NewsPolitikPolitik will bei E-Health-Themen stärker eine Führungsrolle übernehmen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Politik will bei E-Health-Themen stärker eine Führungsrolle übernehmen

Mittwoch, 13. Juni 2018

/chombosan, stockadobecom

Berlin – In der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird derzeit über ein Positionspapier zur Digitalisierung im Gesundheitswesen diskutiert, das der CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge, MdB und Mitglied im Gesundheits­ausschuss der Fraktion, vorgestellt hat. Das Papier, das grundsätzlich bereits konsentiert sei, enthalte zehn Punkte zu Themen, in denen die Politik stärker agieren und eine Führungsrolle übernehmen müsse, berichtete Sorge beim gestrigen Gesprächskreis Gesundheit des Bundesverbands Medizintechnologie in Berlin.

Stichwort elektronische Gesundheitskarte (eGK): Hier gehe es nicht darum, die eGK infrage zu stellen, sondern angesichts geänderter technischer Möglichkeiten grundsätzlich zu fragen, ob andere Medien wie das Smartphone in das System eingebunden werden könnten.

Anzeige

Ein weiteres Thema ist Sorge zufolge die Bewertung medizintechnischer Innovationen und speziell Konformitätsbewertungsverfahren digitaler Anwendungen. Hier sei auch im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss noch keine abschließende Meinungsbildung erfolgt, meinte Sorge.

Wichtig sei zudem ein verlässlicher rechtlicher Rahmen. So habe etwa der Ärztetag zwar eine Lockerung des Fernbehandlungsverbotes (ärztliche Behandlung ohne vorherigen Erstkontakt) beschlossen, viele daraus resultierende Möglichkeiten könnten aber nicht genutzt werden oder müssten weiterhin analog erfolgen, Stichpunkte Fernkrankschreibung und Fernverordnung/E-Rezept. „Dort müssen wir auch gesetzgeberisch weiterkommen“, betonte Sorge.

Gematik muss einheitliche Standards entwicklen

Ein Schwerpunkt sei auch das Thema Interoperabilität und die Frage, wie die für die Entwicklung der Tele­ma­tik­infra­struk­tur zuständige Gesellschaft gematik perspektivisch weiterentwickelt werden soll. Hier werde die Aufgabe der gematik als Institution künftig darin liegen, einheitliche Standards etwa bei Datenformaten für Anwendungen im Gesundheitswesen festzulegen und zu sichern, um Insellösungen zu vermeiden. „Viele Anbieter versuchen, ihre Lösungen im Markt abzuschotten“, erklärte Sorge. Beispiele dafür seien Praxissoftware und Konnektoren. Daher müsse künftig klar sein: „Es gibt einheitliche Standards, der Rest muss sich am Mark regeln.“

Die Akzeptanz sowohl bei den Leistungserbringern als auch bei den Patienten müsse gestärkt werden, betonte Sorge. Bei Digitalisierung gehe es nicht darum, PDFs von A nach B zu schicken, sondern konkrete Verbesserungen in der Versorgung zu erreichen. Beispiele dafür sind neue Therapieansätze etwa durch die Nutzung von Algorithmen im onkologischen oder radiologischen Bereich oder durch den Einsatz von Monitoring­systemen bei der Behandlung von Diabetespatienten.

„Datenschutz ist ein schwieriges Thema“, meinte Sorge. Denn aufgrund der 16 Datenschutzgesetze der Bundesländer sei es schwierig, eine einheitliche Regelung zu finden. „Da müssen wir ernsthaft darüber diskutieren, ob die Grundsätze aus dem Datenschutzrecht, das aus dem letzten Jahrhundert stammt, noch zeitgemäß sind.“ Stichpunkte seien hier die Zweckbindung der Daten und Datensparsamkeit. Dies stehe den angestrebten Zielen entgegen, Big Data und künstliche Intelligenz zu ermöglichen, da hierfür viele Daten benötigt werden.

Datennutzung im ethischen Kontext

Zu führen sei auch eine Diskussion über die Datenspende, unter anderem im Kontext mit der Frage, ob es ethisch zu vertreten ist, Patienten Behandlungsansätze dadurch vorzuenthalten, dass bestimmte Daten nicht genutzt werden dürfen, weil beispiels­weise in einzelnen Institution vorliegende Versorgungs- und Forschungsdaten nicht miteinander vernetzt werden dürften. Auch bei der Nutzung von Daten innerhalb klinischer Studien gibt es Sorge zufolge Regelungsbedarf, etwa bei der Patienten­einwilligung.

Es sei gut, wenn die Politik beim Thema E-Health-Strategie Anregungen aus den Verbänden erhalte, betonte der Gesundheitspolitiker. Das Zielbild – „Wo wollen wir mit E-Health hin?“ – dürfe nicht zu abstrakt diskutiert werden, sondern sei an konkreten Dingen festzumachen. Zudem müssten dabei auch volkswirtschaftliche Wert­schöpfungs­gesichtspunkte stärker betrachtet werden. © KBr/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #105991
pehrl
am Donnerstag, 14. Juni 2018, 14:07

Schade,

die Beteiligung der Politik und der Verbände kann nur zur Verkomplizierung und Verlangsamung der Entwicklung führen. Disruptive Fortschritte - die unser undurchschaubares Gesundheitswesen bräuchte - könnten verhindert werden.
LNS

Nachrichten zum Thema

18. Dezember 2018
Berlin – Im kommenden Jahr will der Gesetzgeber – unter Berücksichtigung des Datenschutzes und der Datensicherheit – die Möglichkeiten einer freiwilligen Datenspende schaffen. Manchen geht das
Hecken plädiert für verpflichtende Datenspende
18. Dezember 2018
Berlin – Zum Jahresende sind bundesweit rund 43.500 Arztpraxen an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) angeschlossen. Das zeigen Angaben der Konnektor-Hersteller CompuGroup Medical (CGM), T-Systems
Knapp die Hälfte der Arztpraxen an Tele­ma­tik­infra­struk­tur angebunden
17. Dezember 2018
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die geplante schnelle Einführung eines elektronischen Rezeptes im Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) begrüßt. Auch
Verbände kritisieren neues Arzneimittelgesetz
14. Dezember 2018
Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat die in dem Entwurf zum Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) enthaltenen Regelungen für das digitale Rezept begrüßt.
Digitales Rezept: Montgomery begrüßt geplanten Gesetzentwurf
12. Dezember 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) ist unzufrieden mit der Arbeit der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte. Das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben,
Spahn kündigt Umbau der gematik an
12. Dezember 2018
Berlin – Der VSDM-Konnektor der secunet Security Networks AG hat die Zulassung der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte erhalten. Damit sei jetzt der vierte Konnektor
Vierter Konnektor für Tele­ma­tik­infra­struk­tur zugelassen
11. Dezember 2018
Berlin – Für einen neuen Weg bei der Verwendung von Gesundheitsdaten plädiert der CDU-Gesundheits- und Digitalexperte Tino Sorge. In einem Positionspapier, das dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt, wirbt
LNS
NEWSLETTER