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Medizin

Keimzellmutationen in sechs Genen häufige Ursache des Pankreaskarzinoms

Mittwoch, 20. Juni 2018

/catalin, stockadobecom

Rochester/Minnesota – Mehr als 5 % aller Patienten mit duktalem Pankreaskarzinom weisen Mutationen in 6 Genen auf, die in einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 2401–2409) mit einem deutlich erhöhten Krebsrisiko verbunden waren. Eine genetische Untersuchung der Patienten könnte in Zukunft Hinweise auf eine zielgerichtete Therapie liefern und zeigen, ob die Angehörigen ein erhöhtes Risiko haben.

Das Pankreaskarzinom hat die schlechteste Prognose aller häufigen Krebserkran­kungen. In Deutschland ist die Zahl der Sterbefälle (16.615 im Jahr 2014) fast ebenso hoch wie die Zahl der Neuerkrankungen (17.130). Wie beim Darmkrebs besteht eine genetische Prädisposition, die in epidemiologischen Studien auf 10 bis 20 % geschätzt wird.

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Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass Mutationen in den Genen BRCA2, PALB2 und CDKN2A das Risiko erhöhen. Ein Team um Fergus Couch von der Mayo Clinic in Rochester hat jetzt bei 3.030 Patienten mit einem duktalen Adenokarzinom, der häufigsten Form des Pankreaskarzinoms, nach Mutationen in 21 bekannten Krebsgenen gesucht und die Ergebnisse mit veröffentlichten Gensequenzen von über 178.000 Menschen verglichen, die nicht an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt waren.

Die Forscher konnten 2 der 3 bekannten Assoziationen bestätigen: Mutationen im Gen CDKN2A wurden bei den Krebspatienten mehr als 12-mal (Odds Ratio 12,33) und Mutationen im Gen BRCA2 mehr als 6-mal häufiger gefunden (Odds Ratio 6,20). Die mehr als 2-fache Häufung von PALB2 (Odds Ratio 2,33) war dagegen in einer adjustierten Analyse nicht signifikant. 

Dafür wurden Mutation in 4 weiteren Genen gefunden. Bei TP53 betrug die Odds Ratio 6,70, bei MLH1 6,66, bei ATM 5,71 und bei BRCA1 2,58. Couch ist sich sicher, dass diese Mutationen für die Entwicklung des Pankreaskarzinoms verantwortlich sind.

Insgesamt wurden Keimzellmutationen bei 5,5 % der Patienten gefunden. In der Gruppe mit weiteren Erkrankungen in der Familie lag der Anteil bei 7,9 %. Die Patienten hatten mit 13,6 Monaten eine etwas längere mittlere Überlebenszeit als Patienten ohne Mutationen, die im Mittel noch 11,4 Monate lebten.

Die Verbreitung der Mutationen lässt nach Ansicht von Couch ein Screening von Patienten mit Pankreaskarzinom medizinisch sinnvoll erscheinen. Bei einem positiven Ergebnis könnten die Verwandten sich testen lassen und sich bei einem positiven Ergebnis einer intensiven Vorsorge unterziehen (deren Nutzen allerdings noch nicht durch Studien belegt ist). Für die Patienten selber könnte der Nachweis einer Mutation Auswirkungen auf die Therapie haben. Bei Patienten mit Mutationen in den BRCA-Genen könnten beispielsweise PARP-Inhibitoren vorteilhaft sein (die derzeit in klinischen Studien untersucht werden). Ohne einen nachgewiesenen Nutzen durch Früherkennung oder gezielte Therapie kann ein Screening nicht empfohlen werden. © rme/aerzteblatt.de

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