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Politik

Wartezeitquote für Medizinstudium wird abgeschafft

Freitag, 15. Juni 2018

/dpa

Erfurt – Die bislang geltende Wartezeitquote für Medizinstudienplätze soll abgeschafft werden. Darauf einigten sich die Kultusminister der Länder zum Abschluss ihrer Konferenz heute in Erfurt. Die 20-Prozent-Quote für die Vergabe der Studienplätze an die Bewerber mit den besten Abiturnoten wird hingegen beibehalten. Das sehen die Eckpunkte für ein neues Zulassungsverfahren zum Medizinstudium vor, das nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nötig wurde.

Nach einem festen Schlüssel gehen demnach 20 Prozent der insgesamt rund 11.000 Studienplätze in der Humanmedizin an die Bewerber mit den besten Abiturnoten, worauf nur Einserabiturienten bauen können. Weitere 20 Prozent werden bisher über die Wartezeit nach dem Abitur vergeben. Das entfällt künftig. Die restlichen 60 Prozent der Studenten werden bislang nach unterschiedlichen Kriterien von den Hochschulen selbst ausgesucht. Die Abiturnote bleibt aber auch dabei immer maßgeblich.

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Dieses Auswahlverfahren der Hochschulen soll auch im neu zu schließenden Staatsvertrag nicht grundsätzlich geändert werden. Neu ist aber, dass neben der Abiturnote mindestens zwei weitere Kriterien bei der Auswahl der Bewerber eine Rolle spielen müssen. Eine Entscheidung dazu wollen die Kultusminister noch in diesem Jahr treffen.

Um den Langzeitwartenden Rechnung zu tragen, soll geprüft werden, ob die in der Wartezeit erworbenen Qualifikationen in anderen Quoten berücksichtigt werden können. Nach Angaben von Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sollen mit einer sogenannten Talentquote Faktoren wie die besondere Eignung berücksichtigt werden.

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Bundesvertretung der Medizin­studierenden in Deutschland (bvmd) begrüßten die Entscheidung der KMK, auch wenn weiterhin noch 20 Prozent der Plätze werden weiterhin allein über die Abiturnote vergeben werden, so die beiden Organisationen.  „Der Wegfall der Wartezeitquote macht das Vergabeverfahren deutlich fairer und transparenter“, sagte MFT-Generalsekretär Frank Wissing. Wichtig sei jetzt, alle Auswahlkriterien gut zu kombinieren. 

Und Luca Salhöfer, Bundeskoordinator für Medizinische Ausbildung der bvmd, forderte, dass nun mit Hochdruck an der weiteren vollständigen Reformierung des neuen Zulassungsverfahren weitergearbeitet werden müsse. „Komplexe und validierte Auswahlverfahren der Hochschulen dürfen jedoch nicht einer rückständigen Infrastruktur der Vergabestelle zum Opfer fallen“, so Luca.

MFT und bvmd hatten einen gemeinsamen Vorschlag zur Neugestaltung des Auswahlverfahrens vorgelegt

as Bundesverfassungsgericht hatte im Dezember die derzeitigen Regelungen in seinem Numerus-Clausus-Urteil zum Teil als verfassungswidrig eingestuft. Die Karlsruher Richter störten sich dabei nicht grundsätzlich an der hohen Bedeutung der Abiturnote. Sie kritisierten aber die zu langen Wartezeiten auf einen Medizin­studienplatz von bis zu acht Jahren. Zudem gaben sie vor, dass der Gesetzgeber für das Auswahlverfahren der Hochschulen neben der Abiturnote weitere Auswahlkriterien vorschreiben muss.

Das Zulassungsverfahren soll bis Ende 2019 in einem neuen Staatsvertrag geregelt werden. Die KMK räumte aber ein, dass das neue System und vor allem der Datenaustausch mit den Hochschulen aus technischen Gründen bis dahin noch nicht komplett funktionieren würden. © afp/mis/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Montag, 18. Juni 2018, 22:08

Gerecht wäre

nur ein Losverfahren unter Studienplatzbewerbern mit mindestens gut abgeschlossenen Leistungskursen in einem naturwissenschaftlichen Fach (Physik, Chemie, Mathematik, Biologie). Das würde die weibliche Dominanz in der Medizin korrigieren (zurzeit 70/30!). Dazu eine Begrenzung der Zahl der Teilnahmen an der Auslosung... und fertig. Wer seine Praxis unbedingt in der Familie weitergeben will, muss dann halt eine private "Medical School" für das Privileg bezahlen...
Avatar #108046
Mathilda
am Montag, 18. Juni 2018, 13:13

Nicht das Zulassungsverfahren ist das Problem, ...

... sondern das Beharren auf dem Universalstudienfach "Medizin". Ein Pharmakologe, der am Computer oder mit Ratten arbeitet, ein Kinderpsychiater oder ein Chirurg - sie benötigen völlig unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten und eine völlig unterschiedliche Motivation für Studium und Beruf. Wen soll das Zulassungsverfahren denn da auswählen?
Das Medizinstudium sollte zu einem Bachelor- und Masterstudium umgebaut werden mit Spezialisierungen von Beginn an. Zahnmedizin oder Veterinärmedizin sind schließlich auch separate Studiengänge.
Avatar #88255
doc.nemo
am Montag, 18. Juni 2018, 08:33

Das gerechteste Zulassungsverfahren

Es gibt nur ein einziges, wirklich gerechtes Zulassungsverfahren, nämlich ausschließlich nach Wartezeit! Jeder neue Abiturjahrgang müsste sich dann vollständig hinten anstellen. Wer was in seiner Wartezeit macht, wäre dabei unerheblich. Das würde zwar das Durchschnittsalter der Absolventen erhöhen, aber damit könnte sich eine Gesellschaft arrangieren. Vielleicht würde so ein Verfahren jene abschrecken, die nur aus Geld- und Prestigegründen Arzt werden wollen.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 17. Juni 2018, 23:43

Die Abiturnote

ist ein Maß dafür, wie gut Jugendliche unter Aufsicht ihrer Eltern lernen können. Sie sagt nichts aus über: die geistigen Reserven, das naturwissenschaftliche Verständnis, die manuellen, diagnostischen oder kommunikativen Fertigkeiten. Sie sagt auch nichts aus über die intrinsische Motivation. Kurz gesagt, ein Student mit einer sehr guten Abiturnote wird nicht automatisch zu einem guten Arzt. Lediglich der Umkehrschluss ist brauchbar; jemand mit sehr schlechten Abiturnoten (vor Allem in den Naturwissenschaften) ist für den Arztberuf ungeeignet.

Stellt sich nur die Frage, ob ein aufwendiges Auswahlverfahren seitens der Hochschule überhaupt notwendig ist. Der Arztberuf ist vielfältig, es gibt genügend Nischen für die unterschiedlichsten Begabungen. Die Prüfung einzelner Begabungen ist also überflüssig. Also was wäre aus meiner Sicht sinnvoll und machbar?

Als erstes ein bundesweit einheitlicher schriftlicher Test zum Thema naturwissenschaftliches Allgemeinwissen. Die verbliebenen Anwärter würden per Los auf das Doppelte der geplanten Studentenzahl reduziert. Diese müssen dann in Kleingruppen in den Sommerferien mit einem erfahrenen Arzt für etwa eine Woche auf Station mitlaufen. Dieser Arzt bewertet die manuellen und kommunikativen Fähigkeiten der Anwärter mit der Aufgabe, die offensichtlich Ungeeigneten auszusortieren. Wahrscheinlich werden zu diesem Zeitpunkt immer noch zu viele Anwärter auf der Liste stehen, dann wäre eine weitere Losrunde fällig. Um nicht Alles dem Zufall zu überlassen und um dafür zu sorgen, dass alle Fachbereiche mit geeigneten Studenten versorgt werden, könnte eine Reihe von Hochschulmitarbeitern als Mentoren auftreten. Jeder bei der zweiten Losrunde aussortierte Anwärter hätte ein Anrecht auf genau ein Gespräch mit einem möglichen Mentor aus der Liste. Die Fürsprache eines Mentors wäre für beide Seiten vorteilhaft: für den Anwärter öffnet sich der Weg zum Studium, der Mentor (gerade in den Nischenfächern) hat die Gelegenheit gezielt Nachwuchs für seinen Bereich zu suchen. Um Missbrauch vorzubeugen, müsste vorher klar sein, wie viele Empfehlungen die Mentoren aussprechen dürfen und es müsste z.B. ein Betreuungsvertrag für ein oder zwei Jahre geschlossen werden.

Ich persönlich finde es gut, wenn die Wartezeitregelung abgeschafft wird. Durch die Wartezeit wird man weder klüger noch besser motiviert. Ein Losverfahren ist für Alle gleichermaßen (un)gerecht. Ein Mentorenprogramm hätte den Vorteil Kandidaten mit besonderer Motivation oder besonderer Begabung eine zusätzliche Chance zu geben.
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 15. Juni 2018, 21:06

Das BVG

hat doch ausdrücklich verlangt, dass die nicht vergleichbaren und daher ungerechten Abiturnoten im Zulassungsverfahren nicht mehr ausschlaggebend sein sollten.
Es entscheidet also in einem Fünftel der Fälle eine Note, die nichts mit der Eignung für das Studium zu tun hat! Vorkliniker, die keine Ahnung von naturwissenschaftlichen Fächern haben, weil die einem ja den Schnitt versauen können, Einser-Abiturienten mit dem berühmten "Bremer Abitur" auf FOR-Niveau...
Ein glatter Fehlschuss der KMK
Avatar #723851
Gefäßarzt
am Freitag, 15. Juni 2018, 20:15

Scheinheilig

Nach meiner Erfahrung machen die übrigen Auswahlebenen indirekt ebenso im wesentlichen die Abiturnote zum Kern der Differenzierung - Anderes macht wohl auch zu viel Arbeit und kostet Zeit. Ehrliches Warten wird nun noch zusätzlich bestraft. Bei meiner täglichen Arbeit waren gerade für schneidende Fächer bisher nicht gerade die Abiturbesten eine Bereicherung. Genug doppelte Linkshänder durfte ich dabei erleben. Für schneidende Fächer wie meines ist dies keine gute Zukunftsaussicht. Gott sei Dank gibt es weiterhin aus dem Ausland gut ausgebildete - für unser Land zu untalentierte - deutsche Studenten und EU -Bürger, die das zum Teil - leider auf Kosten der Stammländer - ausgleichen. Und Empathie zeigt sich in der Abiturnote - was Sie auch immer noch aussagen soll - offensichtlich nicht.
Da war das alte Losverfahren fairer, auch wenn es mir als alter 1 er Schüler vor Jahrzenten nichts nützte.
LNS

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