NewsVermischtesFachkräftemangel auch in stationärer Psychiatrie zentrale Herausforderung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Fachkräftemangel auch in stationärer Psychiatrie zentrale Herausforderung

Mittwoch, 20. Juni 2018

/dpa

Berlin – 63 Prozent der stationären Psychiatrien haben im Augenblick Probleme damit, offene Stellen im ärztlichen Dienst zu besetzen. Besonders problematisch ist die Situation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Hier konnte in den betroffenen Einrichtungen jede fünfte Arztstelle nicht besetzt werden. Außerdem haben 45 Prozent der Einrichtungen Schwierigkeiten, offene Stellen im Pflegedienst zu besetzen.

Dies ist das Ergebnis des aktuellen „Psychiatrie-Barometers“ des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI), einer jährlich durchgeführten Repräsentativbefragung der psychiatrischen und psychosomatischen Krankenhäuser und Fachabteilungen in Deutschland.

Anzeige

„Das Problem des Fachkräftemangels nimmt damit auch in der Psychiatrie besorgnis­erregende Ausmaße an“, erklärte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß. Er wies in diesem Zusammenhang auf die laufende Arbeit im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss an einer Richtlinie zu Mindestanforderungen in Psychiatrie und Psychosomatik hin. Für diese Richtlinie sei die Erhebung des DKI „zwingend zu berücksichtigen“. „Objektive Stellenbesetzungsunmöglichkeiten müssen akzeptiert werden, sonst kollabiert die Versorgung“, sagte Gaß.

Auch ein zweites Problem vieler Kliniken und Krankenhausträger schlägt sich in der Psychiatrie nieder: das der unzureichenden Krankenhausinvestitionen durch die Bundesländer. Laut der DKI-Studie kommen die Bundesländer ihrer finanziellen Verpflichtungen zur Vorhaltung der psychiatrischen Fachkrankenhäuser nicht ausreichend nach. Nur noch die Hälfte der Krankenhausinvestitionen werde aus öffentlichen Fördermitteln bestritten. Die andere Hälfte müssten die psychiatrischen Fachkrankenhäuser aus Eigenmitteln aufbringen.

Die Erlöse der Kliniken reichten aber nicht aus, um den Investitionsbedarf zu decken. Drei von vier Psychiatrien in Deutschland seien deswegen nicht ausreichend investitions­fähig. „In der Psychiatrie haben wir zum Teil eine lange Verweildauer, das konkrete Umfeld ist deshalb für diese Patienten von besonderer Bedeutung, auch für den angestrebten positiven Behandlungsverlauf“, sagte Gaß. 

Das Psychiatrie-Barometer wird im Auftrag der Träger des DKI erstellt, das sind die DKG, der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) und der Verband der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK). Die Ergebnisse des Barometers 2017/18 beruhen auf einer Vollerhebung in den psychiatrischen und psychosomati­schen Fachkrankenhäusern sowie den Allgemeinkrankenhäusern mit psychiatrischen oder psychosomatischen Fachabteilungen, welche von Oktober 2017 bis Dezember 2017 durchgeführt worden ist. Beteiligt haben sich 104 Einrichtungen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. November 2018
Naumburg – Heilbädern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg fehlen immer häufiger die Badeärzte. „In den Kurorten gehen in den nächsten Jahren viele Kur- und Badeärzte, also Hausärzte mit
Ärztemangel bereitet Kurbranche Sorgen
6. November 2018
Hannover – Pflegenotstand, Ärztemangel und Investitionsstau in den Krankenhäusern: Eine neue Enquete-Kommission soll Lösungen für die großen Herausforderungen der medizinischen Versorgung in
Expertengremium soll schnell Lösungen gegen Ärztemangel finden
2. November 2018
Berlin – Deutschland kann im internationalen Vergleich auf eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung mit sehr gutem Zugang zu wohnortnahen Gesundheitsdienstleistungen blicken. Künftig könnte
Versorgungsforschung: Kaum sektorenübergreifende Modelle im ländlichen Raum
1. November 2018
Berlin – Der Deutsche Ethikrat ist der Auffassung, dass Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie, in Altenpflege- und Behinderteneinrichtungen sowie in der Kinder- und Jugendhilfe nur als Ultima Ratio in
Ethikrat: Zwang in der Psychiatrie darf nur letztes Mittel sein
30. Oktober 2018
Hamburg – Der Hamburger Senat hat heute für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, die sich in der öffentlich-rechtlichen Unterbringung befinden, und Gefangene im Strafvollzug bei Fixierungen
Fixierungen in Hamburg künftig unter Richtervorbehalt
24. Oktober 2018
Hannover – Vor einer massenweisen Schließung von Praxen älterer Ärzte und daraus resultierenden Versorgungsengpässen warnt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen. „Die aufwendige
KV Niedersachsen warnt vor Praxisschließungen älterer Ärzte
18. Oktober 2018
Berlin – Die Struktur der niedergelassenen Ärzte in Deutschland verändert sich: Die Zahl der angestellten Haus- und Fachärzte steigt, in der jüngeren Generation von niedergelassenen Ärzten sind es
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER