NewsPolitikUnion und SPD legen Streitpunkte bei Reform der Pflegeausbildung bei
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Union und SPD legen Streitpunkte bei Reform der Pflegeausbildung bei

Freitag, 8. Juni 2018

/dpa

Berlin – Der Weg für die Umsetzung der Reform der Pflegeausbildung ist frei. Union und SPD haben gestern letzte Streitpunkte beim künftigen Anforderungsprofil für Pflegekräfte beigelegt. Zuvor hatten CDU und CSU Änderungen an der „Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe“ vorgeschlagen, mit denen das inhaltliche Niveau der Altenpflegeausbildung reduziert werden sollte. Die SPD hatte diese Änderungen abgelehnt.

Nach der erfolgten Einigung zwischen Fachpolitikern der Koalitionsfraktionen soll die Ausbildungsverordnung nach Informationen des Deutschen Ärzteblattes (DÄ) am kommenden Mittwoch im Bundeskabinett beraten werden. Eine Anhörung im Bundestag soll es am 25. Juni geben.

Anzeige

Aus Sicht der SPD hieß es heute, sie habe in den Verhandlungen „das Schlimmste verhindern“ können. Um nicht die gesamte Neuregelung der Pflegeausbildung zu kippen, werde die SPD die Verordnung mittragen, sagte die Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion für das Pflegeberufegesetz, Bettina Müller, dem auf Nachfrage. Sie betonte, die Union habe den Teilbereich der spezialisierten Altenpflege abschwächen und qualitativ abwerten wollen.

Verärgerung bei SPD und Ländern

Müller bezeichnete es als „sehr ärgerlich“, dass die Union „ganz offensichtlich den privaten Pflegarbeitgebern entgegenkommen wollte, die diese Abschwächung aus ökonomischen Gründen fordern“. Die Vorgaben der Verordnung müssten nun von einer Fachkommission, danach von den Ländern und schließlich noch von Schulen in Rahmenplänen und Curricula umgewandelt werden.

Mehrere Ländergesundheitsminister von verschiedenen Parteien mahnten eine schnelle Umsetzung an und zeigten wenig Verständnis für die taktischen Verzögerungen der Bundespolitiker. „Der Bund muss da jetzt endlich in die Pötte kommen“, sagte Karl-Josef Laumann, Ge­sund­heits­mi­nis­ter in Nordrhein-Westfalen bei einer Diskussionsrunde auf dem Hauptstadtkongress. Er ärgerte sich auch darüber, dass die Diskussion auf der Zielgeraden wieder eröffnet wurde. „Warum ist eigentlich die geeinte Frage wieder aufgebrochen? Damit einige mit ihrer Art mit Pflegekräften bei Ausbildung und Gehalt einfach so weiter machen können“, so Laumann weiter.

Kompromiss gefunden

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sprach heute hingegen von einem guten Kompromiss. „Wir wollen, dass sich möglichst viele für diesen verantwortungsvollen Beruf entscheiden“, sagte er. Aber man wolle auch, dass die guten Standards in der Ausbildung erhalten bleiben. Der CSU-Abgeordnete Erich Irlstorfer nannte den gefundenen Kompromiss „gut“. Dieser stärke die duale Pflegeausbildung für alle Schularten, erklärte er dem .

„Wir wollen keine Akademisierung und Verwissenschaftlichung der Pflegeausbildung“, sagte der für Gesundheitspolitik zuständige Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU) dem Handelsblatt. Die nun vereinbarten Standards in der Altenpflege brächten die Ausbildung qualitativ voran, ohne die Ansprüche so stark anzuheben, dass Hauptschüler keine Chance hätten. Es seien Formulierungen gefunden worden, die dazu führen können, „dass es mehr und nicht weniger Auszubildende in der Pflege gibt“.

Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe konkretisiert die Vorgaben des Pflegeberufegesetzes, das im Juni vergangenen Jahres vom Bundestag verabschiedet wurde und mit dem die drei bislang getrennten Ausbildungen in der Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Ausbildung zusammengelegt werden. Bereits um dieses Gesetz hatte es lange Debatten zwischen den Koalitionspartnern in der vergangenen Legislaturperiode gegeben.

Diese Debatten setzen sich nun um die Ausbildungsverordnung fort, die Union und SPD im Pflegeberufegesetz unter Parlamentsvorbehalt gestellt hatten. Die Abge­ordneten des Bundestages müssen demnach der Verordnung noch zustimmen, bevor sie in Kraft tritt. Normalerweise werden Verordnungen von den Ministerien erarbeitet, ohne dass das Parlament zustimmen muss.

Die Verordnung regelt konkret die Inhalte der neuen Pflegeausbildung. Zum Beispiel sind im praktischen Teil für das erste und zweite Ausbildungsdrittel 1.720 Stunden festgelegt. Jeweils 400 Stunden sind für stationäre Akutpflege, stationäre Langzeit­pflege und ambulante Akut-/Langzeitpflege angesetzt. 120 Stunden sind für Inhalte der praktischen pädiatrischen Versorgung vorgesehen. © afp/dpa/fos/may/bee/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. März 2019
Potsdam – Für den Aufbau seiner Geschäftsstelle in Potsdam hat das Sozialministerium Brandenburg den Brandenburgischen Verbund der Pflegeschulen mit 16.000 Euro unterstützt. Das Geld stamme aus
Sozialministerium fördert Verbund der Pflegeschulen mit 16.000 Euro
31. Januar 2019
Berlin – Die evangelischen Krankenhäuser in Deutschland wollen Pflegeschüler intensiver dabei unterstützen, ihre begonnene Ausbildung abzuschließen. „Unser Ziel ist es, die Zahl der
Evangelische Krankenhäuser wollen Abbrecherquote in der Pflegeausbildung verringern
29. Januar 2019
Berlin – Der Pflegeberuf ist für Schulabgänger offenbar wenig attraktiv, besonders der Altenpflegeberuf. Das zeigt eine neue Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). 1.532 Schüler
Altenpflegeberuf für Schulabgänger wenig attraktiv
25. Januar 2019
Berlin – Die Bundesregierung will die Aus- und Weiterbildung dringend benötigter Pflegekräfte ankurbeln. Mit Akteuren in diesem Bereich seien mehr als 100 Maßnahmen vereinbart worden, die bis 2023
Bundesregierung will Pflegeausbildung ankurbeln
23. Januar 2019
Düsseldorf – Die maßgeblichen Verbände der Alten-, Gesundheits- und Krankenpflege in Nordrhein-Westfalen (NRW) haben sich zur „Ausbildungsallianz Nordrhein-Westfalen“ zusammengeschlossen. „Die
Ausbildungsallianz in Nordhrein-Westfalen will Pflegeausbildung gestalten
23. Januar 2019
Magdeburg – Im Zuge einer reformierten Pflegeausbildung soll die Zahl der Ausbildungsplätze in Sachsen-Anhalt deutlich zunehmen. Das Angebot solle nach und nach um mehr als ein Viertel auf 4.500
Sachsen-Anhalt will Ausbildungsplätze in der Pflege erhöhen
4. Januar 2019
Bad Ems – Weniger Rheinland-Pfälzer wollen Gesundheits- und Krankenpfleger werden. Zu Beginn des Schuljahres 2018/19 gab es landesweit rund 3.500 Auszubildende und damit 170 oder fünf Prozent weniger
LNS
NEWSLETTER