NewsVermischtesNeuer Vorstoß zum Impfen in Apotheken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Neuer Vorstoß zum Impfen in Apotheken

Mittwoch, 13. Juni 2018

/dpa

Berlin – Einen neuen Anlauf für das Impfen in Apotheken unternimmt der Bundes­verbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH). „Grippeschutzimpfungen in der Apotheke erhöhen die Impfquote und reduzieren die volkswirtschaftlichen Kosten durch vermiedene Erkrankungen“, teilt der Verband mit. Er beruft sich dabei auf eine gesundheitsökonomische Analyse der May und Bauer GbR im Auftrag des BAH. Uwe May, Studiendekan des Masterstudiengangs „International Pharmacoeconomics, Health Economics & Market Strategies for Healthcare Products“ an der Hochschule Fresenius stellte die Ergebnisse jetzt auf einer Veranstaltung des BAH vor. 

Laut eines berechneten Szenarios könnte die Impfrate gegen Influenza mittelfristig von 25 auf 37 Prozent gesteigert werden, was 9,9 Millionen mehr Geimpfte, 905.000 weniger Grippeerkrankte und 18.700 vermiedene Krankenhaustage bedeuten würde. „Insgesamt kommen wir außerdem auf knapp drei Millionen weniger Arbeitsunfähig­keitstage im Jahr“, ergänzte May. Das entspreche Kosteneinsparungen von über einer Milliarde Euro gegenüber dem heutigen Szenario. Demgegenüber stünde ein Mehraufwand für die Kostenträger in Höhe von knapp 340 Millionen Euro. Diesen bezeichnet der Gesundheitsökonom als „moderat“ und hinsichtlich der Kosten­effektivität als „zweckmäßig“ und „notwendig“.

Anzeige

Um die Akzeptanz für Impfungen in Apotheken zu ermitteln, hat der BAH drei repräsentative Umfragen unter Apothekern, Ärzten und der Bevölkerung beauftragt. 47 Prozent der Apotheker befürworten die Entlassung von Impfstoffen aus der Verschrei­bungs- in die Apothekenpflicht, wobei der Apotheker zukünftig die Impfung vornehmen sollte. Bei den Ärzten sind es 28 Prozent. 

Die Bevölkerung ist laut der Befragung mehrheitlich gegen das Impfrecht von Apothekern: 43 Prozent halten Impfungen durch einen geschulten Apotheker nach einer ausführlichen Impfberatung für sinnvoll, während sich 46 Prozent dagegen aussprechen. Das ist das Ergebnis des BAH-Gesundheitsmonitors, einer repräsentativen Befragung durch das Marktforschungsinstitut Nielsen. 

Im Mai dieses Jahres haben die Delegierten des 121. Deutschen Ärztetages sich dezidiert gegen das Impfen in Apotheken ausgesprochen. „Bis heute ist es juristisch nicht einmal denkbar, dass geschulte Medizinische Fachangestellte (MFA) ohne ärztliche Anwesenheit in der Praxis allein Impfungen verabreichen dürfen. Anaphylaxie, Synkope, Lokalreaktionen sowie Angstreaktionen müssen adäquat beherrscht werden“, heißt es in dem entsprechenden Antrag. Zu den ärztlichen Impfleistungen gehörten überdies Anamnese, Impfanamnese, Ausschluss von Kontraindikationen, Ausschluss akuter Erkrankungen, Aufklärung zur Impfung, Impfung und Dokumentation der Impfung.

Auch die Kenntnisse über Impfungen bei den unterschiedlichen Formen von Auto­immunerkrankungen, bei Einsatz immunsupprimierender Therapien, bei Schwangeren, bei chronisch Erkrankten und anderes mehr setzten eine intensive Aus- und Weiter­bildung voraus. „Sie sind in der bisherigen Apothekerausbildung nicht enthalten und wären in einer Schnellausbildung in Form geplanter Tagesseminare nicht so intensiv zu vermitteln, dass sie ausreichen oder gar späteren juristischen Auseinandersetzungen standhalten“, heißt es in dem von den Delegierten angenommenen Ärztetagsantrag (Seite 200 und 201 des Protokolls).  © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #90377
MoMA
am Dienstag, 26. Juni 2018, 15:02

Wie bitte?

Wenn die Pillenkrämer invasive Heilhandlungen vornehmen sollen, dann will als Arzt endlich das Dispensierrecht, vulgo die Erlaubnis, Medikamente an meine Patienten verkaufen zu dürfen.
LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2018
Berlin – Der Chef der international aktiven Impfallianz Gavi, Seth Berkley, erwartet von Deutschland eine Führungsrolle im Bereich der globalen Gesundheitsvorsorge. „Dass Deutschland ab dem kommenden
Chef der Impfallianz Gavi erwartet von Deutschland Führungsrolle bei Gesundheit
15. Oktober 2018
München – Die Zahl der Masern-Fälle in Bayern hat sich in diesem Jahr bereits mehr als verdoppelt. Bis zum 8. Oktober gab es 100 Erkrankungen im Freistaat, wie das Ge­sund­heits­mi­nis­terium heute
Mehr Masernfälle in Bayern
12. Oktober 2018
Dresden/Berlin – Der Vorschlag von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), dass Apotheker künftig impfen könnten, ist bei Ärzten auf Kritik gestoßen. Deutliche Worte fanden sowohl die Sächsische
Impfen in Apotheken: Kritik am Vorschlag von Spahn
10. Oktober 2018
München – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat sich zu einer flächendeckenden Präsenz von Apotheken in Deutschland bekannt und hält dafür auch zusätzliche Aufgaben für denkbar. Er könnte sich
Spahn: Impfungen in Apotheken vorstellbar
10. Oktober 2018
Houston – Eine TdaP-Impfung in der Schwangerschaft, die in Großbritannien und den USA, nicht aber in Deutschland empfohlen wird, erhöht die Konzentration von Antikörpern gegen das Keuchhusten-Toxin in
Keuchhusten: Impfung in der Schwangerschaft schützt Säugling am effektivsten
9. Oktober 2018
München – Die deutschen Apotheker haben die Große Koalition aufgefordert, das versprochene Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten umzusetzen. Die von Onlineapothekern im
Apotheker wollen Versandhandel verbieten
9. Oktober 2018
Berlin – Den Stand der Forschung zur Sicherheit der Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) haben Wissenschafter des Paul Ehrlich Instituts (PEI) zusammengefasst. Ihre Zusammenstellung ist jetzt im
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER