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Medizin

Bluttests können Geburtstermin und (vielleicht auch) Frühgeburt voraussagen

Freitag, 8. Juni 2018

/Shawn Hempel, stockadobecom

Palo Alto/Kalifornien – Der Nachweis der zellfreien RNA von 9 Genen hat in einer Studie in Science (2018; 360: 1133–1136) das Alter einer Schwangerschaft ebenso präzise bestimmt wie eine Ultraschalluntersuchung. Ein weiterer Test auf 7 Gene soll eine Frühgeburt bis zu 2 Monate vorher erkennen.

Die Bestimmung des Gestationsalters erfolgt derzeit durch die Angaben der letzten Monatsblutung oder mittels einer Ultraschalluntersuchung. Die erste Methode verlässt sich auf die Erinnerung der Schwangeren, die nicht immer zuverlässig sind. Die zweite basiert auf der Interpretation von Ultraschallbildern, die schwer zu standardisieren sind.

Ein einfacher (und kostengünstiger) Bluttest, der das Gestationsalter präzise bestimmt, wäre deshalb eine willkommene Ergänzung für die Schwangerschaftsvorsorge. Die Bestimmung der Schwangerschaftshormone HCG oder Alpha-Fetoprotein hat sich als unzuverlässig erwiesen. Ein Team um Stephen Quake, der 2008 einen heute häufig verwendeten Nachweis der Trisomie 21 anhand von freier DNA im Blut der Schwan­geren entwickelt hat, schlägt jetzt einen ähnlichen Test für die Bestimmung des Gestationsalters vor. Er misst allerdings nicht die freie DNA, die nur Auskunft über das Genom gibt, das sich im Verlauf der Schwangerschaft nicht verändert. Der Nachweis von zellfreier RNA könnte dagegen Auskunft über die Stoffwechselaktivität geben. Diese Stoffwechselaktivität nimmt vor allem in der Plazenta im Verlauf der Schwangerschaft zu.

Es ist deshalb kein Zufall, dass alle 9 Gene, die Quake für den Bluttest auswählte, in der Plazenta aktiv sind. Die Trainingsphase und anschließende Validierung, für die 31 Frauen aus Dänemark mit unkompliziertem Verlauf der Schwangerschaft wöchentlich Blutproben zur Verfügung stellten, ergab, dass der Test das Alter der Schwangerschaft bis auf 14 Tage genau erkennen kann. Die Genauigkeit erreichte einen Wert von 45 %, der sich mit einer Ultraschalluntersuchung messen kann, die eine Genauigkeit von 48 % erzielt.

Die beiden wichtigsten RNA-Gene des Tests waren CGA und CGB. Sie zeigen die Aktivierung von Choriongonadotropin-alpha und -beta3 an, die zu den Schwanger­schaftshormonen gehören. Unter den anderen Genen befand sich PAPPA (schwanger­schaftsassoziiertes Plasmaprotein A), das in früheren Studien mit einer Frühgeburt assoziiert war, ohne allerdings eine verlässliche Vorhersage zu ermöglichen.

Dies mag Quake auf die Idee gebracht haben, einen weiteren Test für die Vorhersage einer Frühgeburt zu entwickeln. Sein Team fand tatsächlich 7 Gene (PAPPA war nicht darunter), die bei einer drohenden Frühgeburt verändert expliziert werden. In einer ersten Prüfung sagte der Test 6 von 8 Frühgeburten voraus bei einem falsch-positiven Ergebnis auf 26 Schwangerschaften mit normaler Gestationszeit.

In einer zweiten Kohorte wurden 4 von 5 Frühgeburten richtig vorhergesagt mit 3 falsch-positiven Ergebnissen bei 18 Schwangerschaften von normaler Dauer. Die AUC-Werte von 0,86 und 0,81 deuten auf einen klinischen Nutzen hin, der allerdings erst noch in einer größeren klinischen Studie bestätigt werden muss. Dies gilt auch für den Test zur Bestimmung des Gestationsalters. Bis zur Zulassung und Einführung dürften noch einige Jahre vergehen. © rme/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 10. Juni 2018, 19:15

Ungenaue Ungenauigkeiten in "SCIENCE"?

Angeblich soll der laborchemisch gar nicht so einfache Nachweis der zellfreien RNA von 9 Genen in einer Studie das Alter einer Schwangerschaft ebenso präzise bestimmen können wie eine Ultraschalluntersuchung.

Das behaupten zumindest Thuy T. M. Ngo...Stephen R. Quake et al. in
"Noninvasive blood tests for fetal development predict gestational age and preterm delivery" http://science.sciencemag.org/content/360/6393/1133

Dafür haben sie aber nur ganze 31 Schwangere ohne pathologische Schwangerschaftsverläufe untersucht, um den folgenden Unfug via SCIENCE zu verbreiten:
Eine "Trainingsphase und anschließende Validierung, für die 31 Frauen aus Dänemark mit unkompliziertem Verlauf der Schwangerschaft wöchentlich Blutproben zur Verfügung stellten, ergab, dass der Test das Alter der Schwangerschaft bis auf 14 Tage genau erkennen kann. Die Genauigkeit erreichte einen Wert von 45 %, der sich mit einer Ultraschalluntersuchung messen kann, die eine Genauigkeit von 48 % erzielt."

Daraus ergibt sich zwingend eine Ungenauigkeit für die angepriesene Labormethode von 55 Prozent, wogegen die Ungenauigkeiten bei sonografischen Ultraschalluntersuchungen "nur" 52 Prozent betragen.

Wie SCIENCE derartig abwegige, nicht repräsentative, insignifikante und irrelevante Ergebnisse publizieren konnte, ohne auf hochkritische Ungenauigkeiten hinzuweisen, bleibt nicht nur mir ein Rätsel.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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