juni 2018

/kazoka303030, stockadobecom

Bern – Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) hat neue Richtlinien zur ärztlichen Suizidbeihilfe vorgelegt. Demnach muss ein Arzt selbst entscheiden, ob er einen Patienten bei der Absicht, sich das Leben zu nehmen, aktiv unterstützt, heißt es in dem gestern in Bern veröffentlichten Dokument „Umgang mit Sterben und Tod“.

Die Formulierung objektiver medizinischer Kriterien für die Zulässigkeit der Suizidhilfe sei „problematisch“, hält die Ständevertretung der Schweizer Mediziner fest. Zu den Aufgaben eines Arztes gehöre es nicht, von sich aus Suizidhilfe anzubieten. Er sei auch nicht verpflichtet, diese zu leisten. Er könne dies aber tun, wenn er sich überzeugt habe, dass die Voraussetzungen dazu erfüllt seien.

Anzeige

Diese umfassen laut den neuen Richtlinien, dass dem Arzt bei der Entscheidung eine weitere Person zur Seite steht, die nicht medizinisch ausgebildet sein muss. Weiter müsse der Patient urteilsfähig sein, seine Entscheidung „wohlerwogen“ und ohne äußeren Druck gefällt haben. Seine Krankheitssymptome und Funktionseinschrän­kungen müssten „Ursache unerträglichen Leidens“ sein.

Weitere Voraussetzung sei es demnach, dass der Suizidwillige therapeutische und andere Unterstützungsmaßnahmen gesucht habe, die aber erfolglos geblieben oder von ihm als unzumutbar abgelehnt worden seien. Der Wunsch des Patienten, seine unerträglichen Leidenssituation zu beenden, müsse für den Arzt aufgrund der Vorgeschichte und wiederholter Gespräche nachvollziehbar sein.

Auch die Unterstützung des freiwilligen Verzichts auf Nahrung und Flüssigkeit müsse differenziert betrachtet werden, so die Mediziner weiter. Freiwillig sei der Verzicht dann, wenn der klar geäußerte Wille einer urteilsfähigen Person zu einem solchen „Sterbefasten“ vorliege, hieß es.

Die katholische Lebensrechtsorganisation „Human Life International“ (HLI) in der Schweiz kritisierte, es handle sich nicht um medizinisch-ethische Richtlinien, sondern eine „Auflistung von Handlungsoptionen, die dem überzogenen Selbstbestimmungs­recht der Patienten beziehungsweise dem Gutdünken des ärztlichen Personals überlassen werden“. Die Akademie übernehme damit die Sichtweise der Sterbehilfe­organisation Exit, die für den „Altersfreitod“ eintrete.

Stattdessen müssten die Richtlinien von 2004 in Kraft bleiben, wonach die Beihilfe zum Suizid nicht als Teil ärztlicher Tätigkeit zu sehen sei, weil sie den Zielen der Medizin widerspreche. Andernfalls drohe das gesellschaftliche Vertrauen in die ärztliche Tätigkeit nachhaltig zu verkümmern, so die Organisation. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. März 2019
Bern – Die Große Kammer des Schweizer Parlaments hat einen Vorstoß zur Legalisierung der Eizellspende zurückgewiesen. Der Nationalrat lehnte vorgestern einen Antrag der Zürcher Abgeordneten Rosmarie
Schweizer Nationalrat gegen Legalisierung der Eizellspende
6. März 2019
Frankfurt am Main – Der FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae hat sich für liberale Regeln in mehreren Lebensbereichen ausgesprochen. Unter der Überschrift „Selbstbestimmung von der Wiege bis ins Grab“
FDP-Vorstoß für liberale Regeln zu Leihmüttern und Sterbehilfe
5. März 2019
Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt bestätigt, das es Mitte April über das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe verhandelt. Das höchste deutsche Gericht in Karlsruhe kündigte heute
Verfassungsgericht verhandelt im April über Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe
1. März 2019
Karlsruhe/Berlin – Das Bundesverfassungsgericht prüft voraussichtlich im April Verfassungsbeschwerden gegen das strafrechtliche Verbot organisierter Sterbehilfe. Nach Informationen des Berliner
Bundesverfassungsgericht verhandelt im April über Sterbehilfe
28. Februar 2019
Brüssel – Die Zahl der Fälle aktiver Sterbehilfe in Belgien ist leicht angestiegen. Wie die Zeitung Le Soir vom Donnerstag unter Berufung auf Zahlen der staatlichen Sterbehilfekommission berichtet,
Mehr Fälle aktiver Sterbehilfe in Belgien
25. Februar 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat die Linie verteidigt, dass Schwerkranke vorerst keine amtliche Erlaubnis zum Kauf von Medikamenten zur Selbsttötung bekommen. Der Bundestag habe sich
Spahn verteidigt Nein zur Abgabe von Suizidmitteln
21. Februar 2019
Berlin – Bei einer Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des Bundestages sprachen sich Experten mehrheitlich dagegen aus, schwer kranken Patienten auf ihren Wunsch ein tödlich wirkendes Arzneimittel
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER