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Politik

CDU in Baden-Württemberg will Landarztquote

Donnerstag, 14. Juni 2018

Stuttgart – Versorgungslücken in der hausärztlichen Versorgung will die CDU-Fraktion mit einer neuen Landarztquote im Medizinstudium bekämpfen. Doch der grüne Koalitionspartner hält davon nicht viel. Der CDU-Abgeordnete Stefan Teufel warb heute in Stuttgart für eine Landarztquote von zehn Prozent der Studienplätze und verwies darauf, dass diese in Nordrhein-Westfalen bereits umgesetzt werde. Sie sei umso wichtiger, da 35 Prozent der Hausärzte über 60 Jahre alt seien.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) bewertete die Quote skeptisch wegen der frühen Festlegung der jungen Menschen auf eine spätere Spezialisierung. Im Notfall könnten sich Studenten aus gut betuchten Verhältnissen von den Sanktionen freikaufen, wenn sie ihre Verpflichtung nach dem Studium doch nicht erfüllen wollten. Ein Medizinstudium kostet mehr als 200 000 Euro. Bauer betonte aber, es gebe Ansatzpunkte für eine Verständigung zwischen CDU und Grünen. Die Grünen-Abgeordnete Petra Krebs erklärte, in gewissen Lebensphasen ließen sich Menschen von Liebe leiten - nicht von Quoten. «Sie lassen sich dort nieder, wo ihre Liebe hinfällt.»

Die SPD-Fraktion sieht die CDU in Konfrontation mit dem Koalitionspartner. Er habe ein "etwas giftiges Klima" in der Debatte wahrgenommen, sagte der Sozialpolitiker Rainer Hinderer. Er riet Ministerin Bauer, bei der Landarztquote hart zu bleiben. Auch die AfD sprach sich gegen eine Festlegung für die angehenden Ärzte aus zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch keinen Einblick in die verschiedenen Fachbereiche hätten. Auch aus FDP-Sicht ist die Quote ein eher ungeeignetes Instrument: Es sei schwer vorstellbar, dass Ärzte, die sich anders entschieden als zuvor angegeben, in Ketten gelegt und vor den Landarztpraxen festgeschnallt würden, sagte Jochen Haußmann (FDP).

Die Kassenärztliche Vereinigung reihte sich in die Riege der Quotengegner ein. Sprecher Kai Sonntag sagte: "Wo es einen nachher hinverschlägt, weiß doch heute keiner." Spezialisierungen erfolgten erst am Ende eines mehr als zehnjährigen Studiums. Überdies sei eine Flut von Klagen gegen eine solche Regelung zu befürchten. Rechtliche Fragen stellten sich, zum Beispiel wie mit Teilzeitkräften und Frauen in Babypause umgegangen werde.

Die SPD-Fraktion betonte, das Medizinstudium könne nur ein Baustein sein, um die ärztliche Versorgung auf dem Land sicherzustellen. So könne es nicht angehen, dass ausgebildete Ärzte ins Ausland abwanderten. Sie müssten mit Alternativen zum Einzelkämpfertum gehalten werden, sagte SPD-Experte Hinderer. Als Beispiel nannte er Förderung von Angestelltenmodellen in Teilzeit, Gemeinschaftspraxen oder Medizinischen Versorgungszentren. Der Masterplan "Medizinstudium 2020" müsse umgesetzt werden und Lehrstühle in der Allmeinmedizin geschaffen, mehr wissenschaftliches Personal eingestellt und Forschungsmittel bereitgestellt werden.

Bei aller Sorge um den sich abzeichnenden Ärztemangel gibt es jedoch auch Zeichen, dass der Hausarztberuf attraktiver wird: Nach Worten von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Lucha ist die Zahl der Facharztprüfungen in Allgemeinmedizin von 110 auf 180 pro Jahr gestiegen.

© dpa/aerzteblatt.de

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