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Medizin

Kasus: Wenn nach der Tätowierung der Muskel schmerzt

Mittwoch, 20. Juni 2018

/mikhail_kayl, stockadobecom

Glasgow – Patienten mit einer geschwächten Immunabwehr sollten sich zweimal überlegen, ob sie sich tätowieren lassen. Dies raten schottische Mediziner nach einer ungewöhnlichen Komplikation, über die sie im BMJ Case Reports (2018; doi: 10.1136/bcr-2018-224968) berichten.

Eine 31 Jahre alte Frau mit Mukoviszidose, die nach einer Lungen­trans­plan­ta­tion 3 Immunsuppressiva einnahm (Mycophenolat, Tacrolimus, Prednisolon) hatte sich ein 25 cm mal 20 cm großes farbiges Tattoo auf den Oberschenkel stechen lassen. 9 Tage später kam es zu starken Schmerzen, die nicht auf die Wundheilung zurückzuführen waren und deretwegen sie mit Tramadol, Paracetamol und Nefopam behandelt werden musste. Schließlich wandte sie sich an eine rheumatologische Fachklinik in Glasgow. Die Ärzte dort konnten jedoch keine internistische Ursache ermitteln. Auch die Gelenke waren ohne Befund. Die Suche nach Krankheitserregern blieb ebenfalls erfolglos.

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Am Ende entschieden sich die Ärzte für eine Biopsie des geschwollenen M. vastus medialis. Die histopathologische Untersuchung zeigte eine Schädigung der Muskel­zellen durch eine chronische Entzündung. Zeichen einer Infektion konnten nicht nachgewiesen werden. Die Ärzte diagnostizierten eine entzündliche Myopathie, deren Ursache sie nicht klären konnten. 

Da sich der betroffene Muskel direkt unter dem Tattoo befand und die Beschwerden unmittelbar nach der Tätowierung auftraten, vermuten sie, dass die entzündliche Reaktion durch die verwendete Tinte, Verunreinigungen oder vielleicht doch durch (inzwischen nicht mehr nachweisbare) Krankheitserreger ausgelöst wurden, die mit dem Stechen in den Muskel gelangten.

Die starke Immunsuppression könnte nach Ansicht von William Wilson und Mitarbeitern die Entwicklung der Myopathie gefördert haben. Auch der Diabetes, an dem die Patientin infolge der Mukoviszidose litt, könnte eine Rolle gespielt haben.

Die Patientin hat sich nach einer Physiotherapie zur Stärkung der Oberschenkel­muskulatur am Ende doch von der Myositis erholt. 3 Jahre nach der Tätowierung ist sie schmerzfrei und sie kann wieder ihren normalen Tätigkeiten nachgehen. © rme/aerzteblatt.de

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