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Medizin

Silibinin - pflanzlicher Wirkstoff könnte gegen Hirntumore helfen

Donnerstag, 14. Juni 2018

Silibinin ist ein Bestandteil des Silymarinkomplexes, einem Gemisch von Flavanonollignanen. Es wird aus den Früchten der Mariendistel (Silybum marianum) gewonnen. /H. Brauer stock.adobe.com

Madrid – Silibinin reduziert bei Patienten mit Hirnmetastasen Läsionen ohne Neben­wirkungen in Kombination mit einer Standardbehandlung. Das zeigt eine kleine Studie mit 18 Patienten, die Forscher des Spanischen Nationalen Krebsforschungszentrums (CNIO) in Nature Medicine publiziert haben (2018; doi: 10.1038/s41591-018-0044-4).

Die Verbindung könnte eine Alternative zur Behandlung von Hirnmetastasen sein, schlussfolgern die Autoren um Neibla Priego und Manuel Valiente vom CNIO. Nach den guten Ergebnissen, die durch die Blockierung des Transkriptionsfaktors STAT3 mit Silibinin bei Mäusen erzielt wurden, stellten die Autoren eine Kohorte von 18 Patienten mit Lungenkrebs und Hirnmetastasen zusammen. Sie erhielten die ersten 3 Tage zunächst 2 Silibininkapseln pro Tag, später bis zu 5 Kapseln (1,050 mg Eurosil85). Zudem erhielten die meisten Patienten ein Zytostatikum, beispielsweise Carboplatin/Pemetrexed.

75 % der Patienten reagierten auf der Ebene der Hirnmetastasen positiv. Drei Patienten (20 %) zeigten eine vollständige Remission und 10 (55 %) eine partielle Remission. Die durchschnittliche Überlebensrate betrug 15,5 Monate, während sie in der Kontroll­gruppe (bestehend aus Patienten, die in dieser Einrichtung während der Jahre 2015 bis 2016 für diese Krankheit behandelt wurden) 4 Monate betrug.

Mikroumgebung des Tumors als therapeutischer Angriffspunkt

Valiente und seine Gruppe untersuchen seit Jahren die Rolle des zellulären Kontexts (Microenvironment), in dem sich ein Tumor entwickelt. Dabei konzentrieren sie sich insbesondere auf 2 Elemente: Zum einen Astrozyten, sternförmige Gliazellen, die auf Schäden reagieren, indem sie in einen reaktiven Zustand eintreten und mit Metastasen assoziiert sind. Zum anderen das STAT3-Gen, das nachweislich an Metastasen im Gehirn beteiligt ist.

Diese Behandlung könnte für jede Art von Hirnmetastasen gelten, unabhängig vom Primärtumor. Manuel Valiente, CNIO Madrid

Wie in dieser Studie gezeigt wurde, ist STAT3 in reaktiven Astrozyten entscheidend für den Aufbau einer prometastatischen Umgebung. Mit der METPlatform, einer Arzneimittel-Screening-Strategie, untersuchten die Forscher neue Therapieoptionen. Eine der getesteten Verbindungen war Silibinin, dessen Anti-Tumor-Potenzial bereits zuvor von Joaquim Bosch, Leiter der Lungenkrebs-Einheit am Katalanischen Krebsinstitut (ICO) in Girona, und Co-Autor dieser Studie, festgestellt worden war.

„Diese Behandlung könnte für jede Art von Hirnmetastasen gelten, unabhängig vom Primärtumor“, fügte Valiente hinzu. Etwa 10 bis 40 % der Primärtumoren bilden Metastasen im Gehirn. Die Prognose verschlechtert sich dadurch erheblich. Hirnmetastsen werden operativ entfernt und/oder mit einer Strahlentherapie behandelt. Der Anteil der Patienten, die von alternativen Therapien wie etwa Immuntherapien profitieren, beträgt im günstigsten Fall um die 20 %.

„Schon 2016 haben wir bei 2 Patienten, die keine anderen Behandlungsmöglichkeiten hatten und Silibinin erhielten, eine positive Gehirnreaktionen beobachtet“, sagt Bosch. Die vorliegende Studie beschreibe jetzt die erste zielgerichtete Therapie für Hirnmetastasen, die die Mikroumgebung des Tumors angreift. Trotz der positiven Ergebnisse müssen weitere Studien mit diesem Präparat durchgeführt werden, bevor es in die klinische Praxis übernommen werden kann. Bisher scheiterten klinische Studien jedoch an der Finanzierung. © gie/aerzteblatt.de

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