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Medizin

Depressionen häufige Nebenwirkung von Medikamenten

Mittwoch, 13. Juni 2018

/kudosstudio, stockadobecom

Chicago – Die Polypharmazie führt dazu, dass immer mehr Patienten gleich mehrere Wirkstoffe verschrieben bekommen, zu deren Nebenwirkungen depressive Verstimmungen gehören. In einer Querschnittstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 2289–2298) war die Einnahme der Medikamente tatsächlich mit einer deutlich erhöhten Rate von Depressionen assoziiert.

Die Fachinformationen von mehr als 200 Wirkstoffen enthalten den Hinweis, dass es nach der Einnahme zu depressiven Verstimmungen kommen kann. Darunter sind einige häufig verordnete Antihypertensiva, Protonenpumpenhemmer, Analgetika und hormonelle Kontrazeptiva.

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Von den Teilnehmern des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES), einer Querschnittsstudie der US-Statistikbehörde zum Gesundheitsstatus der Bevöl­kerung, nahmen 2005–2006 bereits 35 % mindestens ein Medikament mit Depressionen als möglicher Nebenwirkung ein. In der NHANES-Stichprobe von 2013–2014 waren es 38,4 %. Der Anteil der Patienten, der 3 oder mehr Wirkstoffe mit Depressionen als mögliche Nebenwirkung erhielt, war von 6,9 auf 9,5 % gestiegen. 

Auch Wirkstoffe, deren Fachinformationen einen Warnhinweis auf ein Suizidrisiko enthalten, werden in den USA immer häufiger verordnet. Der Anteil stieg von 17 auf 24 %. 2 beziehungsweise 3 % der Patienten erhielten 3 oder mehr Wirkstoffe mit einem erhöhten Suizidrisiko.

15 % der Patienten, die 3 oder mehr Wirkstoffe mit Depressionen als mögliche Nebenwirkung erhalten hatten, erreichten im Fragebogen PHQ-9, einem Screening­instrument zur Diagnostik einer Depressivität, 10 oder mehr Punkte, was eine zumindest mittelgradige depressive Symptomatik anzeigt. Bei den Patienten, die keine Medikamente mit depressiven Nebenwirkungen einnahmen, erreichen nur 4,7 % 10 oder mehr Punkte im PHQ-9. Die Differenz von 10,7 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 7,2 bis 14,1 Prozentpunkten hochsignifikant.

Die Beweiskraft von Querschnittsstudien ist begrenzt. Aufgrund der fehlenden Langzeitbeobachtung kann nicht von einer Kausalität gesprochen werden. Es bleibt möglich, dass die Erkrankung (etwa chronische Schmerzen), die Anlass für die Verordnung der Medikamente (Analgetika) war, die Ursache für die depressive Verstimmung ist. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob weitere epidemiologische Untersuchungen die Assoziationen bestätigen. Angesichts der zunehmenden Häufigkeit von Depressionen in der Bevölkerung erscheinen den Autoren weitere Studien dringend notwendig. © rme/aerzteblatt.de

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