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Medizin

Dialektische Verhaltenstherapie schützt Teenager vor Suiziden

Donnerstag, 21. Juni 2018

/dpa

Seattle – Eine dialektische Verhaltenstherapie, entwickelt von einer US-Psychologin, die als Jugendliche selbst am Borderlinesyndrom litt, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Psychiatry (2018; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.1109) die Suizidalität von Teenagern deutlich gesenkt.

Suizide sind nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache von Kindern und Jugend­lichen. Auf jeden Suizid kommen noch einmal 8 bis 25 Suizidversuche, und viele der betroffenen Teenager neigen zu selbstverletzendem Verhalten, das häufig Ausdruck einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist. Psychologen finden selten Zugang zu ihren Patienten, und bisher mangelt es an evidenzbasierten Therapien, mit der sich die Zahl der Suizidversuche oder Selbstverletzungen senken lässt.

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Die US-Psychologin Marsha Linehan, die selbst als Jugendliche an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung litt, hat für die betroffenen Patienten eine Variante der kognitiven Verhaltenstherapie entwickelt, die den jungen Patienten Einsicht in ihre Erkrankung vermitteln und Wege aufzeigen soll, die sie von weiteren Suizidversuchen abhält. Der Kerngedanke der dialektischen Verhaltenstherapie ist dabei, eine Konfrontation zwischen Psychologen und Patienten zu vermeiden, die sich bei einer Suizidalität von Jugendlichen schnell entwickeln kann.

Bei der dialektischen Verhaltenstherapie soll der Therapeut zunächst die Absichten des Patienten (als „These“) akzeptieren, um dann in einer therapeutischen Allianz einen Gegenentwurf („Antithese“) zu entwickeln, der unter Akzeptanz der Persönlichkeit des Patienten in einer „Synthese“ ein Weiterleben ermöglicht. 

Das Konzept wurde am Seattle Children's Hospital unter Leitung von Linehan in einer randomisierten Studie an 173 Jugendlichen mit einer konventionellen Gruppentherapie verglichen. Die Teilnehmer hatten einen Selbstmordversuch und zahlreiche Selbst­verletzungen (im Durchschnitt 26 Episoden) unternommen und sie erfüllten 3 oder mehr Kriterien einer Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Die dialektische Verhaltenstherapie bestand aus wöchentlichen individuellen Psychotherapien, einem Mehrfamiliengruppen-Training, einem Jugend- und Eltern-Telefoncoaching sowie wöchentlichen Therapeuten-Teamberatungen. Die Kontroll­gruppe nahm lediglich an regelmäßigen unterstützenden Gruppensitzungen teil.

Nach den jetzt vorgestellten Ergebnissen erzielte die dialektische Verhaltenstherapie bessere Ergebnisse: 90,3 % der Teenager gegenüber 78,9 % in der Kontrollgruppe unternahmen keine weiteren Suizidversuche. Die Odds Ratio von 0,30 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,10 bis 0,91 signifikant.

Auf nichtsuizidale Selbstverletzungen verzichteten in den ersten 6 Monaten nach der dialektischen Verhaltenstherapie 56,9 % der Teilnehmer gegenüber 40,0 % in der Kontrollgruppe (Odds Ratio 0,32; 0,13–0,70). Frei von sämtlichen selbst zugefügten Verletzungen blieben 54,2 % der Teenager gegenüber 36,9 % in der Kontrollgruppe (Odds Ratio 0,33; 0,14–0,78). 

Damit erzielte die dialektische Verhaltenstherapie in allen Endpunkten eine bessere Wirkung. Die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen verringerten sich allerdings im Zeitraum von 6 Monaten und einem Jahr. In dieser Zeit war kein statistisch signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe mehr erkennbar. Es gab jedoch keinen Anstieg des suizidalen oder selbstverletzenden Verhaltens, sodass die Behandlung langfristig erfolgreich sein könnte. Allerdings ist die Therapie weit davon entfernt, alle Teenager von ihrer Suizidalität zu befreien. Laut Linehan sind deshalb weitere Anstrengungen erforderlich, um das Therapiekonzept weiter zu verbessern. © rme/aerzteblatt.de

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