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Geistheilerin gehört zum Gesundheitswesen

Dienstag, 19. Juni 2018

Kassel – Auch eine Geistheilerin ist dem Gesundheitswesen zuzurechnen. Das gilt jedenfalls für die gesetzliche Unfallversicherung, wie heute das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel entschied. Danach muss eine Heilerin aus Bayern Beiträge zur Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege bezahlen (AZ: B 2 U 9/17 R).

Die Klägerin betreibt – inzwischen als Rentnerin – in Bayern eine sogenannte Praxis für energetische Körperarbeit. Bei ihren Behandlungen begebe sie sich in eine „höhere Schwingungsebene“, erläuterte sie am Rande der BSG-Verhandlung in Kassel. Dadurch würden kranke Körperzellen des Kunden so beeinflusst, dass sie sich an ihren ursprünglich gesunden Zustand wieder „erinnern“.

Anerkannte Heilpraktiker, etwa Physiotherapeuten, gelten als Freiberufler und müssen daher nicht der gesetzlichen Unfallversicherung beitreten. Die nach Schätzung des Dachverbands Geistiges Heilen bundesweit mindestens 10.000 Geistheiler sind nicht anerkannt und gelten daher als gewerbetreibende Unternehmer.

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Die Klägerin meinte, wenn ihre Tätigkeit nicht als Gesundheitsberuf anerkannt sei, müsse sie auch zur Gesundheitsberufsgenossenschaft keine Beiträge zahlen. Das BSG bestätigte die Beitragsbescheide über zuletzt 137 Euro pro Jahr jedoch als rechtmäßig. Entscheidend für die Versicherungspflicht ist danach das Ziel der Tätigkeit.

Dieses sei hier nach eigener Darstellung der Klägerin, Krankheiten zu heilen oder abzuwenden. Dabei müsse die Berufsgenossenschaft die Tätigkeit nicht prüfen oder bewerten, betonten die Kasseler Richter. Keine Rolle spiele es daher, ob die Tätigkeit staatlich anerkannt sei oder ob die angewandten Methoden dem wissenschaftlich anerkannten Stand der Medizin entsprächen. © afp/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Mittwoch, 20. Juni 2018, 23:35

Wortverständnis bei Richtern

Ein Geistheiler beschäftigt sich mit dem Geist oder der Seele. Ein Geistheiler behandelt keine „Geisteskranken“, denn diese sind psychisch krank und gehören in die Psychiatrie. Der Geisteszustand eines Menschen hat sehr viel mit dem materiellen Substrat des Gehirns zu tun und nichts mit den metaphysischen Kategorien „Geist“ oder „Seele“. Einen Geist oder eine Seele kann man nicht wiegen oder vermessen, einfach deshalb weil sie nur im Glauben der Menschen existieren und nicht in der materiellen Welt. Aus diesem Grund kann man den Geist oder die Seele eines Menschen auch nicht heilen.

Ob eine Geistheilung eine Psychotherapie ersetzen kann, wage ich zu bezweifeln. Eine Beitragspflicht in der Berufsgenossenschaft Gesundheit ist ein unnötiger Ritterschlag für diesen esoterischen Unfug und adelt Geistheiler zu einem offiziellen Gesundheitsberuf. Den Richtern vom Bundessozialgericht kann man nur raten, an ihrem Wortverständnis zu arbeiten und ein paar Unterrichtsstunden in Philosophie zu nehmen.

PS: Selbst die evangelischen Kirchen haben ihre Mitarbeiter aus der Seelsorge bei der Verwaltung-Berufsgenossenschaft versichert:
https://www.efas-online.de/informationen/fuer-mitarbeitende/versicherungsschutz
Avatar #88255
doc.nemo
am Mittwoch, 20. Juni 2018, 12:55

Inkonsistente Rechtsprechung?

Steht das Urteil nicht im Widerspruch zu dem unseligen BVerfG-Urteil, wonach Geistheilerei keine Ausübung der Heilkunde darstellt und damit auch nicht erlaubnispflichtig ist?
Avatar #555822
j.g.
am Dienstag, 19. Juni 2018, 21:33

Die Rotröckchen in Kassel

bedürfen offensichtlichlich einer Geistheilung.
Konsequenterweise müßten beispielsweise Frisöre und Nailshop-Betreiber ebenfalls in die Gesundheits-BG einzahlen.
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