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Politik

Es fehlen Zahlen über und Konzepte gegen multiresistente Keime im Wasser

Donnerstag, 14. Juni 2018

/dpa

Berlin – Niemand weiß, wie sich Ausbreitung multiresistenter Keime in Seen und Flüssen wirksam verhindern lässt. „Der Forschungsstand zur Verhinderung der Ausbreitung multiresistenter Keime im Wasser weist noch erhebliche Lücken auf. Damit fehlt eine belastbare Datengrundlage zur Beurteilung möglicher Maßnahmen“, ist das Fazit einer öffentlichen Anhörung von Sachverständigen im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit des Bundestages am gestrigen Mittwoch. 

Hintergrund ist, dass multiresistente Keime in immer mehr Gewässern in Deutschland gefunden werden. Zunächst waren sie in Bächen in Niedersachsen und Bayern nachgewiesen worden – dann auch in der Stadt Frankfurt.

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Der Deutsche Bundestag hatte Mitte März auf Initiative von Bündnis90/Grüne das Problem diskutiert. Die Fraktion hatte unter anderem gefordert, den Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft zu reduzieren und sich stattdessen für eine tiergerechte Haltung in der Landwirtschaft einzusetzen. Darüber hinaus solle der Einsatz von Reserve­antibiotika in der Tierhaltung beendet werden, indem Medikamente, die die Welt­gesund­heits­organi­sation als „critically important“ einstuft, nicht mehr zugelassen werden. Gruppen- oder Bestands­behandlungen mit antimikrobiellen Mitteln müssten den Grünen zufolge generell an einen vorherigen Erregertest gebunden sein.

Gewässerkundler Thomas Berendonk führte bei der Anhörung gestern aus, dass resistente Bakterien keine chemische, sondern eine biologische Verschmutzung seien, die momentan gar nicht statistisch erfasst werde. „Über die Dynamik, wie stark sich multiresistente Keime vermehren und wie die Resistenz weitergegeben wird, können momentan keine validen Aussagen getroffen werden“, so der Forscher.

„Es braucht ein vorsorgendes, fachübergreifendes Handeln und einen sachgerechten Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier, um die Entstehung an der Quelle zu bekämpfen“, forderte Friederike Vietoris vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Im Augenblick fehlten Bewertungskriterien, Risikoeinschätzungen und Monitoringinstrumente, um entsprechende Maßnahmen in kommunalen Kläranlagen oder Krankenhäusern einzuleiten.

Gegenstand der Anhörung war auch die mögliche Weiterentwicklung von Kläranlage­techniken. „Die Klärverfahrenstechniken, die dann zum Einsatz kommen, etwa Ultra-oder Nanofiltration, führen dann allerdings zu drastischen Gebührensteigerungen, einem erhöhten Energiebedarf sowie höheren CO2-Emissionen und mehr Reststoffen“, sagte Norbert Jardin vom Ruhrverband, der 65 Kläranlagen betreibt.

 Auch die Tierhaltungsbedingungen und der Einsatz sogenannter Reserveantibiotika wurden thematisiert. Wolfgang Straff vom Umweltbundesamt führte aus, dass einer mangelhaften Hygiene in Ställen nicht durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika begegnet werden könne. Besonders in Regionen, in denen vermehrt Antibiotika eingesetzt werden, müsse stärker geprüft werden. 

Die Grünen haben dafür plädiert, gemeinsam mit den Bundesländern ein Bedarfsatlas zu erarbeiten, der das regionale Ausmaß der Belastung von Ober­flächengewässern mit Keimen und Schadstoffen wie Medikamentenrückständen abbildet. Die Abgeordneten des Bundestages haben den Antrag an den Ausschuss Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit überwiesen. © hil/aerzteblatt.de

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