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Medizin

Zecken in 14 von 16 Bundesländern auf Sportstätten gefunden

Mittwoch, 13. Juni 2018

/dpa

Berlin – In fast allen Bundesländern in Deutschland findet man auf Fußballplätzen Zecken. Sie können Krankheitserreger wie das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME-Virus) übertragen. Das ergab eine Feldstudie, die im Auftrag von Pfizer durchgeführt wurde.

Bundesweit wurden im April/Mai 2018 32 Sportanlagen einmalig mit der Flagg­methode untersucht. Dabei ziehen die Forscher ein Flanelltuch, an dem sich die Zecken festkrallen können, über die bodennahe Vegetation oder die Laubstreu. Auf 29 der 32 untersuchten Sportanlagen und bis zu 40 Meter vom Spielfeldrand entfernt fanden die Forscher Zecken, zum Teil in sehr hoher Dichte. Auf einer Fläche von 120 m2 flaggten sie 2 Züge auf dem Fußballfeld und weitere 10 Flaggenzüge im unmittelbaren Umfeld.

Das Bundesland mit den meisten Zecken war Nordrhein-Westfalen (193 Zecken), gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (99 Zecken) und Schleswig-Holstein (88 Zecken). In den Stadtstaaten Bremen und Berlin fanden sie keine Zecken. In drei Bundesländern ist die Zeckendichte pro 100 m2 mit mehr als 50 Zecken sehr hoch, in 9 hoch (25–50 Zecken) und in 7 Bundesländern mäßig hoch (11–24 Zecken). 6 Bundesländer weisen eine geringe Zeckendichte (4–10 Zecken) und vier eine sehr geringe Zeckendichte (1–3 Zecken) auf.

Impfempfehlung für FSME gelten auch bei Reisen zur WM nach Russland

In den meisten Fällen dürfte es sich bei den gefundenen Zecken um die Gattung Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) handeln, die in Deutschland am häufigsten vorkommende Zeckenart. Sie ist in Deutschland für fast alle Zeckenstiche beim Menschen und gleichzeitig für die Infektion mit FSME-Viren verantwortlich. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) allen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder arbeiten, sowie Personen, die sich aus anderen Gründen in Risikogebieten aufhalten und dabei zeckenexponiert sind, einen Impfschutz gegen FSME. Diese Empfehlung gilt auch als Reiseimpfung bei Reisen in Länder mit erhöhtem FSME-Risiko.

In den Stadien selbst und dem Weg vom Hotel dorthin ist das Infektions­risiko sicherlich sehr gering. Hedwig Roggendorf, Klinikum rechts der Isar in München

In Russland, dem Austragungsort der Weltmeisterschaft 2018, besteht das FSME-Risiko im ganzen Land. Wolfgang Jilg von der Universität Regensburg erklärt, dass mit Ausnahme von Sotchi alle Spielorte im TBE-Belt liegen (englisch für FSME, tick-borne encephalitis). Gebiete mit besonders hohem Risiko befinden sich im europäischen Teil Russlands zwischen Moskau und Sankt Petersburg. „In den Stadien selbst und dem Weg vom Hotel dorthin ist das Infektionsrisiko sicherlich sehr gering“, sagt Hedwig Roggendorf von der Reise-Impfsprechstunde am Klinikum rechts der Isar in München.

Da die WM bereits morgen beginnt, sei es selbst für das FSME-Schnellimpfschema schon zu spät, ergänzt die Expertin der Gesellschaft für Virologie. „Für spätere Spiele und anschließende Wandertouren wäre eine Impfung aber auch jetzt noch sinnvoll.“

Russland gehört zu den Ländern mit den höchsten FSME-Fallzahlen in ganz Europa, dort dominiert der sibirische oder der fernöstliche Subtyp, für die eine höhere Letalität von 6–8 % beziehungsweise 20–40 % angegeben wird (Russian spring summer encephalitis, RSSE). Verfügbare Impfstoffe schützen sowohl vor FSME als auch vor RSSE. Eine Behandlung mit Antibiotika ist nicht möglich.

Masernimpfung weit wichtiger als FSME-Imfpung

Noch wichtiger als auf eine FSME-Impfung, wäre nach Roggendorfs Einschätzung der Hinweis, dass jeder der zur WM nach Russland fährt gegen Masern geimpft sein sollte. 2018 wurden bereits 800 Masernfälle aus Russland an das ECDC gemeldet. Eine Impfung ist zu jedem Zeitpunkt vor Abreise noch möglich. © gie/EB/aerzteblatt.de

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Freudi
am Mittwoch, 13. Juni 2018, 19:28

"G'schmäckle"?!

Eine Untersuchung vom Impfstoff-Hersteller? Ein Schelm, der Böses dabei denkt!
Eine Industrie-unabhängige Untersuchung, z.B. durch das RKI, wäre mir lieber.
Bisher war mir außerdem eher geläufig, dass das deutlich höhere FSME-Risiko in den südlichen Bundesländern bestehe...

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