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Politik

Psychotherapeuten­verbände sprechen sich für koordinierende Weiterbildungs­institute aus

Freitag, 8. Juni 2018

Berlin – Eine qualitativ hochwertige Weiterbildung im Rahmen der geplanten Aus­bildungsreform der Psychologischen Psychotherapeuten (PP) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) forderten gestern bei einer Fachtagung 19 psychotherapeutische Berufs- und Fachverbände. Unterstützung erhielten sie dabei von Gesundheitspolitikern der Bundestagsfraktionen der SPD und der Grünen. „Koor­dinierende Weiterbildungsinstitute als zentraler Baustein einer Ausbildungs­reform“, lautete der Titel der Tagung, die in der International Psychoanalytic University (IPU) in Berlin stattfand.

„Die hohe Qualität der Psychotherapie-Ausbildung kann nur erhalten bleiben, wenn sich an das geplante Psychotherapie-Direktstudium eine patientennahe Weiterbildung in der ambulanten Versorgung an den anerkannten Instituten anschließt“, erklärte Georg Schäfer, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT). Er verwies auf das Forschungsgutachten zur Ausbildung von PP und KJP, das das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) vor rund zehn Jahren bei Wissenschaftlern in Auftrag gegeben hatte (Strauß et al., 2009). Darin wird der Ausbildung an den rund 220 staatlich anerkannten Instituten eine hohe Qualität bescheinigt.

Nach dem im Juli 2017 vorgelegten Arbeitsentwurf des BMG sollen Abiturienten künftig direkt Psychotherapie in einem eigenständigen Hochschulstudiengang studieren und anschließend die Approbation erwerben können. Bisher führte der Weg zur Approbation als PP oder KJP über eine Ausbildung an staatlich anerkannten Instituten – und zwar nach einem Studium der Psychologie oder (Sonder-)Pädagogik. Auch ärztliche Psychotherapeuten absolvieren Teile ihrer Weiterbildung an diesen Instituten.

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Die 19 Berufs- und Fachverbände

Arbeitsgemeinschaft Humanistischer Psychotherapie, Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation, Arbeitsgemeinschaft Ausbildungsinstitute und VPP für wissenschaftlich begründete Psychotherapieausbildung, Deutsche Fachgesellschaft für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie, Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie, Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, Deutsche Psychologische Gesellschaft für Gesprächspsychotherapie, Deutsche PsychotherapeutenVereinigung, Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Berufsverband der Vertragspsychotherapeuten, Gesellschaft für Personenzentrierte Psychotherapie und Beratung, Systemische Gesellschaft – Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung, Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Deutschland

Diese Institute sollen nach Vorstellung der 19 Verbände in Weiterbildungs­institute überführt werden, weil sie die curriculare Strukturierung und Koordinierung von theoretischem Unterricht, ambulanter Praxis, Selbsterfahrung und Supervision sicherstellen.

„Die Institute sind Lernorte mit erfahrenen Psychotherapeuten und Lehrenden aus verschiedenen Praxisfeldern, auch aus den Hochschulen“, sagte Schäfer. Neben der praxisorientierten Wissensvermittlung ermöglichten sie Austausch und Kontakt, auch mit beruflichen Rollenvorbilden, was die Motivation und die „innere Verbundenheit“ der Teilnehmer mit ihrem Institut stärke.

Die angegliederten Instituts­ambulanzen, an denen die Aus- und Weiterbildungsteilnehmer Psychotherapien anbieten, stellte Schäfer als „geeigneten Lernorte für die ambulante Behandlungspraxis“ heraus. Günstig sei der niedrigschwellige Kontakt zum hauptamtlichen Ambulanzleiter sowie die vielen Team- und Fallbesprechungen.

Auch Günter Ruggaber, Geschäftsführer der Ausbildungsakademie der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT), sprach sich dafür aus, die Institute nach der Reform in Weiterbildungsinstitute zu überführen und die rechtlichen Grundlagen dafür zu schaffen. „Ansonsten besteht die Gefahr, dass die ambulante Weiterbildung in unverbundene Module zerfällt und die curriculare Strukturierung verloren geht.“

Weiterbildung wenig strukturiert

„Viele ärztliche Psychotherapeuten beneiden die psychologischen Kollegen um ihre strukturierte Ausbildung an den Instituten“, betonte Angelika Haun, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten (BVVP) und Fachärztin (FA) für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie FA für Psychiatrie und Psychotherapie. Die ärztliche Weiterbildung für diese beiden Finde finde grundsätzlich an Kliniken statt im Rahmen einer tariflichen Anstellung. Sie sei an die Person des Weiterbildungsbefugten gebunden und könne ambulant oder stationär erfolgen. „Die Qualität der Weiterbildung an den Kliniken ist sehr unterschiedlich, oftmals wird keine Theorie angeboten“, berichtete Haun.

Die ärztlichen Weiterbildungskandidaten besuchten deshalb Seminare bei den psychotherapeutischen Fortbildungswochen beispielsweise in Lindau, auf Langeoog oder in Lübeck. Diese Seminare seien aber naturgemäß nicht curricular aufgebaut, kontinuierliche Lerngruppen könnten nicht entstehen. „Die ärztlichen Kandidaten sind sehr allein und fühlen sich auch so“, sagte Haun. An einem Institut hingegen finde der Einzelne neben begleitenden Lehrtherapeuten und Supervisoren auch eine Gemeinschaft. Die ärztlichen Zusatz-Weiterbildungen Psychoanalyse oder fachgebundene Psychotherapie sind nach Ansicht der bvvp-Vertreterin ohne Institut ohnehin „nicht zu schaffen“.

Mehrheit für Institutsausbildung

Die Mehrheit der Teilnehmer an den Aus- und Weiterbildungsinstituten präferiert einer Studie zufolge den curricularen Aufbau gegenüber einem modularen. Das berichtete Susanne Singer, Professorin am Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik, Universitätsklinikum Mainz. Sie hat zusammen mit Kolleginnen (Singer, Pries, Sischka, 2017) Teilnehmer aller DGPT-Institute nach ihrer Zufriedenheit befragt. 62 Prozent bevorzugten dabei die Institutsausbildung. „Die Befürworter gaben als Gründe an, dass die persönliche Entwicklung Beziehung brauche und es wichtig sei, die Dozenten und Lehranalytiker zu kennen“, betonte Singer.

Gesetzentwurf für Herbst angekündigt

Bei einer Podiumsdiskussion forderte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, dass auch die Weiterbildung in einem Gesetzentwurf zur Psy­cho­thera­peuten­aus­bildungsreform geregelt werden müsse. Der Arbeitsentwurf des BMG klammert die Weiterbildung nach dem Approbationsstudium noch aus. „Es schafft Verunsicherung, wenn eine Säule fehlt“, sagte die Grünen-Politikerin.

Dirk Heidenblut (SPD), Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags, zeigte sich überzeugt, dass der Gesetzentwurf im Herbst vorliegen wird. „Das hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn uns gegenüber erwähnt.“ Dann könnte das parlamentarische Verfahren beginnen.

Der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt hatte im Mai die vorgesehene Novellierung des Psychotherapeutengesetzes zur Reform der Ausbildung der Psycholo­gischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten abgelehnt. Der vorliegende Arbeitsentwurf des BMG bedrohe das ärztliche Berufsbild und die ganzheitliche Versorgung der Patienten. Mit der Reform könnten getrennte Versorgungsbereiche entstehen und die psycho­therapeutische Versorgung aus der ärztlichen Versorgung ausgegliedert werden. Das BMG solle seinen Arbeitsentwurf zurücknehmen oder neu konzipieren, forderten die Delegierten des Ärztetages. © PB/aerzteblatt.de

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Avatar #24875
loetz
am Dienstag, 6. November 2018, 09:14

tatsächlich handelt es sich um 14 Verbände

Die 19* Berufs- und Fachverbände -sind durch Lesefehler der Kommatrennung der langen Namen
entstanden -> tatsächlich handelt es sich um 14.

1. Arbeitsgemeinschaft Humanistischer Psychotherapie
2. Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation
3. Arbeitsgemeinschaft Ausbildungsinstitute und VPP für wissenschaftlich begründete
Psychotherapieausbildung
4. Deutsche Fachgesellschaft für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
5. Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie
6. Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie
7. Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie
8. Deutsche Psychologische Gesellschaft für Gesprächspsychotherapie
9. Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung
10. Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsycho-therapeuten
11. Berufsverband der Vertragspsychotherapeuten
12. Gesellschaft für Personenzentrierte Psychotherapie und Beratung
13. Systemische Gesellschaft – Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung
14. Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Deutschland
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