NewsVermischtesPhilips setzt auf Kooperationen mit deutschen Kliniken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Philips setzt auf Kooperationen mit deutschen Kliniken

Freitag, 8. Juni 2018

/dpa

Frankfurt am Main/München – Der Elektro- und Gesundheitskonzern Philips plant zahlreiche Partnerschaften mit deutschen Kliniken. Dabei kommen die Niederländer dem Konkurrenten Siemens in die Quere. Nachdem Philips bereits eine Kooperation mit den Kliniken Köln abgeschlossen hatte, gab das Unternehmen heute ein 50 Millionen Euro umfassendes Projekt mit dem Städtischen Klinikum München bekannt. Dabei werden binnen acht Jahren mehr als 200 diagnostische Systeme wie MRT, CT, Ultraschall- und Röntgengeräte erneuert.

„Wir haben Interesse an weiteren Partnerschaften mit Kliniken und planen Dutzende in Deutschland“, sagte Philips-Vorstandschef Frans van Houten. Es bestehe eine große Nachfrage von Krankenhäusern nach Partnern, die Technologie und integrierte Plattformen liefern könnten. In Deutschland gebe es einen gewissen Rückstand: „Die IT-Ausrüstung ist in vielen Krankenhäusern in die Jahre gekommen.“

In der Kooperation mit dem Städtischen Klinikum München geht es aber um mehr als die Erneuerung von Geräten. Der Einsatz von integrierter Software solle Ärzten helfen, Diagnosen zu verbessern und die Effizienz von Behandlungen zu steigern, wie van Houten erklärte.

Philips betreut zudem die Ausstattung mit Experten vor Ort und durchleuchtet Behandlungsprozesse auf Sparpotenziale. So erlaubten es bestimmte Computer­tomografen, Doppelanalysen zu vermeiden und Kranke mit chronischer Nieren­schwäche schonender zu untersuchen. Zudem werde an den Klinikstandorten in Bogenhausen, Schwabing, Neuperlach und Harlaching mit einheitlicher Software gearbeitet. Auch das soll die Diagnose und Versorgung verbessern sowie Wartezeiten senken.

Kooperationen zwischen Unternehmen und Kliniken sind nicht ungewöhnlich. Im Herbst schloss die Medizintechniksparte von Siemens eine Technologiepartnerschaft mit dem Klinikum Braunschweig. Damals hatte Philips im Rennen um den Auftrag das Nachsehen.

Für viele Krankenhäuser in Deutschland sind Partnerschaften willkommen, um teure Geräte zu erneuern. In den Kliniken mangelt es oft an Geld: Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) gab es 2017 eine Investitionslücke von fast 2,8 Milliarden Euro. Die Bundesländer zahlten bei Weitem nicht so viel, wie für Modernisierung nötig sei, klagte der Verband. Von den etwa 1.950 Krankenhäusern schreibe rund ein Viertel rote Zahlen. Umgekehrt profitierten Konzerne von Partnerschaften, indem sie Kliniken über Jahre an sich binden.

Der Trend in der Gesundheit gehe zu immer mehr Technologie, sagte van Houten. „Es geht immer noch darum, in der Radiologie etwa Röntgenbilder zu erstellen, aber zunehmend darum, komplexe Daten auszuwerten, um Ärzten zu besseren Diagnosen zu verhelfen“. Der deutsche Markt ist für ihn nicht nur wegen seiner Größe attraktiv. So spielten künstliche Intelligenz und Datenauswertung hierzulande bisher kaum eine Rolle, während sie in den USA schon weit verbreitet seien.

Van Houten hat den einstigen Mischkonzern, der von Fernsehern über Halbleiter bis zu Glühlampen und Medizintechnik alles anbot, kräftig umgebaut. So gab Philips das Geschäft mit Unterhaltungselektronik auf, die Lichtsparte wurde ausgelagert und an die Börse gebracht. Philips setzt auf Medizintechnik und wendet sich mit Elektro­geräten wie Rasierern, elektrischen Zahnbürsten oder Kaffeemaschinen an Verbraucher. Das Gesundheitsgeschäft wuchs ferner mit Übernahmen. Mit Kliniken hat der Konzern auch Partnerschaften etwa in Schweden und Spanien. Einen direkten Einstieg in den deutschen Krankenhausmarkt lehnt van Houten indes ab: „Wir wollen kein Klinikbetreiber werden.“

Beim Projekt mit dem Städtischen Klinikum München – einem der größten kommu­nalen Häuser in Deutschland – setzt Philips auf ein aufgeteiltes Risiko. Im Vertrag sind erfolgsabhängige Vergütungen für den Konzern verankert, die fällig werden, wenn etwa die Zahl der Patienten in einem Bereich steigt. Axel Fischer, Geschäftsführer der Klinik, sagt zu der Kooperation: „Damit möchten wir insbesondere die Attraktivität des Klinikums für Patienten, Ärzte und Pflegekräfte erhöhen.“ © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. Juni 2018
München – Auch Patienten mit einem Herzschrittmacher oder einem Defibrillator können Autos mit Elektroantrieb fahren. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am
Elektroautos sind keine Gefahr für Herzschrittmacher
8. Juni 2018
Dresden – Angeborene Fehlbildung oder Knochenschwund durch Krebs: Innovative Verfahren zur Herstellung körpereigenen Gewebes für Transplantationen in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie kommen
Fachmediziner beklagen zu hohe Hürden für Einsatz von 3-D-Druck
5. Juni 2018
Cambridge/Massachusetts – Eine spezielle Operation, die dem Patienten ein „Gefühl“ für die Position seiner Unterschenkelprothese vermitteln soll, hat laut einem Bericht in Sciences Translational
Amputation: Operation verbessert „Propriozeption“ einer Unterschenkelprothese
5. Juni 2018
Weimar – Der Jenoptik-Konzern besinnt sich seiner Wurzeln. Vorstandschef Stefan Traeger kündigte heute auf der Aktionärsversammlung des TecDax-Unternehmens in Weimar „eine stärkere Konzentration auf
Jenoptik investiert verstärkt ins Kerngeschäft
4. Juni 2018
Silver Spring/Maryland – Die Food and Drug Administration (FDA) hat erstmals eine künstliche Iris zur Behandlung angeborener oder traumatischer Defekte der Regenbogenhaut zugelassen. Der deutsche
USA: Erste künstliche Iris (eines deutschen Herstellers) zugelassen
29. Mai 2018
Mainz – Herzchirurgen der Universitätsmedizin Mainz haben erstmals im April 2008 einen lebensbedrohlich erkrankten Patienten gerettet, indem sie bei ihm ein künstliches Herz-Lungen-Ersatzsystem
Implantationen künstlicher Herz-Lungen-Ersatzsysteme in Mainz gestiegen
28. Mai 2018
Cambridge/Massachusetts – US-Forscher haben einen Biosensor in Form einer Pille entwickelt, der mithilfe von gentechnisch veränderten Bakterien Darmblutungen oder andere Funktionsstörungen
NEWSLETTER