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Politik

Schleswig-Holstein will Budgetierung abschaffen

Montag, 18. Juni 2018

/snapshot, stockadobecom

Kiel – Schleswig-Holsteins Ge­sund­heits­mi­nis­ter Heiner Garg (FDP) will die Budge­tierung in der vertragsärztliche Versorgung in Deutschland abschaffen. Um den Beruf attraktiver zu machen, sollten die Honorare für Ärzte künftig nicht mehr gedeckelt werden, sagte Garg den Kieler Nachrichten vom Montag. Über einen entsprechenden Antrag wolle er bei der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz am 20. und 21. Juni in Düsseldorf abstimmen lassen.

„Die Entbudgetierung ist ein einfacher und wirksamer Beitrag zur Fachkräftesicherung, da dann Ärzte für ihre tatsächlich erbrachte Leistung auch vergütet würden“, sagte Garg. Seit Einführung der gedeckelten Honorare im Jahr 1993 hätten sich die Rahmenbedingungen „dramatisch verändert“. Die Budgetierung sei ein Bremsklotz bei der Sicherung unserer Gesundheitsversorgung.

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Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) führt die Budge­tierung dazu, dass bundesweit rund sechs Prozent der hausärztlichen Leistungen und rund 15 Prozent der fachärztlichen Leistungen nicht vergütet werden. In Schleswig-Holstein seien es rund zehn Prozent der hausärztlichen und rund elf Prozent der fachärztlichen Leistungen.

Leistungen werden nicht vergütet

Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) begrüßte den Vorstoß des Ministers. „Es muss ein Ende haben, dass Ärzte und Psychotherapeuten ihre Patienten gewissenhaft und mit hohem Engagement behandeln, ihre Leistungen aber zum Ende des Quartals nur noch zu einem Bruchteil bezahlt bekommen, während die Betriebs­kosten der Praxis weiterlaufen", sagte die KVSH-Vorstandsvorsitzende Monika Schliffke am Montag.

Während die Politik eine immer umfangreichere Versorgung verspreche und von Ärzten mehr Termine und mehr Sprechstunden fordere, bekämen diese seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Teil ihrer Leistungen nicht vergütet. Das kann nicht funktionieren und macht die Niederlassung unattraktiv", sagte Schliffke. Und das in einer Zeit, in der dringend ärztlicher Nachwuchs für die Praxen gesucht werde.

Gegenwind von der AOK Nordwest

„Eine pauschale Entbudgetierung und damit Wegfall der Ärztebudgets, wie von Minister Garg gefordert, lehnen wir ab“, sagte Vorstandschef Tom Ackermann. Das bestehende Vergütungssystem, das in seiner Ausgestaltung auch regionale Besonder­heiten mit berücksichtige, habe sich in den vergangenen Jahren bewährt.

„Die Abrechnung bestimmter haus- und fachärztlicher Leistungen als Grundpauschale an Stelle kleinteiliger Einzelleistungsvergütungen sehen wir weiterhin als Vorteil für Ärzte und Patienten.“ Das Geld der Beitragszahler dürfe nicht mit der Gießkanne verteilt werden, sondern muss immer auch eine bessere Versorgung nach sich ziehen. „Dies sollte im Mittelpunkt der Diskussion stehen.“

© dpa/aerzteblatt.de

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Haiko
am Donnerstag, 21. Juni 2018, 01:59

Patienten sollten sich selber besser steuern wie in der Schweiz liebe Krankenkassen

In der Schweiz erhalten die Kran­ken­ver­siche­rungen nur 25% dessen, was deutsche Krankenversicherer einnehmen. Dies liegt an 300-2500 Euro Selbstbeteiligung der Kranken.
j.g.
am Montag, 18. Juni 2018, 23:20

Obergrenze

Nur zur Erinnerung: die Obergrenze des Honorars, die Deckelung, geht auf Seehofer vor 15 Jahren zurück. Aktuell hyperventiliert er wieder an einer Quote. Wenn er damit fertig ist, wird er seinen Hofhund Dobindt mit der Mütterinnenrente auf uns losschicken. Besser wär es, er würde seine Kegel aus eigener Tasche alimentieren.
isnydoc
am Montag, 18. Juni 2018, 22:20

Da gab es das Neubauer-Gutachten in Bayern

Was hat man dazu aus den oberen Etagen der Standesvertreter gehört?
https://www.presseportal.de/pm/61299/3445667
Schleswig-Holstein nun durch Garg-Initiative aufgewacht?

kairoprax
am Montag, 18. Juni 2018, 19:22

tolle Idee. Warum ist noch nie jemand darauf gekommen?


Ich möchte wetten, daß das in eine andere Form des Sparens übergeht. Wahrscheinlich haben wir dann kein Budget mehr, aber floatierende Vergütung. Oder eine Erweiterung des Pauschalensystems. Oder die Verpflichtung in ein Disease-Management einsteigen zu müssen.
Die Klaviatur der Politiker schgeint unerschöpflich.
Und dann gibt es ja auch noch die AOK, welche dem Herrn Garg sehr schnell erzählen wird, wie schlecht es doch den Versicherungen geht, und daß jede Öffnung des Gudgetsy<stems unweigerlich in eine Verarmung der Sozialsysteme führen wird ...
Skepsis.
Immerhin, da sieht wenigstens jemand den Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Zahlen der Niedergelassenen mit deren Finanzspielkraum - und sagt das auch noch laut.

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