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Zugang zum Medizinstudium: Südwesten will mehr Tests für Talente

Mittwoch, 13. Juni 2018

studien-probanden_dpa

Stuttgart – Bei der vom Bundesverfassungsgericht verlangten Reform der Zulassung zum Medizinstudium will Baden-Württemberg die Bedeutung des Abiturschnitts zurückdrängen und Testverfahren stärken. „Wir wollen den Talenten mehr Chancen geben. Deswegen stärken wir das Testelement“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) in Stuttgart. Die Kultusminister der Länder wollen bei ihrer Konferenz ab Donnerstag in Erfurt Eckpunkte für ein neues Zulassungsverfahren beschließen. Dabei geht es auch um die Zukunft der Wartezeitquote, über die bisher etwa jeder fünfte Student ohne Einser-Abi Zugang bekam.

Baden-Württemberg baue darauf, sagte Ministerin Bauer weiter, die Wartezeitquote komplett zu ersetzen, und stattdessen einem Teil der Bewerber allein über Test­verfahren Zugang zum Medizinstudium zu gewähren – unabhängig vom Schnitt des Abiturs. „Wir wollen das Recht bekommen, dass wir in relevantem Umfang auch allein über Testverfahren den Zugang eröffnen.“

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Fest steht: Das Verfahren zur Vergabe von Medizinstudienplätzen muss anders werden. Karlsruhe hatte im Dezember entschieden, dass es teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss. Heute haben fast nur Einser-Abiturienten eine Chance; für viele gelten Wartezeiten von bis zu 15 Semestern. Die Richter verlangten unter anderem transparentere Verfahren, mehr Vergleichbarkeit der Abinoten und weniger Wartezeit.

„Das Medizinstudium ist ein heiß begehrtes Gut, ein teures Gut. Es ist für uns eine wichtige Frage, wer Zugang dazu bekommt“, erklärte Bauer. Baden-Württemberg habe schon bisher vergleichsweise stark nicht nur auf den Abi-Schnitt, sondern auf Tests gesetzt. „Wir haben uns über das Urteil sehr gefreut, weil wir grünes Licht für unseren bisherigen Weg haben, den wir nun weiterentwickeln können.“

Neben dem Test für medizinische Studiengänge (TMS) führe Baden-Württemberg eine neue Talentquote ein: Wer in multiplen Mini-Interviews Talente und Fähigkeiten wie Auffassungsgabe, Konzentrationsvermögen oder Empathiefähigkeit beweise, solle eine Chance auf das Studium bekommen. „Es geht um die Möglichkeit, Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, die man als Hausarzt und Allgemeinmediziner in besonderer Weise braucht“, sagte Bauer. Ziel sei es, 100 von 1,500 Plätzen in Baden-Württemberg so zu vergeben. Bauer hält das auch für einen Weg, die Allgemeinmedizin zu stärken.

Nichts hält Bauer hingegen von einer Landarztquote, um Mediziner aufs Land zu locken. Andere Länder wollen den Zugang zum Studium für Kandidaten erleichtern, die sich vorab verpflichten, anschließend aufs Land zu gehen. Zum einen suggeriere man, beim Allgemeinmediziner auf dem Land genügten andere Standards, kritisierte Bauer. Zum anderen würden Menschen, die auf diesem Weg einen Studienplatz bekämen, dann aber nicht auf dem Land arbeiten wollten, einen Ausweg suchen. „Und sie werden ihn finden: Denn wenn man genug Geld hat, kauft man sich einfach wieder raus.“ © dpa/aerzteblatt.de

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