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Medizin

Cholera: Neuer Impfstoff und altes Probiotikum könnten Ausbrüche stoppen

Freitag, 15. Juni 2018

Vibrio cholerae /dpa

Boston und Cambridge/Massachusetts – Ein neuer genetisch modifizierter Lebend­impfstoff hat in ersten tierexperimentellen Studien innerhalb von 24 Stunden eine Immunität gegen Cholera erzeugt. Die in Science Translational Medicine (STM 2018; 10: eaap8423) vorgestellte Vakzine könnte die Eindämmung akuter Choleraausbrüche erleichtern. Eine präventive Wirkung erzielen nach einer weiteren Studie (STM 2018; 10: eaao2586) jedoch auch Milchsäurebakterien.

Die Choleraepidemien in Haiti und zuletzt im Jemen haben gezeigt, dass Vibrio cholerae sich in Krisenregionen innerhalb weniger Tage und Wochen explosionsartig ausbreiten und das Leben Zehntausender Menschen gefährden kann. Die derzeit verfügbaren Impfstoffe aus abgetöteten Erregern, die erst nach zweimaliger Gabe im Abstand von 14 Tagen eine Immunität erzielen, kommen in der Regel zu spät. Der einzige derzeit zugelassene Lebendimpfstoff schützt nur vor bestimmten Serotypen, nicht aber vor dem seit 2011 in Haiti grassierenden Bakterium, das auf der Karibikinsel zu mehr als 1 Million Erkrankungen und mehr als 10.000 Todesfällen geführt hat. 

US-Forscher haben die inzwischen auf Haiti endemischen Vibrionen jetzt zur Grundlage eines neuen Impfstoffes (HaitiV) gemacht, der sich ebenso rasch wie der Krankheitserreger im Darm vermehrt, aber keine Toxine bildet, die für den starken Durchfall verantwortlich sind. Dazu wurde die CTX-Prophage, die das Gen für das Choleratoxin enthält, aus dem Erbgut entfernt. Damit die Erreger das Gen nicht von anderen Cholerabakterien übernehmen, bauten die Forscher die „Genschere“ CRISPR/Cas9 in das Genom ein, die ein importiertes Gen sofort zerschneiden würde. 

Erste Experimente, die ein Team um Matthew Waldor vom Brigham and Women’s Hospital in Boston an Kaninchen durchgeführt hat, zeigen, dass der neue Impfstoff sich im Darm ebenso rasch ausbreitet wie der Krankheitserreger. Die Tiere waren bereits 24 Stunden nach einer Einmaldosis von HaitiV gegen eine Infektion mit dem echten Choleraerreger gefeit. Worauf diese rasche Schutzwirkung beruht, ist nicht klar. Eine Immunität war zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgetreten, da das Immunsystem erst nach mehreren Tagen mit der Bildung von protektiven Antikörpern beginnt.

Waldor vermutet, dass die Kolonisierung allein für die Schutzwirkung verantwortlich ist. Die Impfstoffbakterien hätten demnach die „ökologische“ Nische gefüllt, die die Choleraerreger benötigen, um sich auszubreiten. HaitiV wäre dann mehr ein Probiotikum als ein Impfstoff. Die US-Forscher wollen demnächst die Sicherheit des neuen Impfstoffs an Menschen testen. Danach müsste seine Schutzwirkung in Feldstudien überprüft werden. Eine Einführung von HaitiV ist deshalb noch nicht in Sicht.

Ähnliche Erfahrungen machte ein Team um James Collins vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Die Forscher versahen das Milchsäurebakterium Lactococcus lactis mit einem Gen, das eine Infektion durch eine Farbreaktion im Kot anzeigen soll. Der Test würde es den Ärzten erleichtern, eine echte Cholera von anderen Durchfallerkrankungen zu unterscheiden.

Bei ihren Experimenten entdeckten die Forscher jedoch, dass die Milchsäure, die L. lactis produziert, eine protektive Wirkung erzielt. Dies eröffnet die Perspektive, bei Choleraepidemien Menschen durch probiotische Nahrungsmittel vor einer Ansteckung zu schützen oder den Verlauf der Erkrankung abzuschwächen. Klinische Erfahrungen hierzu liegen allerdings noch nicht vor. © rme/aerzteblatt.de

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