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Medizin

ECDC befürchtet Ausbreitung carbapenem­resistenter Enterobakterien

Freitag, 15. Juni 2018

/dpa

Stockholm – Die Zunahme von carbapenemresistenten Enterobakterien (CRE) in einigen südeuropäischen Ländern bereitet Infektiologen auch in anderen EU-Ländern zunehmend Sorgen. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) befürchtet in einem Rapid Risk Assessment eine Ausbreitung auf andere Länder.

Die Enterobakterien Escherichia coli und Klebsiella pneumonia sind Teil der normalen Darmflora und als solche bei jeder oralen Antibiotikatherapie einem Selektionsdruck ausgesetzt. In den letzten Jahrzehnten ist es, zuerst in K. pneumoniae und dann in E. coli, zur Ausbreitung von Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen gekommen, die Resistenzen gegen Penicilline und Cephalosporine vermitteln. Bei ernsthaften Infektionen – etwa beatmungsassoziierten Pneumonien oder Blutbahninfektionen – konnten die Ärzte bisher auf Carbapeneme ausweichen.

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Bei E. coli sind Carbapeneme eine sichere Option geblieben. Nach den Daten des European Antimicrobial Resistance Surveillance Network ist der Anteil der Isolate mit einer verminderten Empfindlichkeit zwischen 2013 und 2016 im EU/EWR-Raum sogar leicht von 0,2 % auf 0,1 % zurückgegangen. Bei K. pneumoniae ist dies nicht der Fall. In den meisten Ländern liegt der Anteil zwar noch unter 5 %. In Rumänien, Italien und Griechenland sind jedoch bereits 31 %, 34 % beziehungsweise 67 % der Isolate gegen Carbapenem resistent.

Mit einer Ausbreitung der CRE auf andere Länder muss nach Einschätzung der ECDC jederzeit gerechnet werden. Die Behörde rät deshalb zu Vorsichtsmaßnahmen. Die Klinikärzte sollten die Patienten danach befragen, ob sie in den letzten 12 Monaten in den 3 Ländern stationär behandelt wurden. CRE könnten jedoch auch von außerhalb Europas eingeschleppt werden. Die ECDC rät zur Vorsicht bei Patienten aus Ländern der östlichen und südlichen Mittelmeerregionen sowie aus Ländern des indischen Subkontinents und aus Südostasien.

Weitere Risikofaktoren sind eine Dialysepflicht sowie nachgewiesene Besiedlung mit CRE. Die ECDC rät, diese Patienten auf eine Besiedlung mit resistenten Keimen zu untersuchen und gegebenenfalls in Einzelzimmern zu isolieren. Wenn eine CRE aufgetreten ist, sollten auf Stationen mit hohem Ausbreitungsrisiko (Intensivstation oder hämatologisch-onkologische Station) rektale Abstriche bei allen Patienten entnommen werden.

Die Behandlungen sollten nicht empirisch, sondern rational nach den Prinzipien einer „Antibiotic Stewardship“ erfolgen. Wichtig sind aus Sicht der ECDC auch rechtzeitige und angemessene Laboruntersuchungen sowie die Meldung von Resistenzfällen. © rme/aerzteblatt.de

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