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Medizin

Prostatakrebs: Gentest zeigt sechsfach erhöhtes Risiko an

Dienstag, 12. Juni 2018

/Sergey, stockadobecom

London – Eine genomweite Assoziationsstudie (GWAS) hat 63 weitere Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) gefunden, die das Risiko auf ein familiäres Prostatakarzinom erhöhen. Ein Test auf insgesamt 147 Risikogene könnte laut der Publikation in Nature Genetics (2018; doi: 10.1038/s41588-018-0142-8) für ein Screening genutzt werden.

In westlichen Ländern erkrankt 1 von 11 Männern an einem Prostatakarzinom. Eine familiäre Häufung gehört zu den wenigen bekannten Risikofaktoren. Das Risiko ist allerdings zu gering, um ein intensiviertes Screening der männlichen Verwandten zu rechtfertigen. GWAS bieten die Möglichkeit, die Gruppe, die ein erhöhtes Risiko hat, weiter einzuschränken. 

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Frühere GWAS hatten bereits mehr als 100 SNP ermittelt, die das Erkrankungsrisiko jedoch jeweils nur um wenige Prozentpunkte erhöhen. Ein internationales Team um Team um Rosalind Eeles vom Institute of Cancer Research in London hat jetzt in einem Genvergleich von etwa 80.000 Männern mit Prostatakrebs und 60.000 Männern ohne Prostatakrebs weitere 63 SNP gefunden, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden sind. Die Forscher wählten insgesamt 147 Gene für einen Test aus. Mit ihm lassen sich laut Eeles 28,4 % aller familiär gehäuften Erkrankungen erklären. 

Damit rückt ein für den klinischen Einsatz verwendbarer Gentest in greifbare Nähe. Das Perzentil mit den höchsten Scorewerten hatte ein um den Faktor 5,71 (95-%-Konfidenzintervall 5,04 bis 6,48) erhöhtes Risiko. In dieser Gruppe erkrankte jeder zweite Mann an einem Prostatakarzinom.

Im obersten Zehntel war das Risiko um den Faktor 2,69 (2,55–2,82) erhöht. Hier betrug das Erkrankungsrisiko 1 zu 4. Die Forscher planen jetzt eine Screeningstudie, in der Männer beim Hausarzt um eine Speichelprobe gebeten werden sollen. Bei einem hohen Risikoscore soll sich eine Beratung und eventuell intensivierte Vorsorge anschließen.

Die Studie liefert auch Anregungen für die klinische Forschung. Einige Risikogene greifen in den PD1-Signalweg ein, der Angriffspunkt für die Krebsimmuntherapie ist. Es könnte deshalb möglich werden, mit dem Gentest Patienten für diese neue Form der Krebstherapie auszuwählen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 13. Juni 2018, 11:10

Gentest relevant?

Ich zitiere: "Das Alter ist der größte Risikofaktor für die Entwicklung von Prostatakrebs. Während dieser Tumor vor dem 45. Lebensjahr praktisch nicht vorkommt, steigt die Neuerkrankungsrate danach stetig und ab dem 60. Lebensjahr steil an bis zu einem Gipfel bei den 70-79-Jährigen, um danach wieder abzufallen (s. im Abschnitt „Häufigkeit“ unter Altersverteilung). In den letzten Jahren waren ein Anstieg in den jüngeren und ein Rückgang in den höheren Altersgruppen zu verzeichnen, wohl weil sich die Männer immer früher untersuchen lassen. Neben dem Alter werden folgende, nur zum Teil beeinflussbare Risikofaktoren diskutiert:
Genetische Faktoren
Prostatakrebs tritt in verschiedenen Bevölkerungen in unterschiedlicher Häufigkeit auf (gering in Asien, höher bei farbigen als bei weißen US-Amerikanern, höher in Nordeuropa als in Südeuropa, s. auch Häufigkeit des Prostatakarzinoms). Dies lässt einen Einfluss von Erbfaktoren vermuten, schließt aber andere Ursachen nicht aus (z.B. Umwelteinflüsse und Ernährung).
Ähnliches gilt für 10-20% der Prostatakarzinome, die gehäuft innerhalb von Familien vorkommen. So spricht man von einem familiären Prostatakarzinom, wenn mindestens zwei erstgradig Verwandte (Vater, Bruder, Sohn) oder ein erstgradig und zwei oder mehr zweitgradig Verwandte betroffen sind. In etwa der Hälfte der Fälle liegt sogar ein hereditäres (erbliches) Prostatakarzinom vor, dann wenn mindestens drei erstgradig Verwandte oder drei Generationen in Folge oder zwei Brüder in jüngerem Alter betroffen sind." Aus:
https://www.prostata.de/wissen/prostatakarzinom/ursachen-des-prostatakarzinoms

Der hier beschriebene Gentest ist somit für 80 bis 90 Prozent aller Fälle von Prostatakrebs ebenso wenig relevant wie hilfreich.

Mf+kG Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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