NewsPolitikGesundheitsberufe wünschen sich bessere Bezahlung im Kampf gegen Nachwuchsmangel
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Gesundheitsberufe wünschen sich bessere Bezahlung im Kampf gegen Nachwuchsmangel

Freitag, 8. Juni 2018

/alexp3, stockadobecom

Berlin – Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Pflegende haben gestern beim Hauptstadtkongress eine bessere Vergütung gefordert, um dem Nachwuchsmangel und der Unzufriedenheit in ihren Berufsgruppen zu begegnen. Jeder vierte Therapeut sei aus seinem Beruf ausgestiegen, fast die Hälfte denke darüber nach, sagte Sabine Hammer, Leiterin des Masterstudiengangs Therapiewissenschaften der Hochschule Fresenius in Idstein. Das habe eine Untersuchung der Hochschule ergeben, bei der im vergangenen Jahr 1.000 ehemalige und aktiv tätige Physiothera­peuten, Logopäden und Ergotherapeuten befragt wurden.

„Einer der wichtigsten Gründe für den Ausstieg ist das Gehalt“, sagte Hammer. Das liege mit durchschnittlich 2.000 Euro brutto im Monat deutlich unter zum Beispiel den Pflegeberufen. Es erhöhe sich auch dann nicht, wenn ein akademischer Berufs­abschluss vorliege, kritisierte die Therapiewissenschaftlerin. Weitere Gründe für den Berufsausstieg seien der Befragung zufolge fehlende berufliche Perspektiven und geringe Aufstiegschancen. Lösungsansätze für die zunehmende Berufsunzufriedenheit sieht Hammer neben einer besseren Bezahlung in der Akademisierung, die mehr Autonomie in der Berufsausübung ermögliche, und dem Direktzugang der Patienten zum Therapeuten.

Anzeige

Modellprojekte zur Blankoverordnung werden zu wenig umgesetzt

Der Gesundheitspolitiker Roy Kühne (CDU) verwies auf erste Verbesserungen für die Therapeuten durch das Heil- und Hilfsmittelgesetz von Februar 2017. Es sieht unter anderem, befristet auf drei Jahre, eine bessere Vergütung vor. Außerdem ermöglicht es Modellprojekte zur Blankoverordnung von Heilmitteln. Demnach bestimmt der Thera­peut Auswahl und Dauer der Therapie sowie die Häufigkeit der Behandlungen. In jedem Bundesland sollte es nach dem Willen des Gesetzgebers ein Modellvorhaben geben. Davon sei man in der Realität aber weit entfernt, kritisierten Teilnehmer der Veranstaltung.

„Mit dem Gesetz sind die Probleme der Gesundheitsberufe ins öffentliche Bewusstsein gedrungen“, hielt Kühne dem entgegen. Allerdings räumte er auch ein, dass die Honorare der Therapeuten noch nicht auskömmlich seien. Zugleich erklärte er, die Modellvorhaben zur Blankoverordnung würden de facto schon gelebt. Dasselbe gelte für den Direktzugang zum Therapeuten. „Das Vertrauen der Patienten ist offenbar vorhanden. Das müssen wir in die Legalität überführen und angemessen bezahlen“, sagte Kühne. Ute Repschläger, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten, untermauerte dies mit Zahlen: „60 Prozent unserer Mitglieder machen eine Heilpraktikerausbildung, damit der Direktzugang legal ist.“

Auch in der Pflege verlassen viele den Beruf, „weil sie nicht mehr können oder wollen“, sagte Thomas Meißner, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands des Anbieter­verbandes qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen. Auch er erklärte, die Pflege müsse die Attraktivität des Berufes für den Nachwuchs über eine gute Aus­bildung, eine fortschreitende Akademisierung und eine Weiterentwicklung des Berufsstandes in Pflegekammern steigern.

„Wir müssen die Arztzentrierung in der Versorgung überwinden“, sagte Meißner. Es gehe darum, im Team zusammenzuarbeiten – und zwar jeder seiner Kompetenz entsprechend. „Dann können wir auch wieder mehr Menschen für den Beruf begeistern“, meinte er. Jede Kompetenz finde ihren Platz in der Versorgung. Dass sich bei der Aufgabenverteilung zwischen Ärzten und Gesundheits­berufen so wenig bewege, sei eine Geld- und Machtfrage, ist Meißner überzeugt.

So habe der Gemeinsame Bundes­aus­schuss bereits 2013 eine Richtlinie zur Substitution in der Pflege erarbeitet. „Wir haben aber bislang weder eine Krankenkasse noch eine Kassenärztliche Vereinigung gefunden, die das Modell erproben will“, kritisierte Meißner. „Wir schaffen den großen Wurf nicht.“ © HK/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. März 2019
München – Die Koalition in Bayern will einen Kabinettsbeschluss und eine Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus dem vergangenen Jahr nun doch wie geplant in die Tat umsetzen.
Physiotherapeuten sollen in Bayern kein Schulgeld bezahlen
19. März 2019
Dortmund – In den vergangenen zehn Jahren haben sich mehr als 1.000 Medizinische Fachangestellte, Arzthelferinnen und Krankenpfleger in Westfalen-Lippe zur Entlastenden Versorgungsassistentin (EVA)
Mehr als 1.000 Entlastende Versorgungsassistenten in Westfalen-Lippe
14. März 2019
Berlin – Welche Strukturen sind zur Stärkung der Gesundheitskompetenz nötig? Welche Rolle spielen dabei die Gesundheitsberufe? Mit diesem zentralen Thema befasste sich die 31. Konferenz der Fachberufe
Gesundheitskompetenz: Gesundheitsberufe vor mannigfachen Herausforderungen
12. Februar 2019
Kiel – Angehende Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden sowie medizinische Bademeister und Masseure sollen in Schleswig-Holstein künftig kein Schulgeld mehr für ihre Ausbildung bezahlen. Das
Schulgeldfreiheit für Gesundheitsberufe in Schleswig-Holstein
8. Februar 2019
Weimar – In Thüringen bekommen Podologen Zugang zum Heilpraktikerberuf. Ihnen sei beschränkt auf Heilbehandlungen des Fußes grundsätzlich die Tätigkeit als Heilpraktiker eröffnet, erklärte das
Podologen in Thüringen bekommen Zugang zum Heilpraktikerberuf
31. Januar 2019
Kassel – Mit einer Marketingkampagne werben 18 nordhessische Klinken um Fachkräfte der Gesundheits- und Pflegebranche. Es gehe um hochqualifizierte Gesundheitsberufe vom Chef- bis zu Assistenzarzt und
Nordhessische Kliniken werben gemeinsam um Fachkräfte
24. Januar 2019
Mainz – Das Vorhaben, nach Deutschland geflüchtete Menschen in Sozial- und Gesundheitsberufe zu vermitteln, ist offenbar vielversprechend. Das legt eine erste Auswertung eines Pilotprojektes in
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER