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Medizin

Wie nächtlicher Fluglärm Gehirn und Blutgefäße schädigt

Freitag, 15. Juni 2018

/dpa

Mainz – Der Stress, der durch eine nächtliche Lärmbelästigung, vornehmlich durch Flugzeuge ausgelöst wird, schädigt Blutgefäße und das Gehirn. Welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, zeigen Experimente an Mäusen, die jetzt im European Heart Journal (2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy333) veröffentlicht wurden. 

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass Menschen, die einer nächtlichen Lärmbelästigung ausgesetzt sind, häufiger an arterieller Hypertonie, Koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Schlaganfall erkranken. Eine weitere Folge sind Lernstörungen in der Schule. 

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In früheren Studien hatte ein Team um Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz bereits herausgefunden, dass Nachtfluglärm das Stresshormon Adrenalin erhöht und dadurch einen Gefäßschaden erzeugt, der als endotheliale Dysfunktion bezeichnet wird. Kurzfristig steigt der Blutdruck, langfristig kommt es zu einer beschleunigten Atherosklerose. 

Der endothelialen Dysfunktion liegt eine Fehlfunktion der NO-Synthase zugrunde, die im Endothel Stickstoffmonoxid (NO) bildet, das zu einer Weitstellung der Gefäße führt.

Ein ähnliches Enzym gibt es auch im Gehirn, und die jetzigen Studienergebnisse zeigen, dass die neuronale NO-Synthase durch nächtlichen Lärm herunter reguliert wird. Dies könnte erklären, warum die durch Lärm ausgelöste Stressreaktion auch das Gehirn schädigt. Diese schädliche Wirkung trat übrigens nur bei einer nächtlichen Lärmexposition auf. Dies könnte erklären, warum Lärm in den Nachtstunden der Gesundheit stärker zusetzt als am Tage.

Die Forschern können zeigen, dass an der Schädigung auch das Enzym NADPH-Oxidase beteiligt ist, das hauptsächlich in Entzündungszellen vorkommt. Dies bestätigt die Vermutung, dass der Lärm neben einer endothelialen Dysfunktion auch eine vermehrte Entzündungsreaktion auslöst.

Ein weiteres Gen, das durch den Lärm vermindert aktiviert wurde ist, der Trans­kriptions­faktor FoxO3. Bei den Mäusen konnten die Gefäßschäden durch den FoxO3-Aktivator Bepridil verhindert werden. Bepridil war zeitweise in den USA zur Behand­lung der Angina pectoris zugelassen. Es verbessert die Herzdurchblutung durch eine Vasodilatation der Koronarien. Das Mittel wurde jedoch vom Markt genommen, weil es lebensgefährliche ventrikuläre Arrhythmien auslösen kann. Münzel hält es jedoch für möglich, dass andere Mittel gefunden werden, um die negativen Effekte von Fluglärm auf den Körper zu neutralisieren. © rme/aerzteblatt.de

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Ferdinand Wolfbeißer
am Freitag, 6. Juli 2018, 09:08

Arteriosklerose durch Lärm.

Arteriosklerose durch Lärm.
Ich denke, die Abhilfe für diese Bedrohung liegt in der Substitution von Vitamin C. Infolge des erhöhten Bedarfes durch den erhöhten Anfall freier Radikale steht es dann nicht mehr genug Vitamin C zur Kollagenbildung in den Gefäßwänden zur Verfügung. Die Folge davon sind Gewebsbrüche aufgrund mangelnder Festigkeit der Arteriengewebe. Das erklärt auch, warum gerade die mechanisch am stärksten beanspruchten Abschnitte des arteriellen Systems (Koronargefäße) von der Arteriosklerose betroffen.
LNS

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