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Medizin

HPV-Impfung: Weniger Läsionen bei der ersten Vorsorgeuntersuchung in Dänemark

Dienstag, 19. Juni 2018

/dpa

Kopenhagen – In Dänemark hat der erste Jahrgang von jungen Mädchen, die gegen onkogene humane Papillomaviren (HPV) geimpft wurden, das Alter für die Früher­kennung des Zervixkarzinoms erreicht. Bei den schweren Dysplasien ist es laut einem Bericht im International Journal of Cancer (2018; doi: 10.1002/ijc.31568) zu dem erwarteten Rückgang gekommen. Für den Anstieg von Läsionen mit unklarem Befund gibt es eine plausible Erklärung.

In Dänemark ist die HPV-Impfung seit Oktober 2008 Bestandteil des pädiatrischen Impfkalenders. Zum Einsatz kommt überwiegend der tetravalente Impfstoff. Die Impfung erfolgt in der Regel im Alter von 15 Jahren. Im ersten Jahr nahmen 86 % des Jahrgangs an der Impfung teil. Weitere 6 % ließen sich später impfen. 

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Die jungen Frauen hatten 2016 das Alter von 23 Jahren erreicht, in dem sie ihre erste Einladung zur Vorsorgeuntersuchung erhalten. Etwa 60 % nahmen den Termin wahr. Um die Auswirkungen der Impfung zu untersuchen, haben Lise Thamsborg von der Universität Kopenhagen und Mitarbeiter die Ergebnisse mit der Früherkennung von vor 10 Jahren verglichen, als der Impfstoff noch nicht auf dem Markt war.

Bei den schweren Dysplasien (HSIL für „high-grade“ intraepitheliale Läsion, entsprechend CIN2/3 in der Deutschland benutzten Klassifikation) kam es zu dem erhofften Rückgang. Die Diagnose war vor Einführung der Impfung bei 1,8 % der Erstgescreenten gestellt worden. Im ersten geimpften Jahrgang hatten nur noch 1,1 % der Frauen eine HSIL. Thamsborg ermittelt ein relatives Risiko von 0,6, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,5 bis 0,7 statistisch signifikant war. Die Impfung hat demnach bis zu 40 % der Frauen eine Nachuntersuchung mit eventuell anschließender Behandlung erspart. Die Erfahrungen aus Dänemark entsprechen damit weitgehend den Ergebnissen der randomisierten FUTURE-Studie, in der es zu einem Rückgang um 44,5 % gekommen war.

Bei den leichten Dysplasien (LSIL für „low-grade“ intraepitheliale Läsion, entsprechend CIN 1) gab es dagegen keinen Rückgang. Sie traten in beiden Gruppen bei etwa 4 % der Abstriche auf. Bei den ASCUS-Läsionen (für „Atypical Squamous Cells of Unknown Significance“), bei der sich die Untersucher nicht sicher sind, ob bereits eine Dysplasie vorliegt, kam es sogar zu einem signifikanten Anstieg von 3,0 auf 4,2 % (relatives Risiko 1,4; 1,2–1,6).

Die wahrscheinlichste Erklärung ist der Wechsel von der konventionellen zur flüssig­keitsbasierten Zytologie (Dünnschichtzytologie), der in Dänemark 2006 erfolgte. Die neue  Dünnschichtzytologie erleichtert das Erkennen verdächtiger Zellen, was sich in einem Anstieg der ASCUS-Diagnosen zeigt.

Die Ergebnisse lassen sich natürlich nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen. In Dänemark gaben 37 % der 15-jährigen Teenager bei der Impfung an, dass sie bereits Sexualkontakte hatten. Die beste Wirkung erzielt die Impfung, wenn sie vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt. © rme/aerzteblatt.de

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