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Medizin

Studie sieht Überlebensvorteile durch mäßigen Alkoholkonsum trotz steigenden Krebsrisikos

Donnerstag, 21. Juni 2018

/stokkete, stockadobecom

Belfast – Hin und wieder ein Bier oder ein Glas Wein oder ein Grappa sollen gesund für Herz und Kreislauf sein, während ein hoher Alkoholkonsum schadet. Eine Studie in PLOS Medicine (2018; doi: 10.1371/journal.pmed.1002585) bestätigt erneut die „J-Kurve“ der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Der günstige Effekt war auch dann noch nachweisbar, wenn ein erhöhtes Krebsrisiko berücksichtigt wurde, für das es keinen Schwellenwert gibt.

Die PLCO-Studie („Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian“) ist eine unverfängliche Studie, um den kontroversen Einfluss von Alkohol auf das Sterberisiko zu untersuchen. Es gibt ganz sicher keine Interessenskonflikte zu den Herstellern alkoholischer Getränke, die früheren Untersuchungen vorgehalten wurden. Die Studie, an der 99.654 Männer und Frauen im Alter von 55 bis 74 Jahren teilnahmen, wurde vom staatlichen US-National Cancer Institute durchgeführt. Ihr primäres Ziel war die Prävention von Krebserkrankungen, was den Vorteil hat, dass neben den Gesamttodesfällen und der kardiovaskulären Sterblichkeit auch die Zahl der Krebstodesfälle genau dokumentiert wurde.

Da die Teilnehmer in einem Fragebogen auch zu ihren Trinkgewohnheiten befragt wurden, konnten Andrew Kunzmann von der Queen's University in Belfast und Mitarbeiter den Einfluss auf die einzelnen Sterberisiken untersuchen. Während einer Nachbeobachtungszeit von 8,9 Jahren oder 836.740 Personenjahren kam es zu 9.599 Todesfällen und 12.763 neuen Krebserkrankungen.

Die Studie bestätigt zunächst die bekannte „J-Kurve“ in der kardiovaskulären Morta­lität. Menschen, die angaben, niemals Alkohol zu trinken, hatten ein um 58 % höheres Sterberisiko als leichte Trinker (Hazard Ratio 1,58, 95-%-Konfidenzintervall 1,26–1,98). Der Tiefpunkt der Mortalitätskurve lag bei 1 bis 3 alkoholischen Getränken pro Woche. Die kardiovaskuläre Mortalität stieg mit zunehmendem Alkoholkonsum wieder an, allerdings nur langsam. Auch Teilnehmer, die 3 bis 4 alkoholische Getränken am Tag zu sich nahmen, hatten ein signifikant niedrigeres Sterberisiko als Abstinenzler.

Andererseits stieg das Krebsrisiko bereits mit dem ersten täglichen alkoholischen Getränk an. Und da Alkohol für Krebserkrankungen in Mundraum, Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Darm, Leber, weiblicher Brust und (wahrscheinlich auch) Magen mit­verantwortlich ist, die häufig tödlich enden, steigt auch das Mortalitätsrisiko ab dem ersten Getränk pro Tag an. 

Da allerdings das Krebsrisiko durch alkoholische Getränke nur langsam anstieg, blieb in der Gesamt-Mortalität eine „J-Kurve“ bestehen. Abstinent lebende Männer hatten insgesamt ein um 25 % höheres Sterberisiko als Männer, die 1 bis 3 alkoholische Getränke pro Woche zu sich nahmen (Hazard Ratio 1,25; 95-%-Konfidenzintervall 1,11–1,40). Bei abstinenten Frauen war die Gesamtmortalität um 29 % erhöht (Hazard Ratio 1,29; 1,14–1,46). Auch für gelegentliche Alkoholkonsumenten (weniger als 1 Getränk pro Woche) war das Sterberisiko leicht erhöht. Die Hazard Ratio betrug für Männer 1,14 (1,04–1.24) und für Frauen 1,23 (1,12–1,35). 

Starke Trinker (2 bis 3 alkoholische Getränke am Tag) hatten dann wieder ein signifikant erhöhtes Gesamt-Sterberisiko: Die Hazard Ratio betrug für Männer 1,19 (1,07–1,32) und für Frauen 1,38 (1,07–1,78). Bei sehr starken Trinkern (mehr als 3 Getränke am Tag) betrug die Hazard Ratio für Männer 1,36 (1,23–1,50) und für Frauen 1,99 (1,51–2,64).

Wie immer bei prospektiven Beobachtungsstudien (als die die sekundäre Analyse der randomisierten PLCO-Studie zu werten ist) sind die Ergebnisse nicht frei von Verzerrungen. Einige Ungleichverteilungen, etwa der höhere Anteil von Rauchern unter den Personen mit starkem Alkoholkonsum, konnten die Forscher bei ihren Berech­nungen berücksichtigen. Andere mögen ihnen entgangen sein, da nicht danach gefragt wurde. Eine Schwäche der Studie ist sicherlich, dass die Personen nur einmal im Alter von Mitte 50 nach ihrem lebenslangen Alkoholkonsum gefragt wurden. Nicht jeder mag sich in diesem Alter noch genau daran erinnert haben, wieviel Alkohol er in jüngeren Jahren zu sich nahm.

Als alkoholisches Getränk gewertet wurden eine Flasche Bier (12 Unzen, 240 Gramm), ein Glas Wein (5 Unzen, 141 Gramm) oder eine Spirituose (1,5 Unzen; 42 Gramm). © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 22. Juni 2018, 22:29

Publication Bias?

Schon auffällig, dass Studien mit dem Ergebnis eines positiven Effekts moderaten Trinkens sofort und kritiklos veröffentlicht werden - ein Schelm, wer böses dabei denkt...
Die Autoren weisen immerhin selbst auf erhebliche Biases ihrer Untersuchung und Einschränkung der Ergebnisinterpretation hin.
Diese Studie beweist eigentlich nichts - außer dass moderater Alkoholkonsum vor dem 55. Lebensjahr möglicherweise mit einer verminderten Krebssterblichkeit verbunden ist. Alkoholassoziierte Todesfälle vor dem 55. Lebensjahr sind nicht berücksichtigt, die Angaben zum Alkoholkonsum sind nicht überprüfbar, die Vergleichbarkeit mit der Durchchnittsbevölkerung ist unsicher...
Eine scchöne Fleißarbeitim Sold der Winzer, Bauer und Schnapsbrenner, sonst nichts!
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