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Politik

Krankenhäusern ging es 2016 so gut wie lange nicht mehr

Donnerstag, 7. Juni 2018

/Olena Bloshchynska, stockadobecom

Berlin – Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser hat sich im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Lag die Anzahl der Krankenhäuser mit erhöhtem Insolvenzrisiko 2015 noch bei 9,2 Prozent, sank sie 2016 auf 6,8 Prozent. Die Zahl der Krankenhäuser mit geringem Insolvenzrisiko stieg im gleichen Zeitraum von 77,4 auf 84,1 Prozent. Ein mittleres Insolvenzrisiko hatten 9,0 Prozent, während es im Vorjahr noch 13,4 Prozent waren. Das geht aus dem aktuellen Krankenhaus Rating Report hervor, den das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, das Institute for Health Care Business (hcb) und das Unternehmen Deloitte herausgegeben haben und der heute in Berlin auf dem Hauptstadtkongress vorgestellt wurde.

Das Insolvenzrisiko wird im Krankenhaus Rating Report mit der Ausfallwahrschein­lichkeit gemessen. Diese gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Krankenhaus innerhalb eines Jahres seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Von einem hohen Insolvenzrisiko gehen die Autoren des Reports bei einer Ausfallwahrscheinlichkeit von mehr als 2,6 Prozent aus. Ein geringes Insolvenzrisiko haben Krankenhäuser mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von unter einem Prozent.

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Situation der Krankenhäuser bleibt 2017 und 2018 relativ gut

„Das Jahr 2016 war für die Krankenhäuser das beste Jahr seit dem ersten Krankenhaus Rating Report vor 14 Jahren“, sagte Sebastian Krolop von Deloitte, einer der Autoren des Reports, heute auf dem Hauptstadtkongress. Auch die Jahresergebnisse der Krankenhäuser waren 2016 so gut wie noch nie innerhalb dieses Zeitraums. Demnach schrieben 86,8 Prozent der Krankenhäuser auf Konzernebene schwarze Zahlen. Im Vorjahr waren es noch 78,4 Prozent. Rote Zahlen schrieben 13,2 Prozent – im Vergleich zu 21,6 Prozent im Vorjahr.

Auf Standortebene vermuten die Autoren des Reports allerdings, dass 24 Prozent der einzelnen Standorte einen Jahresverlust hinnehmen mussten. Seit dem Jahr 2012 hat sich die wirtschaftliche Situation deutscher Krankenhäuser nach und nach verbessert. So hatten dem Rating Report zufolge 2012 noch 12,6 Prozent ein erhöhtes Insolvenzrisiko und 32,7 Prozent schrieben auf Konzernebene rote Zahlen. 

Für das Jahr 2017 erwarten die Autoren des Rating Reports zunächst eine Verschlech­terung der Ertragslage, im Jahr 2018 erneut eine Verbesserung. „Aufgrund bereits bekannter Veränderungen der Rahmenbedingungen für Krankenhäuser in den Jahren 2017 und 2018 lässt sich eine gut fundierte Hochrechnung erstellen“, schreiben sie.

Kommunalen Krankenhäusern geht es am schlechtesten

Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser variiert regional stark. Dabei setzen sich die Trends der vergangenen Jahre weiter fort. „Den privaten und freigemein­nützigen Krankenhäusern geht es deutlich besser als den kommunalen“, sagte Krolop. „Dabei arbeiten kommunale Krankenhäuser in armen Landkreisen wirtschaftlich. Unwirtschaftlich sind Kommunalen in reichen Landkreisen.“

Am schlechtesten geht es den kommunalen Krankenhäusern in Baden-Württemberg. Hier haben 34,8 Prozent ein erhöhtes und nur 28,3 Prozent ein geringes Insolvenz­risiko. In Hessen haben 26,7 Prozent ein erhöhtes und 50 Prozent ein geringes Insolvenzrisiko. Im Osten des Landes geht es den kommunalen Krankenhäusern hingegen gut. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben nur 4,3 Prozent ein erhöhtes Insolvenzrisiko – und 95,7 Prozent ein geringes.

Auch weitere Trends bleiben: „Die Ländlichkeit ist kein Nachteil, eher die Frage der Größe“, sagte Krolop. „Kleinen Krankenhäusern geht es schlechter als großen. Und je spezialisierter ein Krankenhaus ist, desto wirtschaftlicher ist es. Auch die Patienten­zufriedenheit ist in diesen Krankenhäusern höher.“ Bei Verbünden gehe man zumeist davon aus, dass es ihnen wirtschaftlich besser gehe. Das stimme auch – außer bei kommunalen Krankenhäusern. „Wenn sich Kommunale zusammenschließen, geht es ihnen im Verbund wirtschaftlich schlechter als zuvor“, sagte Krolop.

Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser ist niedrig

Im Krankenhaus Rating Report wurde in diesem Jahr erstmals der Digitalisierungsgrad der deutschen Krankenhäuser erhoben, gemessen im EMRAM-Score (Electronic Medical Record Adoption Modell). „Dieses Digitalisierungsmaß gibt anhand von acht Stufen den Fortschritt eines Krankenhauses bei der Einführung von papierlosen, elektronischen Patientenakten und Behandlungspfaden an“, heißt es im Report. Stufe 0 bedeute, dass die Kliniken noch mit Papier arbeiten, Stufe 7 bedeute das vollständig digitalisierte Krankenhaus, erklärte Krolop.

Insgesamt liegt der EMRAM-Score für Deutschland bei 2,2. Demgegenüber liege er in Dänemark bei 5,3, in den Niederlanden bei 4,7 und in Spanien bei 3,2, sagte Krolop. Innerhalb Deutschlands haben große Krankenhäuser einen höheren Score (3,0) als mittelgroße (1,9) und kleine (1,1). Kommunale Kliniken haben zugleich einen höheren Score (2,6) als freigemeinnützige (1,7) und private (1,4). Am besten schneiden große kommunale Krankenhäuser ab.

Krankenhäuser mit einem niedrigen Digitalisierungsgrad seien signifikant unwirt­schaftlicher, erklärte Krolop. Es sei jedoch nicht klar, was hier Henne und was Ei sei: ob wirtschaftlich gute Krankenhäuser eher in den Ausbau der Digitalisierung investiert hätten oder ob digitalisierte Krankenhäuser in der Folge mehr Erlöse erzielt hätten.

Länder zahlen nur die Hälfte der benötigten Investitionsförderungen

Die Investitionsmittel der Bundesländer stiegen zum Jahr 2015 um 0,4 Prozent auf 2,79 Milliarden Euro, heißt es in dem Report. Von 2013 auf 2014 waren sie um 2,6 Prozent angestiegen, während sie in den Jahren vor 2012 zumeist rückläufig gewesen seien. „Es gibt kleine Verbesserungen in einigen Bundesländer, die aber insgesamt nicht ausreichen“, sagte Boris Augurzky vom RWI, einer der Autoren des Reports. „Wir brauchen 5,8 Milliarden Euro und haben nur etwa die Hälfte davon. Der Rest ist offen.“

Aufgrund der Preisinflation sei der reale Wert der Förderungen zudem gesunken, heißt es im Report. „Es ist davon auszugehen, dass der langfristige Trend zum realen Wert­verlust der Fördermittel vor dem Hintergrund der Schuldenbremse der Länder weiter anhalten wird.“

Bis 2025 steigt Zahl insolvenzgefährdeter Krankenhäuser wieder an

Die Autoren des Reports haben Prognosen bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Krankenhäuser bis zum Jahr 2025 abgegeben. Ab 2019 erwarten sie eine kontinuierliche Verschlechterung der Ertragslage. Bis 2025 werde sich der Anteil der Krankenhäuser mit einem erhöhten Insolvenzrisiko bei weitgehend gleichbleiben­den Bedingungen demnach von 6,8 Prozent im Jahr 2016 auf 23 Prozent erhöhen.

Bis 2025 gehen die Autoren zudem davon aus, dass 80.000 Vollzeitkräfte mehr in den medizinischen Diensten notwendig seien als heute – vor allem, um die sogenannten Babyboomer zu versorgen, die sich dann im Rentenalter befinden. Auch in der Altenpflege würden demnach 80.000 Vollzeitkräfte zusätzlich gebraucht. „Doch woher sollen wir diese Menschen nehmen, wenn die Zahl erwerbstätiger Menschen bis 2025 um vier Prozent und bis 2035 um 13 Prozent schrumpfen wird“, fragte Augurzky. Zugleich müsse sich die Gesundheitsbranche mit anderen Branchen messen, in denen ebenfalls ein Fachkräftemangel herrsche. 

Warnung vor starken Eingriffen in den Markt

Um dieses Problem zu lösen, „brauchen wir kluge, arbeitssparende Innovationen“, sagte Augurzky. „Denn alles, was Zeit spart, spart auch Personal und entschärft die Situation.“

Augurzky schlug verschiedene Maßnahmen vor, um die Zahl der Fachkräfte zu erhöhen beziehungsweise die anfallende Arbeit zu reduzieren: „Wir brauchen eine Ausbildungs­offensive und ein Zuwanderungsgesetz mit klaren Kriterien. Wir brauchen digitale Innovationen, Robotikassistenz.“ Die Branche müsse zudem attraktiver sein als andere Branchen. Dafür bedürfe es auch höherer Gehälter. „Aber die kann man nicht verord­nen“, so Augurzky. Höhere Gehälter würden aber automatisch gezahlt, wenn es um ein knappes Gut gehe.

Der Gesundheitsökonom warnte die Politik vor starken Eingriffen in den Markt, zum Beispiel vor der Einführung von Pflegepersonaluntergrenzen. Denn keiner wisse, welchen Effekt sie haben würden. „Der Einsatz von Pflegekräften im Krankenhaus ist Aufgabe des Krankenhausmanagements“, sagte Augurzky. „Das aus Berlin zu machen, ist schwierig." Besser sei es, mehr Qualitätstransparenz einzuführen, auch im Bereich der Pflege, und eine qualitätsorientierte Vergütung anzustreben. © fos/aerzteblatt.de

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