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Ausland

Großbritannien braucht mehr ausländische Ärzte

Mittwoch, 20. Juni 2018

/dpa

London – Das Vereinigte Königreich braucht dringend einen gemeinsamen und strategischen Ansatz für die Rekrutierung von Ärzten aus dem Ausland. Diese Auffassung vertreten James Buchan und Anita Charlesworth von „The Health Foundation“ in einem Editorial im British Medical Journal (BMJ 2018; doi: 10.1136/bmj.k2543). 

Die Entscheidung der britischen Regierung, die Visaregelung für internationale Ärzte zu überprüfen, sei „ein seltener Schimmer von gesundem Menschenverstand“, schreiben sie.

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Die Personalprobleme im Gesundheitswesen seien in hohem Maße „auf einen lähmen­den Mix aus widersprüchlichen politischen Zielen und unzureichender nationaler Personalplanung und -finanzierung im Gesundheitswesen zurückzuführen“, erklären die Autoren. Dies habe zu einer langfristigen Blockade bei der internationalen Rekru­tierung von Ärzten und anderen medizinischen Fachkräften geführt. 

Buchan und Charlesworth weisen darauf hin, dass der Bericht des Gesundheits­ausschusses des britischen Parlaments über die Personalplanung des National Health Service (NHS) bereits vor zehn Jahren von einem „katastrophalen Scheitern der Planung“ gesprochen habe, zum Teil wegen eines „deutlichen Mangels an Über­einstimmung“ zwischen inländischer Ausbildung und aktiver internationaler Rekrutierung. Die Autoren des Berichtes empfahlen damals, dass das Gesundheits­ministerium „effektiver mit anderen Abteilungen, insbesondere dem Innenministerium, zusammenarbeiten muss, um sicherzustellen, dass die internationale Rekrutierung fair und konsistent ist“. 

Dennoch scheine sich wenig geändert zu haben, meinen Buchan und Charlesworth. Zwar gebe es „unbedachte Aussagen“ darüber, dass Großbritannien bei Ärzten und Krankenschwestern „Selbstversorger“ werde – es sei aber höchst unwahrscheinlich, dass dies in absehbarer Zeit geschehe, da die derzeitigen vielen unbesetzten Stellen, die Überalterung der einheimischen Arbeitskräfte des NHS und die Indikatoren für die Mitarbeiterbindung keine wesentliche Verbesserung zeigten, argumentieren sie.

„Die einfache Wahrheit ist, dass es keine allgemeine Regierungspolitik, keinen veröffentlichten Plan oder die unmittelbare Wahrscheinlichkeit einer Selbstversorgung von Ärzten oder Krankenschwestern in Großbritannien gibt“, lautet ihre Diagnose.

„Was wir brauchen, ist ein gemeinsamer und strategischer Ansatz für die internationale Rekrutierung von Fachkräften im Gesundheitswesen, an dem die staatlichen Ge­sund­heits­mi­nis­terien, das Innenministerium, die Regulierungsbehörden und die Arbeitgeber beteiligt sind und der in die gesamte nationale Personalplanung im Gesundheitswesen eingebettet ist“, so ihr Appell. © hil/aerzteblatt.de

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andreabraun
am Sonntag, 24. Juni 2018, 17:54

I used to love you, Britain......

Ich habe dem britischen Gesundheitssystem persönlich viel zu verdanken, den absolut besten Teil meiner Facharztausbildung, die ersten ideas einer multikulturellen Gesellschaft, verstehen was Höflichkeit bedeutet, und vieles mehr.
Am Brexit kann ich aber schlecht vorbeischauen, welche Perspektiven hätte ich heute in einer so zerrissenen nationalistisch geprägten Gesellschaft als Ausländer, als Kraut?
Hoffentlich gibt es eine neue nationale Abstimmung über die konkreten Brexit-konditionen, so dass wir unter dem europäischen Dach wieder grenzenlos auch im UK tätig werden können.
LNS

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