NewsMedizinTest sagt Hörvermögen nach Cochlea-Implantat voraus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Test sagt Hörvermögen nach Cochlea-Implantat voraus

Donnerstag, 14. Juni 2018

/dpa

Leipzig/Lübeck – Ein neuer Hörtest kurz nach einer Cochlea-Implantation kann das Sprachverständnis mit Cochlea-Implantat 6 Monate später präzise vorhersagen. Das berichten Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften, des Cochlea-Implantat-Zentrums Leipzig und der Universität Lübeck in der Zeitschrift Ear Hear (2018; doi: 10.1097/AUD.0000000000000588). 

Ein künstliches Innenohr, das sogenannte Cochlea-Implantat, ermöglicht es ertaubten Menschen, wieder zu hören. Es wird in die geschädigte Hörschnecke eingepflanzt, übersetzt Schall in elektrische Impulse und überträgt sie direkt an den Hörnerv. 

Anzeige

Jedoch sind die übertragenen Signale extrem verzerrt: Geräusche werden von Patienten als „blechern“ beschrieben, Stimmen als „roboterhaft“. Manche Patienten lernen sehr schnell, das verzerrte Sprachsignal zu deuten und können Sprache sogar unter schwierigen Bedingungen verstehen. Andere wiederum profitieren kaum von der Neuroprothese.

Die Wissenschaftler berichten nun, dass auch nichtsprachliche Hörfähigkeiten, insbesondere die zeitliche Auflösung des Gehörs, erheblich zum Anpassungsprozess beitragen. Erwachsene mit neu implantiertem künstlichem Innenohr wurden dazu getestet: Die Patienten sollten rhythmische Modulationen in Rauschsignalen unterscheiden. Jene, die in diesem Hörtest besser abschnitten, konnten 6 Monate später Sprachsignale besser verstehen. Umgekehrt hatten Patienten mit geringer Sensitivität ein erhöhtes Risiko für ein künftig schlechtes Sprachverständnis.

„Nur wenn es den Patienten gelingt, sich an das ungewohnte, reduzierte Sprachsignal anzupassen, können sie von ihrem Implantat profitieren und Sprache nach einer gehörlosen Zeit wieder verstehen“, berichten die Forscher. Daher seien solche zuverlässigen Hörtests in zweifacher Hinsicht wichtig: Einerseits könnten so gefährdete Patienten frühzeitig identifiziert werden und ein spezielles Hörtraining erhalten, andererseits könnten die Algorithmen des Cochlea-Implantats verbessert und individuell angepasst werden. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. November 2018
Berlin – Bislang gilt ein Anspruch auf Barrierefreiheit nur für schwerbehinderte Menschen, und dies auch nur im Arbeitsleben. Damit setze Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention und geltendes
Deutschland setzt UN-Behindertenrechtskonvention nicht um
31. Oktober 2018
Neumünster/Berlin – Der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-(HNO-)Ärzte hat sich für ein reguläres Hörscreening ab dem 50. Lebensjahr ausgesprochen. Hintergrund ist, dass laut dem Verband 30
HNO-Ärzte fordern Hörscreening ab 50 Jahre
26. Oktober 2018
Göttingen – Angehende Lehrer werden nach Ansicht des Sozialverbands VdK im Studium nicht genügend auf die Inklusion in der Schule vorbereitet. „Hier muss dringend nachgebessert werden“, sagte eine
Lehrer ungenügend auf Inklusion vorbereitet
24. Oktober 2018
Berlin – Laut einem Zwischenbericht zum Nationalen Aktionsplan (NAP) der UN-Behindertenrechtskonvention ist Deutschland auf einem guten Weg zu mehr Inklusion. Den Bericht beschloss die Bundesregierung
Deutschland auf gutem Weg zu mehr Inklusion
18. Oktober 2018
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat die Psychotherapie-Richtlinie um zusätzliche Regelungen für Menschen mit einer geistigen Behinderung ergänzt. Das teilte das oberste Gremium der
Bessere psychotherapeutische Versorgung für Menschen mit geistiger Behinderung beschlossen
11. Oktober 2018
Frankfurt am Main – Mehr Bücher für Blinde und Sehbehinderte fordert der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel. Derzeit seien nur etwa fünf Prozent aller veröffentlichten Werke in
Behindertenbeauftragter fordert mehr Bücher für Blinde
8. Oktober 2018
Berlin – Experten kritisieren einen Gesetzentwurf, der Menschen mit einer Seh- oder Lesebehinderung einen besseren Zugang zu urheberrechtlich geschützten Werken verschaffen soll. Mit dem Entwurf werde
LNS
NEWSLETTER