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Medizin

Honig oder Sucralfat könnten Schleimhautschäden durch verschluckte Knopfbatterien mildern

Dienstag, 12. Juni 2018

/Syda Productions, stockadobecom

Columbus/Ohio – Knopfbatterien, die von Kleinkindern verschluckt wurden, müssen möglichst rasch endoskopisch entfernt werden. In der Zwischenzeit raten US-Mediziner in Laryngoscope (2018; doi: 10.1002/lary.27312) zur Gabe von Honig oder Sucralfat, das in experimentellen Studien die Schäden auf der Schleimhaut begrenzt hat.

In den USA müssen jedes Jahr mehr als 2.500 Kinder endoskopiert werden, um Knopfbatterien aus dem Ösophagus zu bergen. Die kleinen Batterien, die immer häufiger in elektronischen Geräten verwendet werden, erregen die Neugierde von Kleinkindern, weil sie glänzen, die Form von Bonbons haben und im Mund ein angenehmes Kribbeln erzeugen. Wenn die Batterien dann verschluckt werden, ist höchste Eile geboten.

Vor allem die 3-Volt-Lithium-Batterien bleiben aufgrund ihres Durchmessers von 20 mm häufig in der Speiseröhre stecken. Dort kommt es unter der Einwirkung von Speichel zur Bildung einer alkalischen Lösung, die das Gewebe in kurzer Zeit verätzt. Zunächst kommt es zu Erosionen der Schleimhaut, die nach kurzer Zeit ohne Folgeschäden wieder abheilen. Die Lauge dringt jedoch rasch in die Muskelschicht ein, wo es später zu Narben und Strikturen kommt, die die Nahrungspassage behindern. Es kann auch zu einer folgenschweren Perforation der Speiseröhre kommen, zu einer Stimmbandlähmung und im schlimmsten Fall zur Erosion der Atemwege und der großen Blutgefäße.

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Größte Eile ist geboten, doch in der Zwischenzeit sollte versucht werden, die Schleimhautschäden zu vermindern. Die pädiatrische Otolaryngologin Kris Jatana vom Nationwide Children’s Hospital in Columbus/Ohio hat mit anderen Forschern systematisch untersucht, welche im Haushalt vorhandenen Mittel dazu geeignet wären.

Ihre ersten Experimente führten die Forscher an der Ösophagusschleimhaut von Schweinekadavern durch. Sie suchten dabei nach Mitteln, die den Anstieg des pH-Werts nach Auflegen einer Knopfbatterie verhindern können. Die besten Ergebnisse wurden mit Honig und Sucralfat erzielt. Honig dürfte in den meisten Haushalten vorhanden sein. Sucralfat ist ein in der Gastroenterologie häufig verwendetes Schleimhautprotektivum, das viele Ärzte in ihrer Praxis vorrätig haben.

Beide, Honig und Sucralfat, waren in der Lage, eine Erosion der Schleimhaut zu verhindern, während Apfel- und andere Fruchtsäfte sich als wirkungslos erwiesen. Auch Zitronensaft konnte trotz seines niedrigen pH-Werts Schleimhautschäden nicht verhindern. 

Die anschließenden Experimente an lebenden Ferkeln bestätigten die Vorteile von Honig und Sucralfat. Während die Gabe von Kochsalzlösungen nicht verhindern konnte, dass es in der Umgebung der Knopfbatterien bei der Hälfte der Tiere zu einer Perforation der Speiseröhre kam, blieben die mit Honig oder Sucralfat behandelten Tiere vor schweren Komplikation bewahrt. Bei der späteren Obduktion hatte bereits eine Heilung der Schleimhautläsionen eingesetzt.

Die Forscher raten Eltern und Betreuern, den Kindern auf dem Weg ins Krankenhaus in regelmäßigen Abständen Honig zu geben. Ärzte könnten auch Sucralfat verwenden. Die Mittel dürfen jedoch nicht mehr angewendet werden, wenn der klinische Verdacht auf eine Sepsis besteht oder wenn es bereits zu einer Perforation der Speiseröhre gekommen ist. Schwere Allergien auf Honig oder Sucralfat gehören ebenfalls zu den Kontraindikationen. Kinder unter einem Jahr sollten aufgrund des Botulismusrisikos keinen Honig erhalten. © rme/aerzteblatt.de

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