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Medizin

Offene Frakturen: Vakuumtherapie kann Wundheilung in randomisierter Studie nicht beschleunigen

Donnerstag, 14. Juni 2018

Vakuumpumpe /dpa

Oxford – Die Vakuumtherapie, die durch einen Unterdruck in einem luftdichten Verband das Abfließen des Wundsekrets und den Heilungsprozess fördern soll, hat in einer größeren randomisierten Studie an Patienten mit offenen Knochenbrüchen an den Beinen die Erholung der Patienten nicht beschleunigt, wie aus den jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 2280–2288) veröffentlichen Ergebnissen hervorgeht.

Obwohl die Vakuumtherapie („Negative pressure wound therapy“) seit vielen Jahren eingesetzt wird, ist ihre Effektivität und Sicherheit noch immer umstritten. Ein Grund ist der Mangel an qualitativ hochwertigen multizentrischen Studien mit einer ausreichenden Teilnehmerzahl.

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Eine Ausnahme bildet die WOLLF-Studie („Wound management of Open Lower Limb Fractures), an der an 24 britischen Traumazentren 460 Patienten teilnahmen, die eine offene Fraktur einer unteren Extremität erlitten hatten, die nicht primär verschlossen werden konnte. Die meisten Wunden (85 %) hatten einen Grad 3 nach der Gustilo-Anderson-Klassifikation (Wundlänge über 10 cm mit ausgedehnter Weichteilverletzung und eventuell freiliegendem Knochen) und bei den meisten (82 %) war die Tibia beteiligt.

Die Wunden, die nicht länger als 72 Stunden bestehen durften, wurden nach dem Zufallsprinzip einer konventionellen Wundversorgung und einer Vakuumtherapie zugelost. Primärer Endpunkt war der Disability Rating Index (DRI), für den der Patient zum Rehabilitierungsgrad befragt wird. Der DRI kann Werte zwischen 0 (normale Funktion) und 100 Punkten (komplette Behinderung) annehmen. 

Wie Matthew Costa vom Nuffield Department of Orthopaedics, Rheumatology, & Musculoskeletal an der Universität Oxford und Mitarbeiter berichten, bestanden 12 Monate nach der Verletzung keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Der DRI-Score betrug nach der Vakuumtherapie im Mittel 45,5 Punkte und in der Kontrollgruppe im Mittel 42,4 Punkte, was sogar einen tendenziellen Vorteil für den Standardverband anzeigt. Die Differenz von 3,9 Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 8,9 bis 1,2 Punkten jedoch nicht signifikant. Sie lag zudem unter der Schwelle von 8 Punkten für einen klinisch relevanten Unterschied. 

Auch in den sekundären Endpunkten war kein Vorteil für die Vakuumtherapie erkennbar. Der Anteil der Patienten, die nach 30 Tagen eine tiefe Infektion hatten, betrug in der Gruppe mit Vakuumtherapie 7,1 % gegenüber 8,1 % unter der Standard­behandlung (Odds Ratio 0,85; 0,42-1,70).

6 Wochen nach der Verletzung waren in der Gruppe mit Vakuumtherapie 52,0 % der Wunden abgeheilt gegenüber 51,7 % nach Standardwundversorgung (Odds Ratio 1,0; 0,6–1,6). Eine komplette radiologische Verbindung der Frakturenden war nach 12 Monaten in der Gruppe mit Vakuumtherapie bei 69,6 % der Patienten erreicht gegenüber 71,9 % nach Standardwundversorgung (Odds Ratio 1,1; 0,7–1,9).

Da 95 % der Patienten die vom Los bestimmte Therapie erhalten hatten und 88 % nach einem Jahr nachuntersucht werden konnten, ist an den Ergebnissen der Studie nicht zu zweifeln. Für Costa gibt es keinen Grund, die mit einer Kostensteigerung verbundene Vakuumtherapie bei Patienten mit offenen Frakturen der Beine durchzuführen. © rme/aerzteblatt.de

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