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Politik

Hauptstadtkongress: Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben

Mittwoch, 6. Juni 2018

WISO/Studio Schmidt-Domine Duesseldorf

Berlin – Anwendungen, die Ärztinnen und Ärzte bei der Diagnose und der Therapieentscheidung unterstützen, sind die entscheidenden Entwicklungen im Gesundheitswesen der Zukunft, hieß es bei der Eröffnungsveranstaltung des diesjährigen Hauptstadtkongresses in Berlin.

Dabei stellte Martin Hirsch, einer der Gründer der Ada Health App, die Visionen seines hochbewerteten Start-up-Unternehmens vor. Das Unternehmen habe in den vergan­genen sieben Jahren intensiv an der Datenverarbeitung für Künstliche Intelligenz (KI) gearbeitet. „Wir haben hier in Berlin die weltweit führende Software zur Diagnose-Unterstützung. Und ich will, dass das so bleibt und nicht von anderen Staaten aufgekauft wird“, so Hirsch.

Unterstützung auch für Ärzte

Das Unternehmen Ada will sich künftig neben der KI auf Anwendungen für professio­nelle Nutzer konzentrieren. Dabei sieht Hirsch die Ada-App nicht nur als Vorteil für Patienten, die so mit viel Wissen und auch schon mit Gesundheitsdaten in die Praxen kommen, sondern auch als Unterstützer für Ärzte.

„Unsere Auswertungen von Daten mit Hilfe von KI können der entscheidende Tipp für den Arzt sein“, so Hirsch. Er sieht den Fortschritt der Digitalisierung im Gesundheits­wesen von drei Seiten: Zum einen sei der Start von Versorgung nun „direkt in der Hosentasche“. Durch die App werde es viel mehr personalisierte Vorsorge geben. Auch Krankenkassen und Kran­ken­ver­siche­rungen werden immer mehr Treiber sein, die hier im Interesse der Kostenträger argumentieren. Als dritten großen Akteur sieht Hirsch aber auch die Universitätskliniken, bei denen die schweren und seltenen Fälle versorgt werden. Denn eins seiner Ziele für die kommenden fünf Jahre: „Wir wollen Menschen, die an einer der 7.500 möglichen seltenen Erkrankungen leiden, besser helfen können.“

Spahn will schnellere Digitalisierung

Auch Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will eine schnellere Digitalisierung in der Medizin. Dabei warnte er vor weiteren Verzögerungen von innovativen Ideen, bekannte sich aber noch einmal ausdrücklich dazu, an der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) festzu­halten. „Wir setzen die Standards, aber danach muss es Freiheit für Entwicklungen am Markt geben“, so Spahn.

Er mahnte, möglichst viele Entwicklungen auch in Deutschland zu starten. „Die Angebote werden von Apple, Google und Amazon kommen. Die Alternative ist, ob wir etwas gestalten oder ob wir das über uns ergehen lassen.“ Er kündigte auch ein Datengesetz zur Reform des Datenschutzes an, das innerhalb der Bundesregierung mit mehreren Ministerien geplant werde. Bei diesen Plänen sei der Gesundheitsbereich prädestiniert, da dort große Datenmengen anfielen und man müsse überlegen, wie diese Daten besser genutzt werden könnten.

Hasso-Plattner-Institut gründet Health-Cloud

Die Nutzung von Daten soll beispielsweise am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut erforscht werden. Stifter und Namensgeber, der SAP-Gründer Hasso Plattner, wendete sich per Videobotschaft an die Teilnehmer des Hauptstadtkongresses. An dem Institut entwickeln Forscher die „Health-Cloud“, eine Anwendung, mit der an der Auswertung von Daten für die Künstliche Intelligenz geforscht werden soll.

Patienten könnten durch eine App ihre Daten an die Forscher weitergeben. Die Daten gehören dem Patienten, Ärzte können den Patienten ihre Befunde zur Verfügung stellen. Ob dies ähnlich einer elektronischen Gesundheitsakte aufgebaut sein soll, blieb unklar. „Mein eigener Beitrag zur Zukunft der Digital Health ist das Hasso-Plattner-Institut, bei dem wir bis zu drei Lehrstühle fördern werden“, sagte Plattner in dem Video. „Wir wollen an der Technik forschen, wie wir aus den Daten aus der Health Cloud medizinische Anwendungen entwickeln. Wir glauben, dass wir die Muster von Krankheiten erkennen und dann Ärzten zur Unterstützung zur Verfügung stellen“, so Plattner weiter.

Als Unterstützung zur Diagnose und Therapie verstanden auch die Ärzte auf der Podiumsdiskussion die neuen digitalen Möglichkeiten. Annette Grüters-Kieslich, Vorstandsvorsitzende und Leitende Ärztliche Direktorin am Uniklinikum Heidelberg, hält es für problematisch an, wie vielen Menschen in den vergangenen zwölf Jahren nicht geholfen werden konnte, weil die Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht vorangebracht wurde.

Markus Münschenich, Arzt und Gründer des Flying Health Incubators, sieht viel Innovationsmöglichkeiten verspielt, die nun aber umso mehr aufgeholt werden müsse. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer, forderte von der Politik, die 2004 ins Gesetz geschriebene Machtprobe zwischen Ärzten und Krankenkassen bei der Entwicklung der Gesundheitskarte zu beenden.

Algorithmen der großen Unternehmen kritisch hinterfragen

„Das Gesetz damals war als Machtinstrument gedacht, wir haben uns zwölf Jahre um die Macht gestritten und wir müssen uns nun fragen, wie wir aus dieser Macht­konstellation wieder herauskommen.“ Er bezeichnete die App Ada als gute Möglichkeit, die Ärzten hilft. „Wir haben da die Weltliteratur in der Hosentasche.“

Aber er sorge sich schon davor, welche Interessen hinter den Algorithmen der großen Unternehmen wirklich stehen. Um diese Algorithmen zu verstehen, forderte Grüters-Kieslich, mehr in das KI-Wissen auch in der Lehre zu investieren, aber auch die Unikliniken dabei finanziell zu unterstützen, in KI zu investieren. Münschenich warb dafür, dass Ärzte künftig auch den Angaben aus Apps vertrauen sollten, vor allem wenn diese mit Studien und anderen Prüfungen zertifiziert sind. © bee/aerzteblatt.de

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