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Psychotherapie im Internet: Jede Kasse bietet ein anderes Programm an

Donnerstag, 14. Juni 2018

Jan Philipp Klein, Median Wissenschaftsforum 2018
Das deutschsprachige Angebote internetbasierter Interventionen zur Behandlung psychischer Störung ist vielfältig./Präsentation Jan Philipp Klein, Median Wissenschaftsforum 2018

Berlin – Das Angebot Internet- und mobil-basierter Interventionen (IMI) für psychische Störungen nimmt stetig zu. Einige der Anwendungen konnten ihre Wirksamkeit bereits in randomisierten kontrollierten Studien (RCT) nachweisen, berichtete Jan Philipp Klein von der Universität Lübeck diese Woche beim Median Wissenschaftsforum in Berlin. Mindestens eine RCT definieren auch Fachgesellschaften als ein entscheidendes Qualitätskriterium.

Umfragen zeigen, dass 75 % der Menschen mit psychischen Erkrankungen diese aus eigener Kraft bewältigen wollen. „Diesen Wunsch müssen wir ernst nehmen“, sagte Klein. Eine Therapie bei einem Psychotherapeuten kommt für sie nicht infrage.

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Die Suche über Google liefert einem allerdings eine ganze Reihe verschiedenster Angebote, deren Qualität teils fragwürdig erscheint. Jan Philipp Klein, Universität Lübeck

Die Behandlungslücke, die Schätzungen zufolge etwa jeden zweiten mit einer schweren psychischen Erkrankung betrifft, kann daher nicht ausschließlich mit einem Mangel an Therapieplätzen begründet werden, erklärte der Oberarzt von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Lübeck. 

Für Betroffene mit dem Wunsch nach Selbstmanagement eignen sich vor allem IMIs. „Die Suche über Google liefert einem allerdings eine ganze Reihe verschiedenster Angebote, deren Qualität teils fragwürdig erscheint“, warnt Klein. Mit der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGP) hat die Universität Lübeck daher Qualitätskriterien aufgestellt (siehe Kasten).

Qualitätskriterien

  • transparente Beschreibung der Indikation und der Kosten
  • bei der Entwicklung der Intervention waren Psychotherapeuten oder Fachärzte beteiligt
  • mindestens eine RCT
  • Hinweis auf weitere Hilfsangebote, falls Intervention nicht wirkt
  • CE-zertifiziert, falls es sich um ein Medizinprodukt handelt
  • Datenschutz entsprechend der EU-Vorgaben

Ein weiteres Problem der IMI besteht aufgrund der unterschiedlichen Angebote der Krankenkassen. So bietet die Techniker Krankenkasse ihren Versicherten beispielsweise den DepressionsCoach an, die AOK hat das kostenlose Onlinetraining Moodgym im Programm, das Gesundheitstraining Get.On wird unterstützt von der Barmer. Die Wirksamkeit aller 3 Programme wurden in randomisierten kontrollierten Studien belegt. Die Kosten für das Online-Therapieprogramm deprexis übernehmen unter anderem die DAK und die IKK Südwest. Zu diesem Programm liegen inzwischen 11 Studien vor, die unter anderem zeigen konnten, dass sich deprexis auch bei einer schweren Depression eignet und für Glücksspiel­süchtige (Plos One 2018). Das ebenfalls in einer Studie untersuchte onlinebasierte therapeutische Unterstützungsprogramm Novego können unter anderem Versicherte der Barmenia, AXA, Gothaer oder einzelner BKKen nutzen.

Über den Hilfsmittelkatalog in die Regelversorgung

„Bei der Verordnung von Psychopharmaka würde kein Arzt das Medikament in Abhängigkeit der Krankenkasse auswählen. Das wäre unvorstellbar“, gibt Klein zu Bedenken. Mit den Qualitätskriterien habe man sich erhofft, IMI den Weg in die Regelversorgung zu ebnen. Das Problem hat er bereits mit dem GKV-Spitzenverband diskutiert. Die praktische Lösung überraschte nicht nur den Arzt aus Lübeck: Der wahrscheinlichste Weg für Onlineangebote, in die Regelversorgung zu kommen, wäre über den Hilfsmittelkatalog. Die Anbieter müssten dafür für ihre Interventionen einen Antrag beim GKV-Spitzenverband stellen, erklärte Klein in Berlin. © gie/aerzteblatt.de

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