NewsPolitikiDoc: Unterstützung, aber kein Ersatz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

iDoc: Unterstützung, aber kein Ersatz

Freitag, 8. Juni 2018

/Monet, stockadobecom

Berlin – Löst der Computer den Arzt ab? Mit dieser Frage beschäftigten sich Gesundheitsexperten im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress. Einigkeit bestand darüber: Big Data kann den denkenden Arzt nicht ersetzen, ihn aber in seiner täglichen Arbeit unterstützen.

Peter Noack, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, betonte, dass die Technik bereits Einzug in den Arztalltag gehalten hat und bestimmte Aufgaben durchaus übernehmen kann – beispielsweise Kameras, die den diabetischen Status einer Person über Fotoaufnahmen des Auges erkennen. Er verwies aber auch darauf, dass Empathie als wichtige und wesentliche Grundlage des Arzt-Patienten-Verhältnisses noch von keinem Computersystem ersetzt werden kann. Der Computer werde den Arzt daher auch künftig bei der Diagnosestellung und der Therapiekontrolle unterstützen, ihn aber nicht ersetzen.

Anzeige

Rechner sollen Routineaufgaben übernehmen

Eng in Zusammenhang mit der Frage, ob der Arzt durch Technologie ersetzt wird, steht nach Meinung von Jens Härtel, Geschäftsführer der VILUA – Arvato Healthcare, die Frage, ob der Arzt von der digitalen Transformation überrollt wird. Dabei sieht er eher eine Chance darin, Routineaufgaben zu automatisieren und beispielsweise aus 24/7-Beobachtungen neue Erkenntnisse zu ziehen. Dies gäbe Ärzten wieder mehr Zeit, um mit den Patienten in die Interaktion zu gehen.

Auch Jesko Bartelt, Direktor für Deutschland, Österreich und die Schweiz von Health Bridge Limited, sieht nicht, dass der Arzt durch den Computer ersetzt werde. Health Bridge Limited hat „Dr. Ed“ ins Leben gerufen, eine Online-Arztpraxis mit Sitz in Großbritannien. Auch wenn dieses Angebot den Eindruck vermitteln könnte, dass es den Arzt zu ersetzen versucht – Bartelt betonte, dass hinter Dr. Ed ebenso Ärzte stehen und die Patienten behandeln.

„Wir benötigen den Arzt weiterhin, um gesunden Menschenverstand darauf anzu­wenden, welches medizinische Problem vorliegt, und um den empathischen Kontakt mit dem Patienten aufrechtzuerhalten“, so Bartelt. Gleichzeitig prognostiziert er, dass sich sowohl die Aufgaben des Arztes als auch die eingesetzten Medien ändern werden.

Technologie werde künftig standardmäßig eingesetzt, um bessere Behandlungs­entscheidungen zu treffen. Beispielhaft nannte er die Hautkrebserkennung: Studien zeigen bereits heute, dass Algorithmen eine präzisere Vorhersagekraft als Hautärzte haben. Auch sei die Bereitschaft der Patienten, telemedizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen, von 2016 bis 2018 von 37 Prozent auf etwa die Hälfte der Befragten gestiegen. Sein Fazit: „Die Aufgaben des Arztes werden später einsetzen in der Kette der Gesundheitsfürsorge.“

Veränderungen schafft die Digitalisierung auch aus Sicht von Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. So könne der Arzt durchaus ein Stück weit ersetzt werden – nämlich da, wo es um Routinetätigkeiten oder auch eine Ersteinschätzung durch geschultes medizinisches Personal wie Krankenschwestern oder Physician Assistants geht.

Ärzte entlasten

Wichtig sei zudem, dass Ärzte entlastet würden, beispielsweise bei den bildgebenden Verfahren – das teilweise ermüdende Sichten von Daten könnten Computer über­nehmen. Die dritte Veränderung sieht Kriedel in der Arzt-Patienten-Beziehung. Es würden mehr vorinformierte Patienten in die Praxen kommen und Ärzte müssten sich auf Veränderungen wie „shared decision making“ einstellen. Auch sei es wichtig, dass sie sich technisch weiterbildeten, um Patienten darüber aufklären zu können, was verschiedene Anwendungen und Programme leisten können.

Einig waren sich die Teilnehmer auch, dass mehr Klarheit geschaffen werden muss, wo verlässliche Gesundheitsinformationen zu finden sind. Das Überangebot im Netz erlaube Patienten keine Einschätzung darüber, woran sie sich orientieren könnten. Gute Angebote beispielsweise von der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) würden bei den Suchmaschinen absaufen, so der Ärztliche Leiter der UPD Johannes Schenkel. Als positives Beispiel für qualitative medizinische Informationen nannte er die Stiftung Health On The Net. Solche zuverlässigen Quellen müssten genutzt werden, um die Gesundheitskompetenz der Menschen zu fördern. © KK/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 8. Juni 2018, 22:04

Hybris

Bereits heute übernehmen trainierte, selbstlernende Algorithmen die Triage am Notdiensttelefon in vergleichbarer Qualität wie Ärzte oder spezialisierte Pflegekräfte, nur noch wenig eingeschränkt durch Ausspracheprobleme von Anrufern mit Dialekt oder unzureichende Sprachkenntnisse. Mein Sohn ist Machine Learning Director eines medizinischen IT-Unternehmens und gibt Hausärzten, Radiologen, Kardiologen und vielen anderen Organspezialisten noch 10 Jahre bis zur weitgehenden Ablösung durch "AI"
AI vergisst nichts und übersieht nichts Der Arzt wird nur mehr qualifizierter Nutzer von AI sein. Wenn die ersten "Quotenlandärzte" in 12 Jahren fertig sind, werden sie schon gar nicht mehr gebraucht werden
LNS

Nachrichten zum Thema

18. Dezember 2018
Berlin – Im kommenden Jahr will der Gesetzgeber – unter Berücksichtigung des Datenschutzes und der Datensicherheit – die Möglichkeiten einer freiwilligen Datenspende schaffen. Manchen geht das
Hecken plädiert für verpflichtende Datenspende
18. Dezember 2018
Berlin – Zum Jahresende sind bundesweit rund 43.500 Arztpraxen an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) angeschlossen. Das zeigen Angaben der Konnektor-Hersteller CompuGroup Medical (CGM), T-Systems
Knapp die Hälfte der Arztpraxen an Tele­ma­tik­infra­struk­tur angebunden
17. Dezember 2018
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die geplante schnelle Einführung eines elektronischen Rezeptes im Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) begrüßt. Auch
Verbände kritisieren neues Arzneimittelgesetz
14. Dezember 2018
Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat die in dem Entwurf zum Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) enthaltenen Regelungen für das digitale Rezept begrüßt.
Digitales Rezept: Montgomery begrüßt geplanten Gesetzentwurf
12. Dezember 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ist unzufrieden mit der Arbeit der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte. Das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben,
Spahn kündigt Umbau der gematik an
12. Dezember 2018
Berlin – Der VSDM-Konnektor der secunet Security Networks AG hat die Zulassung der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte erhalten. Damit sei jetzt der vierte Konnektor
Vierter Konnektor für Tele­ma­tik­infra­struk­tur zugelassen
11. Dezember 2018
Berlin – Für einen neuen Weg bei der Verwendung von Gesundheitsdaten plädiert der CDU-Gesundheits- und Digitalexperte Tino Sorge. In einem Positionspapier, das dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt, wirbt
LNS
NEWSLETTER