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Gutachten: Dieselben Leistungen werden im Krankenhaus deutlich höher vergütet als im ambulanten Bereich

Dienstag, 12. Juni 2018

/Valerie Potapova, stockadobecom

Berlin – Dieselben Leistungen werden im Krankenhaus deutlich höher vergütet als in der vertragsärztlichen Versorgung. So erhalten Krankenhäuser für die Behandlung gastroenterologischer Erkrankungen (DRG G67C) am ersten Tag 623 Euro und am zweiten Tag 1.543 Euro. Eine vertragsärztliche Behandlung gastroenterologischer Erkrankungen, die mit dieser Behandlung vergleichbar ist, ergibt gemäß Einheitlichem Bewertungsmaßstab (EBM) hingegen nur 549,23 Euro. Das geht aus einem Gutachten des IGES-Instituts hervor, das das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in Auftrag gegeben hat und das heute in Berlin vorgestellt wurde.

Für dieses Gutachten hat das IGES-Institut vier Behandlungsanlässe identifiziert, deren Versorgung sowohl ambulant als auch stationär erfolgen kann. Neben den gastro­enterologischen Erkrankungen waren dies die Schlafapnoe und die Poly(somno)graphie sowie kardiale Arrythmien und der Diabetes mellitus. Für letztere (DRG K60F) ergibt sich dem Gutachten zufolge im Krankenhaus eine Vergütung von 520 Euro am ersten Tag der Behandlung und 2.299 Euro am zweiten Tag. Eine vergleichbare Behandlung im ambulanten Bereich wird hingegen mit lediglich 138,67 Euro vergütet. Hierbei sind in der Regel einmalige Kosten für Patientenschulungen von etwa 100 Euro, die im Rahmen eines Disease-Management-Programms abgerechnet werden können, nicht enthalten.

Die Behandlung von nicht schweren kardialen Arrhythmien (DRG F71B) wird bei ambulanter Behandlung mit 289 Euro vergütet. Der erste Behandlungstag im Krankenhaus kostet hingegen 646 Euro und der zweite 1.529 Euro.

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„Das IGES-Gutachten zeigt in konkreten Euro-Beträgen, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind und führt damit eindrucksvoll vor Augen, wo echte Wirtschaftlich­keitspotenziale im Gesundheitswesen liegen“, erklärte der Geschäftsführer des Zi, Dominik von Stillfried, heute bei der Präsentation des Gutachtens. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD angekündigt, eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einzurichten, die bis 2020 Vorschläge für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems zu einer sektorenübergreifenden Versorgung unter anderem im Hinblick auf die Honorierung vorlegen soll. Die Passage war der Anstoß, das Gutachten in Auftrag zu geben.

Zi fordert neue Gebührenordnung für alle ambulant erbringbaren Leistungen  

Von Stillfried nannte drei Optionen, wie eine Zusammenführung der Vergütungs­systematiken aus dem stationären und dem ambulanten Bereich funktionieren könnte. Im ersten Szenario würden in den Regionen vereinbart, wieviel mehr ambulante Leistungen und wieviel weniger stationäre Leistungen erwartet werden. Prospektiv könnten dann zusätzliche Leistungsmengen im ambulanten Bereich eingeplant und vergütet werden. Insofern könne die Leistungsmenge aus dem stationären in den ambulanten Bereich verschoben werden, ohne eine gänzlich neue Vergütungs­systematik zu implementieren.

Im zweiten Szenario würde ein Mischpreis für ein bestimmtes Verhältnis aus ambulanten und stationären Leistungen gebildet werden. Dies könne jedoch nur eine zeitlich befristete Zwischenlösung für das dritte Szenario sein, bei dem eine gänzlich neue ärztliche Gebührenordnung für alle ambulant erbringbaren Leistungen konzipiert werden würde. Diese Leistungen würden aus den DRGs ausgegliedert werden. Dabei gäbe es einheitliche Rahmenbedingungen unabhängig vom Ort der Leistungs­erbringung sowie keine sektorenspezifischen Mengenbegrenzungen mehr.

„Wir sprechen wir uns für eine ortsunabhängige Gebührenordnung für alle ambulant durchführbaren Leistungen aus“, erklärte von Stillfried. „Diese sollten nach gleichen Kriterien vergütet werden, unabhängig davon, ob die Behandlung in der Arztpraxis oder im Krankenhaus erfolgt.“ © fos/aerzteblatt.de

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opla
am Mittwoch, 13. Juni 2018, 10:07

Nicht ganz verständlich was gemeint sein könnte

Die Unterschiede der Kostenstruktur ambulant/stationär wurde bereits durch vorherige Kommentare behandelt. So bin auch ich der Meinung, dass die fixen- und variablen Kosten beider Sektoren nicht miteinander verglichen werden können. Was mich bei dem Beitrag eher stutzig gemacht hat, ist die angebliche Vergütungssteigerung der DRGs am 2ten Tag. Im DRG System werden die Tage nicht unterschiedlich vergütet, sondern der Fall als Gesamtheit betrachtet. Was im Zusammenhang mit bspw. der DRG G67C „Ösophagitis, Gastroenteritis, gastrointestinale Blutung, Ulkuserkrankung … ohne äußerst schwere CC“ gemeint ist, dass bei der Unterschreitung der Grenzverweildauer < 2 Tage (und hier sind wir dann in einem ambulanzähnlichen Verlauf) die Behandlung im DRG System mit einem Abschlag bestraft wird. Die DRG geht somit faktisch bereits davon aus, dass die stationäre Verweildauer zwischen 2 und 8 Tagen liegen muss, was dann nicht in den ambulanten Sektor übertragbar wäre. Ggf. gab es ja hier eine Verwirrung von ICD, OPS und DRG Kalkulationen?
Aumenta
am Dienstag, 12. Juni 2018, 19:49

nun ja

Also ich denke auch, dass man das kaum über einen Kamm scheren kann, also alleine was nicht nur die Niederlassung kostet, sondern auch Personal, Fachspezialisten, Gerätschaften etc - also da von geichen Gebühren zu reden ist auch sehr hoch gestochen.
Und da ich selbst schon mal die Freude hatte in einem Privatkrankenhaus untergebracht zu werden, dem Rudolfinerhaus, schätze ich es seitdem sehr wenn man als Patient etwa mehr Privatsphäre hat, aber mehr noch, wenn man das Gefühl hat, das man ersnt genommen wird mit deinen Bedürfnisse und Zeit investiert wird.
Es ist eben alles sehr anders organisiert und letztlich kann ebendas auch alles nicht gleich verrechnet werden. Schöner Gedanke, aber wird nicht funktionieren.
amrhamza
am Dienstag, 12. Juni 2018, 18:38

Kosten in der Klinik sind anders wie Kosten in der Niederlassung

Falls die niedergelassenen Kollegen sich auch an den Diensten, Weiterbildung und die Aufrechterhaltung der medizinischen Nachkommen engagieren, dann werden die Kosten auch in der Niederlassung steigen. Die Struktur der medizinischen Unverbindlichkeit, mangelnde Dokumentation im deutschen Gesundheitswesen führt zu einem Staat, der nichts mehr überwachen oder regeln kann. Dieses Gutachten hat vieles unterschlagen. Man kann Medizin nicht wie McDonalds oder Burger Kings erhalten. Wir sind kein Gewinngeschäft. Reiche Staaten investieren in der Medizin und sparen nicht da.

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