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Medizin

Frühe Fehlgeburt: Mifepriston plus Misoprostol erleichtern Abort

Donnerstag, 7. Juni 2018

/dpa

Philadelphia – Eine Vorbehandlung mit Mifepriston erhöht nach einem Fruchttod in der Frühschwangerschaft die Chance, eine Ausstoßung des Gestationssacks mit einer Misoprostolbehandlung zu erreichen und eine Ausschabung zu vermeiden. Dies zeigen die jetzt im New England Journal of Medicine (2018; 378: 2161–2170) publizierten Ergebnisse einer randomisierten Studie.

Eine Molenschwangerschaft oder das Absterben von Embryo oder Fötus in den ersten 3 Monaten ist eine häufige Schwangerschaftskomplikation, die dank der Vorsorge­untersuchungen immer häufiger im Ultraschall erkannt wird, bevor es zum Abort kommt. Die Frauen stehen dann vor der Wahl, die natürliche Ausstoßung abzuwarten oder diese durch Medikamente zu beschleunigen.

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Die empfohlene medikamentöse Behandlung besteht in der vaginalen Applikation von Misoprostol. Die durch das synthetische Prostaglandin-Analogon bewirkte Kontraktion des Uterus führt jedoch nicht immer zur Ausstoßung, da der Gebärmuttermund anders als bei einer natürlichen Geburt noch verschlossen ist. Dies erhöht die Neben­wirkungen der Behandlung, und nicht wenige Frauen benötigen eine zweite Misoprostoldosis oder eine anschließende Ausschabung. 

Eine Kombination mit Mifepriston bietet sich an, da der Progesteron-Antagonist neben einer Ablösung der Gebärmutterschleimhaut auch eine Öffnung des Gebärmuttermunds bewirkt.

Das National Institute of Child Health and Human Development hat beide Therapien in einer randomisierten Studie verglichen, an der an 3 Kliniken in den USA 300 Frauen mit Molenschwangerschaft oder Fruchttod zwischen der fünften und zwölften Schwangerschaftswoche teilnahmen. 

Die Behandlung bestand in beiden Gruppen in einer vaginalen Applikation von 800 µg Misoprostol. Die Hälfte der Frauen erhielt etwa 24 Stunden vorher eine Tablette mit 200 mg Mifepriston, die andere Gruppe erhielt keine Tablette (also auch kein Placebo). 

Der primäre Endpunkt der Studie war die Ausstoßung des Gestationssacks bei einer Ultraschallkontrolle sowie die fehlende Notwendigkeit einer weiteren medikamentösen Therapie oder einer Ausschabung. 

Mifepriston erhöhte den Anteil der Frauen, bei denen es nach einer einzigen Misoprostolbehandlung zu einer vollständigen Austreibung kam, von 67,1 % auf 83,8 %. Courtney Schreiber von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia und Mitarbeiter ermitteln ein relatives Risiko von 1,25, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,09 bis 1,43 signifikant war. Der Anteil der Frauen, die eine Absaugung benötigten, wurde von 23,5 auf 8,8 % gesenkt. Das relative Risiko betrug 0,37 (0,21 bis 0,68).

In der Verträglichkeit gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Die Intensität der Blutungen und der Schmerzen war in beiden Gruppen gleich. Allerdings benötigten nach der Mifepriston-Vorbehandlung signifikant mehr Frauen eine Bluttransfusion (2,0 versus 0,7 %). Eine Beckeninfektion wurde in beiden Gruppen bei 1,3 % der Frauen diagnostiziert.

Fast 9 von 10 Frauen (89,4 % mit Mifepriston-Vorbehandlung und 87,4 % ohne) beurteilten die Behandlung als „gut“ oder „neutral“. Die meisten (69,1 % mit Mifepriston-Vorbehandlung und 84,8 % ohne) meinten, dass sie im Fall einer erneuten Fehlgeburt die Behandlung wiederholen würden. © rme/aerzteblatt.de

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